Veranstaltungen

27. Januar 2021 , 19:00 Uhr
Vortrag

Misshandlung und Deportierung in die Vernichtung

Programm:

Misshandlung und Deportierung in die Vernichtung - Die gerichtliche Aufarbeitung der an den hohenzollerischen Juden begangenen Verbrechen in der Nachkriegszeit (1946-1950) am Beispiel der Prozesse gegen Paul Schraermeyer und Josef Kronenbitter und Mittäter

digitaler Vortrag von Dr. Andreas Zekorn

Anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hält Dr. Andreas Zekorn am Mittwoch, den 27. Januar 2021 um 19:00 Uhr einen digitalen Vortrag, zu dem die Initiative Hechinger Synagoge e.V. (www.alte-synagoge-hechingen.de) und der Hohenzollerische Geschichtsverein e.V. (https://www.hohenzollerischer-geschichtsverein.de/) gemeinsam einladen.

Am 18. April 1947 waren bei der Staatsanwaltschaft Hechingen sieben Strafsachen wegen Ausschreitungen gegen Juden und jüdisches Eigentum während der Zeit des nationalsozialistischen Unrechtsregimes im damaligen Landkreis Hechingen anhängig. Die Aufarbeitung der regionalen Verbrechen, die während der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft begangen wurden, durch deutsche oder - in unserer Region - französische gerichtliche Instanzen in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis etwa zum Jahre 1950 war kaum Gegenstand wissenschaftlicher Aufarbeitung - sei es durch Historiker, sei es durch Juristen. Dieser Befund gilt nicht nur für das Gebiet der früheren Landkreise Balingen und Hechingen, sondern konnte noch 2013 allgemein zumindest für Westdeutschland gezogen werden. Mittlerweile erfuhr die jurisdiktionelle Aufarbeitung ein erhöhtes Interesse. So wurde gerade der Prozess gegen den Hechinger Landrat Paul Schraermeyer in der überregionalen Forschungsliteratur relativ intensiv untersucht.

Der Vortrag behandelt exemplarisch und vergleichend die Prozesse gegen den Hechinger Landrat Paul Schraermeyer in Zusammenhang mit den Judendeportationen in Hohenzollern 1941/42 sowie gegen Josef Kronenbitter und weitere Straftäter im Zusammenhang mit den 1939 in Haigerloch nach dem Hitlerattentat begangenen Misshandlungen von Haigerlocher Juden. Bemerkenswert sind in beiden Fällen die durch das Landgericht Hechingen 1947 unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Alexander von Normann auf der Grundlage des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 ergangenen Urteile, in denen die Verbrechen historisch und juristisch aufgearbeitet wurden und die zu einer Verurteilung der Angeklagten zu Haftstrafen führten. In beiden Fällen verwarf 1948 der Strafsenat des Oberlandesgerichts Tübingen unter Vorsitz des Oberlandesgerichtspräsidenten Prof. Dr. Emil Niethammer in den Revisionsverfahren die Hechinger Urteile auf der Grundlage des deutschen Strafgesetzbuches. Dies führte im Falle Schraermeyrs zu einem Freispruch und in den anderen Fällen zu einer wesentlichen Abmilderung der Urteile.

Dr. phil. Andreas Zekorn (*1957 in Sigmaringen) studierte Geschichte und Germanistik in Tübingen und Wien und promovierte 1989 zum Thema "Zwischen Habsburg und Hohenzollern. Verfassungs- und Sozialgeschichte der Stadt Sigmaringen im 17. und 18. Jahrhundert". Nach der Ausbildung für den höheren Archivdienst in Karlsruhe und Marburg ist er seit 1991 Leiter des Kreisarchivs Zollernalbkreis in Balingen. Er veröffentlichte und ist Mitherausgeber von zahlreichen Publikationen zur Landeskunde Südwestdeutschlands mit den Schwerpunkten Hohenzollern, Zollernalbkreis, Stadtgeschichte, Frühe Neuzeit sowie Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte. Dr. Zekorn hat sich zudem intensiv mit dem Komplex "Unternehmen 'Wüste"' und somit den Konzentrationslagern im Gebiet des heutigen Zollernalbkreises beschäftigt. Zuletzt erschien von ihm "Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens 'Wüste' mit einem Epilog zu dem polnischen Schriftsteller und KZ-Häftling Tadeusz Borowski", Stuttgart 2019 (= Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs Band 49. Herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg).

Anmeldung: Interessierte melden sich bitte bis 27. Januar 2021 12:00 Uhr per Email bei vonbremen@gedenkstaettenverbund-gna.org an und erhalten dann den Zugangslink zu einer Zoom-Konferenz.

Ort:

Veranstalter:

Initiative Hechinger Synagoge e.V.