Veranstaltungen

8. Mai 2021 , 11:30 Uhr

Für unsere und eure Freiheit!Stilles Gedenken 8.05, 11:30 Denkmal der Polnischen BefreierInnen an der TU

Programm:

Am 8. Mai jährt sich zum 76. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und die Befreiung vom Nationalsozialismus. Der Krieg kostete allein sechs Millionen polnische Staatsbürger das Leben, darunter drei Millionen polnische Jüdinnen und Juden sowie eine Million Menschen, die nationalen Minderheiten angehörten, insbesondere Ukrainer, Belarussen, Roma und Litauer.

Die Spuren der Kämpfe im Frühjahr 1945 sind im Zentrum Berlins vielfach sichtbar. Weniger präsent ist jedoch die Erinnerung an jene Menschen, welche die Befreiung Berlins vom Nationalsozialismus und die Hoffnung auf einen demokratischen Neuanfang möglich machten. Im Bewusstsein der Berlinerinnen und Berliner ist die Erinnerung an die fast 200.000 polnischen Soldaten und Frauen-Soldaten, die neben der Roten Armee aktiv an der sog. Berliner Operation teilnahmen, kaum vorhanden.

Polnische Soldaten der 2. Infanterie-Division der 1. Polnischen Armee (1 AWP) befreiten dabei gemeinsam mit sowjetischen Truppen das deutsche KZ Sachsenhausen und verhinderten einen Durchbruch der Waffen-SS unter General Steiner bei Oranienburg. Unterdessen wurde die polnische 1. Tadeusz-Kościuszko-Division ins Berliner Stadtzentrum verlegt, wobei sie die damalige Technische Hochschule, den S-Bhf. Tiergarten und die Reste der in der Reichspogromnacht 1938 zerstörten Synagoge in der Fasanenstrasse von Nazis befreiten. Während polnische Artilleristen der Haubitzen-Brigade das Schloss Bellevue, den heutigen Sitz des Bundespräsidenten eroberten, lieferten sich andere polnische Verbände heftige Kämpfe am Charlottenburger Tor, bei der Umgehung der Barrikade an der Deutschen Oper und am Karl-August-Platz, wo ein erster polnischer Militär-Friedhof errichtet wurde.

Die Reihen der Polnischen Soldaten waren so vielfältig, wie die divers-kulturelle polnische Gesellschaft und ihre Minderheiten: polnische Juden, Ukrainer und Belarussen, Roma. Unter ihnen auch Frauen-Soldaten. Alle einte der Wunsch der nazistischen Terror-Politik im besetzten Polen ein Ende zu bereiten, nach Hause zurückkehren zu dürfen und einen Wiederaufbau Polens und Europas in Frieden und Freiheit zu ermöglichen. Die meisten dieser Menschen waren geprägt vom Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen am 1. September 1939 und der am 17. September 1939 nachfolgenden sowjetische Besatzung Ostpolens. Im Zuge stalinistischer Deportationen wurden sie nach Sibirien (1940-1941) verschleppt. Nach einer sogenannten Amnestie meldeten sich 1941 zahlreiche Polen aus den Gulags in die Polnische Armee, die in der Sowjetunion unter General Władysław Anders formiert wurde. Viele erreichten die bereits 1942 in den Nahen Osten evakuierte und später an der italienischen Front bei Monte Cassino eingesetzte Armee von General Anders jedoch nicht mehr. Jene, die zu spät kamen, schlossen sich 1943 der neugeschaffenen 1. Polnischen Armee unter General Zygmunt Berling an. Nach dem gescheiterten Warschauer Aufstand 1944 wurden auch ehemalige Aufständische der Heimatarmee (Armia Krajowa) und zuvor bereits Teile der 27. Wolhynien-Division in die Reihen der 1. Polnischen Armee aufgenommen.

Anlässlich des Antikriegstages, wurde am 1. September vergangenen Jahres, auf Initiative der Berliner VVN-BdA und Unterstützung des Bezirksamtes Wilmersdorf-Charlottenburg sowie des AStA TU - unter tatkräftiger Beteiligung Überlebender polnischer und jüdischer Widerstandskämpfer - sowie der Zivilgesellschaft und deutsch-polnischer Akteure ein "Denkmal für die Polnischen BefreierInnen Berlins" an der Technischen Universität eingeweiht.

Wir möchten Sie deshalb sehr herzlich am 8. Mai um 11:30 Uhr zum stillen Gedenken an dem Denkmal einladen und anregen an die tragischen Schicksaale der polnischen Befreier zu erinnern und ihren opfervollen Beitrag zu gedenken. Das Denkmal ist ein Zeichen des Dankes an unsere polnischen Nachbarinnen und Nachbarn sein, die "für unsere und eure Freiheit" kämpften. Zugleich soll es den Versöhnungsgedanken stärken und die Notwendigkeit der Bewahrung demokratischer Werte und des Dialoges in Europa anmahnen.

Ort:

Denkmal der Polnischen BefreierInnen von Berlin Straße des 17. Juni 145 / Ernst-Reuter-Platz, 10623 Berlin

Veranstalter:

Deutscher Bundestag