Veranstaltungen

14. Oktober 2016 - 25. November 2016
Vortrag

„Migration und Flucht. Geschichten und Erfahrungen aus dem extremen 20. Jahrhundert“

Programm:

Vortragsreihe vom 14. Oktober bis zum 25. November 2016 in der Tourist-Information Weimar

 

Die Geschichte des extremen 20. Jahrhunderts ist geprägt durch Migration und Flucht: bereits in der Zeit des Ersten Weltkrieges wurden ganze Bevölkerungsgruppen vertrieben, wie beispielsweise die Armenier aus der Türkei. Aus anderen Ländern wanderten Hunderttausende aus; das nationalsozialistische Deutschland mussten seit 1933 rund eine halbe Million Menschen verlassen; fast ebenso viele Republikaner gingen in Folge des vor 80 Jahren beginnenden Spanischen Bürgerkrieges ins Exil; am Ende des Zweiten Weltkrieges zählten die Alliierten bis zu 12 Millionen „Displaced Persons“ – Geflüchtete, Vertriebene, Deportierte oder aus anderen Gründen Entwurzelte. Unmittelbar darauf lösten die Errichtung kommunistischer Diktaturen in Osteuropa und der Kalte Krieg neue Migrations- und Fluchtbewegungen aus. Die DDR etwa verließen allein bis zum Mauerbau 1961 dreieinhalb Millionen Menschen. Nach 1989/90 setzten insbesondere die Kriege im ehemaligen Jugoslawien erneut eine große Flucht- und Migrationsdynamik in Gang. Seit einigen Jahren versuchen nun immer mehr Menschen aus Afrika und Asien vor blutigen Konflikten, etwa in Nigeria, Mali, Syrien oder Afghanistan, in Europa Schutz zu finden.

Angesichts der sich seit dem vergangenen Jahr zuspitzenden humanitären Katastrophe nahmen insbesondere Deutschland, Schweden und Dänemark weit über eine Million geflüchtete Menschen auf. Dass im Gegensatz dazu osteuropäische Länder, aber auch Großbritannien, sich dem bislang verweigerten und EU-weit nach Abschottung gerufen wird, verweist nicht zuletzt auf die begrenzte Anerkennung der vor 65 Jahren in Genf verabschiedeten UN-Flüchtlingskonvention. Vor welchem Erfahrungshintergrund ist diese entstanden und welche Wirkung konnte sie dennoch entfalten? Welche Rechte hatten und haben Geflüchtete? Und wovon hängt es ab, wie sich einzelne Länder ihnen gegenüber verhalten?

Diesen und weiteren Fragen gehen sechs Expertinnen und Experten zwischen dem 14. Oktober und dem 25. November 2016 in ihren Vorträgen in der Tourist-Information Weimar nach. Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen realisieren die Reihe in Verbindung mit dem Förderverein Buchenwald e. V. und der Stadt Weimar. Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr. Nach ihren Ausführungen stehen die Referenten dem Publikum für Fragen und Diskussion zur Verfügung. Der Eintritt ist frei.

Zu Beginn der Vortragsreihe gibt Jochen Oltmer (Osnabrück) am Freitag, dem 14. Oktober 2016, um 19.30 Uhr in der Tourist-Information Weimar eine Einführung in die Thematik. Er erklärt gegenwärtige Phänomene wie Migration, Flucht, Asyl und Grenzen durch den Blick auf lange Linien des Wandels der Migration und bettet sie in globale Bezüge ein. Welche Faktoren bedingten und beeinflussten im 20. Jahrhundert Migration und Flucht, welche Formen fanden die räumlichen Bewegungen und von welchen Folgen und Effekten ist auszugehen? Auf welche Weise lässt sich der deutliche Anstieg der Zahl der Asylsuchenden in der Bundesrepublik 2015 einordnen?

Dr. phil. habil. Jochen Jg. 1965, ist Außerplanmäßiger Professor für Neueste Geschichte und Mitglied des Vorstands des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Der Autor und Herausgeber von Büchern und Aufsätzen zur Geschichte von Migration und Migrationspolitik vor allem im 19. und 20. Jahrhundert veröffentlichte allein in diesem Jahr unter anderem die Bände Handbuch Staat und Migration in Deutschland vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Berlin/Boston 2016, Globale Migration. Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage, München 2016, sowie Migration vom 19. bis zum 21. Jahrhundert (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 86), 3. Auflage, Berlin/Boston 2016.

Flyer(pdf)

Ort:

Markt 10, 99423 Weimar

Veranstalter:

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora