Veranstaltungen

18. Mai 2021 , 19:00 Uhr
Film Gespräch

Film und Gespräch im Stream mit einer Online-Premiere - Zustand und Gelände

Programm:

Am morgigen Dienstag, dem 18. Mai 2021 um 19 Uhr, zeigen wir in der Reihe "Film und Gespräch" anlässlich des 76. Jahrestags der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora als Online-Premiere den Film Zustand und Gelände mit anschließendem Publikumsgespräch.

Ausgangspunkt des Films sind sogenannte wilde Konzentrationslager, die unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ab März 1933 zur Ausschaltung politischer Gegner:innen eingerichtet wurden und heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. ZUSTAND UND GELÄNDE handelt von den Überschreibungen der Orte durch die Zeit und davon, wie sich unterschiedliche politische Erinnerungskulturen in sie eingeschrieben haben. Der Film verknüpft drei aufeinanderfolgende Zeiträume der deutschen Geschichte zu einem losen Narrativ, in dem Gewalt zur Durchsetzung von Macht eine wesentliche Rolle spielt.

Bilder von Straßen, Wohnhäusern, Schlössern und Burgen aus Sachsen treffen auf aus dem Off verlesene bürokratische Briefwechsel, Tagebucheinträge, literarische Fragmente. Zu Beginn entstammen sie dem Jahr 1933, kreisen thematisch um die Suche nach, später die Organisation von Schutzhaft- und Konzentrationslagern, der Unterdrückung bzw. dem Widerstand der politischen Opposition, von traumatischen Erfahrungen. Nach und nach kommen neue Zeitschichten hinzu - 1945, 1977, 1990, 2011 - und mit ihnen Diskurse der Erinnerungskultur - der Repräsentation dieser Ereignisse, der Etablierung von Denkmälern, der Definition des Begriffs "Opfer des Faschismus". Auge und Ohr werden voneinander getrennt, die Gegenwart der Orte im Bild trifft auf deren Nutzung und Deutung in diversen, historischen Schichten im Ton. So erzählt ZUSTAND UND GELÄNDE nicht nur von Orten, die im Nationalsozialismus gleich zu Beginn Teil einer netzartigen faschistischen Infrastruktur wurden, sondern die später - nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Ende der DDR, in der gesamtdeutschen Gegenwart der NSU - umkämpfte Räume einer Deutungshoheit von Geschichte und Legitimation politischer Linien wurden.

Daraus entsteht das drückende Gefühl eines Insistierens der Vergangenheit auf eine Gegenwart, wird Geschichte als Ge-schichtetes begreifbar, in jedem Bild potenzieren sich die Zeitpunkte und Zeiträume und beharren auf ihr Jetzt.

Deutschland 2019 | 118' | OmU (Deutsch/Englisch)| Regie: Ute Adamczewski

Der Film wartet coronabedingt auf seinen Kinostart, in Deutschland voraussichtlich am 17. Juni 21, die deutsche und internationale Premiere fand auf den Festivals in Leipzig (DOK) und Marseille (FIDE) statt, wo der Film auch jeweils die Hauptpreise als bester Film gewonnen hatte. Wir freuen uns, den Film als Online-Premiere, erstmals außerhalb eines Festivalrahmens, präsentieren zu dürfen.

Livegespräch im Anschluss mit der Regisseurin Ute Adamczewski, Jonas Kühne von der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG) und dem Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner. Das Publikum an den Bildschirmen ist eingeladen, via Chat Fragen zu stellen.

Die Online-Veranstaltungsreihe "Film und Gespräch" ist eine Kooperation der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit dem Kino mon ami und dem Deutschen Volkshochschul-Verband.

Stream über liberation.buchenwald.de

Hinweise zu unseren weiteren Veranstaltungen finden Sie unter: https://liberation.buchenwald.de/was-stattfindet

Ort:

Veranstalter:

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora