Veranstaltungen

14. Juni 2017 , 18:00 Uhr
Vortrag

Ein Künstlerviertel für Germania

Programm:

Ein Künstlerviertel für Germania

 

Die Einrichtung von Künstlersiedlungen und Künstlervierteln ist in der Geschichte der Urbanistik aber auch in der Kunstgeschichte seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert eine durchaus übliche Form der Zusammenführung von Kunstgattungen, Künstlerinnen und Künstlern an einem Ort. Eine politisch-propagandistische Indienstnahme einer solchen Ansiedlung etabliert sich hingegen erst im 20. Jahrhundert und wurde bislang in der Forschung und Geschichtsschreibung wenig beachtet. Dass auch im NS-Regime Pläne zu einer repräsentativen Ansiedlung von Künstlerinnen und Künstlern geplant war, wissen nur Wenige. Ein bauliches Zeugnis dieses Vorhabens ist jüngst erst wieder als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden: Von 1939 bis 1942 wurde in Dahlem das Staatsatelier für den Bildhauer Arno Breker errichtet. Als Teil einer von Albert Speer konzipierten größeren Anlage von Künstlerateliers gedacht, blieb es kriegsbedingt das einzig realisierte Bauvorhaben. In den zurückliegenden gut sieben Jahrzehnten seines Bestehens ist es immer wieder zum Spiegelbild der bewegten Geschichte der Stadt geworden.

 

Dr. Dorothea Schöne, künstlerische Leiterin des Kunsthaus Dahlem, rekapituliert die Geschichte des Staatsateliers von Arno Breker von der Erbauung im und Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute.

 

Der Vortrag findet statt in Vorankündigung einer neuen Ausstellung im Kunsthaus Dahlem – Neue/Alte Heimat. Re/Migration von Künstlerinnen und Künstlern nach 1945 – die am 29. Juni eröffnet und dann bis zum 17. Juni 2018 zu sehen sein wird. 50 Werke von 25 Künstlerinnen und Künstlern illustrieren dabei unterschiedliche Exilerfahrungen und die Rückkehr in ein verändertes, meist noch schwer zerstörtes Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

 

Anschließend laden wir zu einem Umtrunk auf der Bibliotheksterrasse ein.

 

An dieser Stelle sei bereits auf einen Vortrag im Kunsthaus Dahlem am 12. Juli um 19 Uhr verwiesen. Dorothea Schöne wird dann über das Schicksal von Jussuf Abbo – eines Künstlers aus der Ausstellung Neue/Alte Heimat – referieren: Im palästinensischen Safed (im heutigen Israel) geboren, wurde Abbos Talent schon früh entdeckt. Auf Vermittlung eines deutschen Architekten zog er nach Berlin und genoss innerhalb kürzester Zeit große künstlerische Anerkennung. Mit Else Lasker-Schüler verband ihn eine enge Freundschaft. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er bald nach Machtübernahme der Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen. 1953 verstarb Jussuf Abbo verarmt in London. Eine umfassende museale Würdigung ist dem Künstler bislang verwehrt worden.

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