Veranstaltungen

14. November 2010 , 15:30 Uhr
Vortrag

Johannes Fülberth: Das Strafgefängnis Spandau 1920-1945. Kontinuität und Bruch im Strafvollzug

Programm:

Das Strafgefängnis Spandau ist heute fast nur noch als letzter Aufenthaltsort des Stellvertreters Hitlers Rudolf Hess bekannt. Dies scheint symptomatisch für den allgemeinen gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Strafvollzug zu sein: Der normale Gefängnisalltag erscheint kaum interessant, obwohl sich gerade hier gesellschaftliche Normen und Tendenzen im Umgang mit delinquentem Verhalten manifestieren. Während der Weimarer Republik unterstand das Strafgefängnis Spandau lange Zeit einem reformorientierten Direktor, der neuzeitlichen Bestrebungen im Strafvollzug durchaus aufgeschlossen gegenüberstand. Es gab für die Häftlinge die Möglichkeit, Konzerte und Vorträge zu hören. Ein abgestufter Strafvollzug wurde eingeführt. Im Nationalsozialismus waren Gefängnisse ebenso wie Konzentrationslager Teil des Systems, in dem sie ihre Rolle als Instrument der Repression und Disziplinierung der Bevölkerung erfüllten. Nach dem Reichstagsbrand wurde es zentraler Haftort für prominente politische Gefangene aus Berlin wie z. B. Kurt Hiller, Hans Litten oder Werner Scholem. Im Laufe der Umsetzung der nationalsozialistischen Politik der 1930er Jahre wurden Gefangene Opfer von Zwangssterilisationen. Unmittelbar an die Haftzeit schlossen sich häufig Überweisungen in die KZs und zur Zwangsarbeit an.

Johannes Fülberth: M.A. in Geschichte, Politik und Soziologie, freier Mitarbeiter im Haus der Wannsee- Konferenz, Doktorand an der Freien Universität

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