Veranstaltungen

20. März 2011 , 10:00 Uhr
Gottesdienst

Fernsehgottesdienst zur Erinnerung an die „Euthanasie“-Opfer

Programm:

im Mittelpunkt des Passionsgot­tes­dienstes steht das namentliche Gedenken an Opfer der NS-„Euthana­sie“ und an Menschen, die wegen ihres Widerstandes gegen die Krankenmorde selbst verfolgt wurden.

Von 1939 bis 1945 ermordete der nationalsozialistische Staat in der „Euthanasie“ etwa 300.000 Kinder, Frauen und Männer. Als „lebensunwert“ galten psychisch kranke und geistig behinderte Men­schen, Für­sorge­­zög­linge, Alkoholkranke und andere, die als „erbkrank“ oder „minderwertig“ eingestuft wurden.

Vor 70 Jahren, im Frühjahr 1941, wurde der Krankenmord auf „arbeitsunfähige“ KZ-Häftlinge aus­ge­wei­tet. In Dachau begannen SS-Ärzte im Sommer 1941 mit den „Selektionen“. Später wurden mit „In­va­li­den­­transporten“ 2.593 Menschen aus Dachau nach Schloss Hartheim bei Linz gebracht, wo sie mit Gift­gas ermordet wurden. Nach Beendigung dieser Transporte ging die „Euthanasie“ im KZ Dachau mit Gift­injektionen und Nahrungsentzug weiter. Im Herbst 1944 deportierte die SS 2.177 „arbeitsunfähige“ jüdi­sche Häftlinge aus den Außenlagern Mühldorf und Kaufering zur Ermordung nach Auschwitz.

In der deutschen Bevölkerung gab es Zustimmung zum „Gnadentod“ für „lebensunwertes Leben“, aber auch Wi­der­spruch und mutigen Einsatz für Verfolgte. Auch ins KZ Dachau wurden Menschen ver­schleppt, die gegen die Verbrechen protestierten. An sie wird im Gottesdienst ebenfalls erinnert.

Es dauerte Jahrzehnte, bis die Opfer der „Euthanasie“ als NS-Verfolgte anerkannt wurden. Dies hängt auch damit zusammen, dass Menschen mit Behinderung über 1945 hinaus diskriminiert und aus­gegrenzt wur­­­den. Barbara Nieder, die als Sozialpädagogin in einer integrativen Wohngemein­schaft des Ver­eins „Gemeinsam Leben Lernen“ arbeitet, wird im Gottesdienst von aktuellen Erfahrungen berichten. Wie ihre Bewohner mit geistiger Behinderung sich manchmal in der Öffentlichkeit fühlen: ausgelacht, an­gestarrt, nicht für voll genommen. Frau Nieder befürchtet, dass die Akzeptanz weiter abnimmt, wenn in der Ge­sell­­schaft durch die Möglichkeiten der Prä­implantations­diagnostik das Bild des Menschen als gentech­nisch „designtes“ We­sen mehrheitsfähig wird.

Das Bach-Ensemble Pasing singt unter Lei­tung von Kirchenmusikdirektor Arnold Mehl Werke von Johannes Brahms, Heinrich Kaminski und Felix Mendelssohn Bartholdy.

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