Veranstaltungen

10. März 2011 - 11. März 2011
Tagung / Seminar / Workshop

Ideologie und Innovation - Die Technik und der nationalsozialistische Vierjahresplan

Programm:

VDI-Bereich Technikgeschichte/ Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte, Ruhr-Universität Bochum, Bochum 10.03.2011-11.03.2011, Ruhr-Universität Bochum

Deadline: 30.10.2010

Am 10. und 11. März 2011 führt der Verein Deutscher Ingenieure an der Ruhr-Universität Bochum die Technikgeschichtliche Jahrestagung durch.

Abstracts im Umfang von max. 1000 Zeichen in elektronischer Form werden bis zum 30.10.2010 erbeten an den wissenschaftlichen Tagungsleiter Prof.

Dr. Helmut Maier (helmut.maier@rub.de).

Bereits im Jahr der Machtübernahme 1933 begann das NS-Regime mit der Errichtung des "autarken Wehrstaates". Der Vierjahresplan von 1936, der dieses Ziel zur techno-politischen Maxime erhob, zielte darauf ab, die deutsche Wirtschaft auf heimische Rohstoffe umzustellen und binnen vier Jahren "kriegsfähig" zu machen. Es ging um die Produktion von synthetischem Benzin und Gummi, Eisen aus deutschen Erzen sowie den Ausbau der Leichtmetallgewinnung für die Flugzeugproduktion.

Zugleich beinhaltete der Vierjahresplan ein Programm, in dem Forschung und Entwicklung eine besondere Aufwertung erfuhren. Eine spezielle Behörde wurde ins Leben gerufen, die man heute als Innovationsministerium bezeichnen würde. Das Reichsamt für Wirtschaftsausbau koordinierte und finanzierte eine Vielzahl von Forschungsvorhaben, die sich der Entwicklung und Einführung heimischer Roh- und Werkstoffe, aber auch der chemischen Technologie, der Kraftfahrt- und der Energieforschung widmeten.

Man weiß heute, dass das Ziel der Autarkie nur in sehr wenigen Fällen erreicht wurde. Trotzdem sind vor allem die mittel- und langfristigen Wirkungen dieses massiven staatlichen Technologieprogramms nicht eindeutig geklärt. Sicher ist, dass bestimmte bevorzugte Technikfelder erheblich profitierten. Viele der geförderten Technologien kamen in der Zeit des "Wirtschaftswunders" in der Bundesrepublik, aber auch in der DDR ab den 1950er Jahren zur Blüte, wie das Beispiel der Kunststoffe eindrucksvoll belegt.

Die Tagung macht sich zur Aufgabe, die Rolle der Technik im Vierjahresplan im Hinblick auf technische Innovationen zu diskutieren.

Wie wirkte sich die staatliche Technologiepolitik auf das nationale Innovationssystem aus? Handelte es sich lediglich um den NS-typischen ideologischen Aktionismus und beim Reichsamt um eine aufgeblähte Sonderbehörde? Oder lassen sich Bereiche der Technik vor und nach 1945 identifizieren, die von dem Forschungs- und Entwicklungsprogramm profitierten? Und schließlich: Wie prägte das autarkistische Denken die Ingenieure in der mittelfristigen Perspektive?

Homepage <http://www.vdi.de/43301.0.html>

Ort:

VDI-Bereich Technikgeschichte/ Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte, Ruhr-Universität Bochum

Veranstalter:

Ruhr-Universität Bochum