Veranstaltungen

24. September 2016 - 25. September 2016
Gedenkveranstaltung

Gedenkstätte und Opferverband erinnern an die Einrichtung des sowjetischen Speziallagers in Sachsenhausen vor 71 Jahren

Programm:

In der Gedenkstätte Sachsenhausen wird an diesem Wochenende (24./25. September) mit einer Sonderführung, einem Zeitzeugengespräch und einer Gedenkveranstaltung an die Einrichtung des sowjetischen Speziallagers in Sachsenhausen vor 71 Jahren erinnert. Im Mittelpunkt stehen dabei die mehr als 16.000 Inhaftierten, die von sowjetischen Militärtribunalen verurteilt wurden. Die ersten SMT-Verurteilten kamen vor 70 Jahren in das Speziallager Sachsenhausen. Zu den Veranstaltungen werden rund zehn ehemalige Häftlinge des Speziallagers und zahlreiche Angehörige erwartet.

Das Programm beginnt am Samstag, 24. September 2016, um 11 Uhr mit einer Führung durch die aktuelle Sonderausstellung „‘An Gefäßen für das Essen gab es nichts.‘ Keramikfunde zur Geschichte der sowjetischen Speziallager Mühlberg und Buchenwald“. Referentin ist die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Buchenwald und Kuratorin der Ausstellung, Dr. Julia Landau. Um 14 Uhr steht ein Zeitzeugengespräch mit Leonore Bellotti, Margot Jann und Harald Beer auf dem Programm, die teilweise zu den ersten SMT-Verurteilten gehören, die 1946 in die „Zone II“ des Speziallagers Sachsenhausen kamen. Mehr als 12.000 verurteilte Deutsche mussten ihre von den Tribunalen verhängten Strafen unter unmenschlichen Haftbedingungen in Sachsenhausen verbüßen. Zur Gruppe der SMT-Verurteilten gehörten auch etwa 4.000 Sowjetbürger und andere Ausländer.

 

Am Sonntag, 25. September 2016, wird um 11 Uhr auf dem Friedhof am ehemaligen Kommandantenhof, wo mehr als 7.000 Opfer des Speziallagers in Massengräbern ruhen, eine Gedenkveranstaltung stattfinden, die gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-50 e.V. ausgerichtet wird. Nach der Begrüßung durch Dr. Enrico Heitzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, und den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Joachim Krüger, werden Staatssekretär Martin Gorholt, Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund und Beauftragter für internationale Beziehungen, und Leonore Bellotti, zu den Anwesenden sprechen. Die 91-jährige Berlinerin und ihre Mutter wurden am 4. Oktober 1946 von einem sowjetischen Militärtribunal wegen „antisowjetischer Propaganda und Agitation“, der „Verleumdung der Roten Armee“ und der Verbreitung antisowjetischer Flugblätter zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt und ins sowjetische Speziallager Nr. 7 nach Sachsenhausen verbracht. Die Gedenkveranstaltung endet mit einer Andacht und einer Kranzniederlegung.

Im Zuge der Verlegung des sowjetischen Speziallagers Nr. 7 von Weesow (bei Werneuchen) kamen am Abend des 16. August 1945 mehr als 5.000 von der Haft geschwächte Häftlinge nach einem Fußmarsch von rund 40 Kilometern in den Baracken des ehemaligen KZ Sachsenhausen an. Der Jahrestag der Ankunft der ersten Inhaftierten in Sachsenhausen wird von den ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen seit Anfang der 1990er Jahre als Gedenktag für die Opfer des Speziallagers begangen. 

Insgesamt inhaftierte der sowjetische Geheimdienst NKWD bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1950 rund 60.000 Menschen im Speziallager Sachsenhausen, von denen 12.000 an Hunger und Krankheiten starben. Im Lager waren vorwiegend untere Funktionäre des NS-Regimes, aber auch Mitarbeiter aus Verwaltung, Polizei, Justiz und Wirtschaft sowie SS-Personal aus den Konzentrationslagern inhaftiert. Unter den Häftlingen befanden sich außerdem politisch Missliebige und willkürlich Verhaftete sowie von sowjetischen Militärtribunalen Verurteilte - Männer und Frauen, Junge und Alte, NS-Belastete und Unbelastete.

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