Veranstaltungen

12. November 2017 , 17:00 Uhr
Lesung

Lena Stolze liest in der Gedenkstätte Leistikowstraße aus den Erinnerungen von Marlise Steinert

Programm:

Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam lädt alle Interessierten am Sonntag, 12. November 2017, um 17.00 Uhr herzlich zur Lesung aus den Erinnerungen von Marlise Steinert ein, die 1947 einen Monat im sowjetischen Untersuchungsgefängnis in der Potsdamer Leistikowstraße verbringen musste. Es liest die Schauspielerin Lena Stolze. Der Eintritt ist frei.

 

Marlise Steinert, geboren 1904 in Riga, erlebte als Kind die Auswirkungen der Oktoberrevolution von 1917 und des anschließenden Bürgerkrieges. Ihr Onkel, Stadtpfarrer in Riga, wurde im Zuge der Kämpfe um die Unabhängigkeit Lettlands gefangengenommen und von der Roten Armee erschossen. Steinert und ihre Familie siedelten 1939, nach der durch den Hitler-Stalin-Pakt vereinbarten Gebietsaufteilung in Ostmitteleuropa, nach Posen in den vom nationalsozialistischen Deutschland okkupierten Teil Polens um. Im Januar 1945 floh die Familie schließlich nach Potsdam.

 

Nach Kriegsende arbeitete Marlise Steinert als Dolmetscherin für die sowjetische Militärspionageabwehr im „Militärstädtchen Nr. 7“ in Potsdam. Im Jahr 1947 geriet sie selbst in die Mühlen des Apparates und wurde verhaftet. Nach vierwöchiger Untersuchungshaft im Gefängnis Leistikowstraße wurde sie nach Moskau verlegt. Ein Sondergericht verurteilte sie wegen Spionage zu 15 Jahren Lagerhaft. Bis 1953 war sie in unterschiedlichen Lagern des GULAG inhaftiert, bevor sie vorzeitig freikam. Sie ließ sich bei ihrer Familie in Verden (Niedersachsen) nieder, wo sie 1982 verstorben ist.

 

Unmittelbar nach ihrer Entlassung 1954 schrieb Marlise Steinert in unscheinbaren schwarzen Kladden ihre Erinnerungen nieder. Bewegend, anschaulich und ohne Pathos schildert sie darin die Lebensbedingungen im Gefängnis und im Lager, beschreibt Verhöre, Entbehrungen und Solidarität, Konflikte mit Mitgefangenen und Überlebensstrategien. Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße wird Ende 2017 anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution eine erweiterte Neuausgabe dieses bedeutenden zeitgeschichtlichen Dokuments, ergänzt um bisher unveröffentlichte Passagen sowie die Erinnerungen ihrer Schwester, publizieren.

 

Die Schauspielerin Lena Stolze ist mehrfache Bundesfilmpreisträgerin, u. a. für ihre Rolle als Sophie Scholl im Kinofilm „Die weiße Rose“ (D 1980, Regie: Michael Verhoeven). Der Film „Das schreckliche Mädchen“ von 1990, in dem Stolze die Hauptrolle spielte, war für den Oscar nominiert. Sie war u. a. am Burgtheater Wien und am Thalia-Theater Hamburg engagiert, außerdem kennt man sie aus zahlreichen TV-Auftritten, zum Beispiel im „Tatort“ oder in der Krimiserie „Kommissarin Heller“.

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