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16. Mai 2019 , 19:30 Uhr
Zeitzeugen

„Er sah die Not der Menschen und musste helfen“ - Zeitzeugengespräch über den Rettungswiderstand von Carl Lutz

Programm:

Carl Lutz (1895-1975) ist bisher wenig bekannt. Dabei war der Schweizer Vizekonsul in Budapest ab Anfang 1942 für jüdische Flüchtlinge aus Hitlers unmittelbarem Herrschaftsbereich eingetreten. Ungarn war mit Deutschland im Zweiten Weltkrieg verbündet. Deshalb hatten die Kriegsgegner in Ungarn keine eigenen diplomatischen Vertretungen mehr. In deren Auftrag kümmerten sich die Diplomaten der neutralen Staaten auch um ihre Visaangelegenheiten. Carl Lutz übernahm diese Aufgabe für 14 Staaten. Als im März 1944 die deutsche Wehrmacht in Ungarn einmarschierte, begannen die Nationalsozialisten und ihre ungarischen Helfer mit der Deportation der großen jüdischen Gemeinschaft in die Vernichtungslager. Gemeinsam mit jüdischen Hilfsorganisationen und anderen Akteuren konnte Carl Lutz durch seinen mutigen Einsatz und die – seine Befugnisse weit überschreitende – Ausstellung von sogenannten Schutzbriefen und Schutzpässen etwa 62.000 Menschen vor der Deportation bewahren. Als die Lage immer bedrohlicher wurde, mietete er 72 Häuser in Budapest an, in denen die Verfolgten Zuflucht fanden. In mehreren Fällen erreichte er, dass bereits Deportierte wieder zurückkehren konnten. Carl Lutz erhielt nach dem Krieg von jüdischer Seite hohe Ehrungen. Er gehörte als engagiertes Mitglied der evangelisch-methodistischen Kirche zu den ersten vom Staat Israel als „Gerechte unter den Völkern“ Gewürdigten. In der Schweiz wurde seine Rettungsaktion allerdings als Kompetenzüberschreitung eingestuft. Bis zu seinem Tod litt er unter der unzureichenden Würdigung seines Widerstands im Heimatland.

Zum Zeitzeugengespräch kommt aus der Schweiz Agnes Hirschi, die selbst zu den Geretteten gehört. Ihre Mutter wurde in der Residenz von Carl Lutz als Hausdame eingestellt und heiratete später den Diplomaten. Agnes Hirschi erinnert sich an ihren Stiefvater:  „Von Natur aus war er schüchtern und introvertiert. Doch er sah einfach die Not der Menschen und musste helfen!“

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