Veranstaltungen

29. März 2011 , 19:00 Uhr
Vortrag

Entgrenzung der Gewalt. Gestapo-Lager in der Endphase des Dritten Reiches

Programm:

– Eintritt frei –

Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs baute die Gestapo eigene Haftstätten auf. Ab 1943 gebot sie schließlich über ein völlig autonomes eigenes Lagergefüge, das in seiner Gewaltdynamik dem KZ-System glich. In ihrem Buch Entgrenzung der Gewalt. Gestapo-Lager in der Endphase des Dritten Reiches (2010) beschreibt Elisabeth Thalhofer anhand von exemplarischen Analysen einzelner Lager der regionalen Stapostellen Frankfurt/Oder, Dortmund und Saarbrücken die bisher weitgehend unbekannt gebliebenen „Erweiterten Polizeigefängnisse“ der Geheimen Staatspolizei, ihre Organisation und Funktion als Straf- und Durchgangslager sowie ihre Stellung innerhalb des Verfolgungssystems. Ihre Studie verdeutlicht, dass gegen Kriegsende Gewalt-handeln gesellschaftlich akzeptiert war und der NS-Terror kollektive Dimensionen erreicht hatte: Die Gestapo-Lager wurden unter Mitwirkung von Kommunalbehörden und örtlichen Firmen betrieben, das Bewachungspersonal wurde aus der Zivilbevölkerung angeworben oder über die Arbeitsämter rekrutiert. Viele Häftlinge erlebten ihre Haftzeit in „Erweiterten Polizeigefängnissen“ als extrem lebensbedrohlich.

Elisabeth Thalhofer, 1976 geboren, ist Leiterin der Bundesarchiv-Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Schloss Rastatt. Nach einem Studium der Neueren Geschichte, Neueren Deutschen Literatur- und Sprachwissenschaft in Saarbrücken promovierte sie 2008 mit der vorliegenden Studie an der Universität des Saarlandes und absolvierte ein Archivreferendariat beim Bundesarchiv. Sie hat diverse Beiträge zur Geschichte der Erweiterten Polizeigefängnisse verfasst und mehrere Jahre bei der „Initiative Neue Bremm“ an der Neugestaltung der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm ehrenamtlich mitgearbeitet.

Thomas Lutz ist Gedenkstättenreferent der Stiftung Topographie des Terrors.

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