Veranstaltungen

28. September 2018 , 18:00 Uhr
Vortrag Gespräch

Dr. Annette Weinke: Die Entnazifizierungspolitik der Alliierten im Vergleich

Programm:

Der Vortrag erläutert die Entnazifizierungsmaßnahmen am Ende des Zweiten Weltkriegs und zeigt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vorgehen der Alliierten auf. Vor diesem Hintergrund wird auch die Frage diskutiert, inwieweit die sowjetischen Speziallager in den größeren Zusammenhang der politischen Säuberungen und Entnazifizierungs-maßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg einzuordnen sind.

Annette Weinke ist Zeithistorikerin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ihre Habilitationsschrift erschien 2016 unter dem Titel: Gewalt, Geschichte, Gerechtigkeit. Transnationale Debatten über deutsche Staatsverbrechen im 20. Jahrhundert.

Historische Hintergründe

Nach dem vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg richtete die sowjetische Besatzungsmacht Ende August 1945 – zunächst im Kontext der alliierten Entnazifizierungsmaßnahmen – in Teilen des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Buchenwald das Speziallager Nr. 2 ein.  Bis zu seiner Auflösung im Februar 1950 kurz nach Gründung der DDR hielt sie dort insgesamt mehr als 28.000 Menschen, darunter auch etwa 1.000 Frauen, unter menschenunwürdigen Bedingungen fest. Bei den Internierten handelte es sich vorrangig um lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch um Denunzierte und ca. 2.000 Jugendliche unter 18 Jahren. Der Anteil politischer Gegner der Besatzungsmacht bzw. der Sowjetisierung der SBZ/DDR war gering.

Im Gegensatz zur Praxis in den amerikanischen oder britischen Besatzungszonen fanden im sowjetischen Speziallager Buchenwald auch nach den Nürnberger Prozessen 1946 nur sehr vereinzelt Überprüfungen statt. Wenige Internierte (2 Prozent der Insassen) werden an die sowjetische Militärjustiz übergeben. Die Mehrheit der Insassen wird ohne Urteil festgehalten, im Gegensatz zu den Speziallagern Bautzen und Sachsenhausen, in denen neben Internierten auch Verurteilte festgehalten werden. Das Lager widersprach allen Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit. Etwa 7.100 Internierte starben – insbesondere im Winter 1946/47 – vor allem an den Folgen von Hungerkrankheiten. Die Toten ließ die Lagerleitung in unmittelbarer Nähe des Lagers in Sammelgräbern verscharren. Die Gräberfelder blieben ungekennzeichnet und wurden dem Überwuchs preisgegeben.

 Im Kalten Krieg propagandistisch missbraucht und verzerrt, in der DDR weitgehend tabuisiert, musste die Geschichte des Speziallagers Nr. 2 ab 1990 erst umfassend erforscht und auf angemessene Weise ins historische Gedächtnis zurückgeholt werden. Bereits im September 1990 eröffnete die Gedenkstätte Buchenwald dazu eine erste Ausstellung, seit 1997 besteht die Dauerausstellung „Sowjetisches Speziallager Nr. 2 Buchenwald 1945–1950“. Sie wird in einem eigens errichteten Museumsneubau präsentiert. Er befindet sich unmittelbar an einem zum Waldfriedhof gestalteten Gräberfeld des Speziallagers.

Ort:

Stadtmuseum Weimar

Veranstalter: