Veranstaltungen

17. Januar 2013 , 19:30 Uhr
Konzert

Musik und Widerstand

Programm:

Vergessene Werke von verfemten Komponisten
im Karmel an der KZ-Gedenkstätte Dachau

Am Donnerstag, 17. Januar 2013, 19.30 Uhr, beginnt das Konzert „Exodus und Ekstase – Symphonische Klaviermusik zu 4 Händen“ von Harald Schroeter-Wittke und Berthold Wicke im Karmelitinnenkloster an der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die beiden Pianisten spielen am Flügel im Meditationssaal der Schwestern vierhändig fast vergessene Werke von Friedrich Gernsheim und Jan van Gilse. 

Friedrich Gernsheim (1839-1916), der aus einer angesehenen jüdischen Familie in Worms stammte – sein Großvater war dort Rabbiner –,  wirkte als Musiker und Komponist in Köln, Rotterdam und Berlin. Ab den 1880er Jahren wurde er verstärkt Zielscheibe antisemitischer Ressentiments. Mit seiner 3. Symphonie „Mirjam“ vertonte er den Exodus, die Befreiung der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten, und bekannte er sich damit zu seiner jüdischen Religion. In der NS-Zeit wurde seine Musik in Deutschland nicht gespielt.

Bei einem Schüler Gernsheims studierte der in Rotterdam in einer christlichen Familie geborene Jan van Gilse (1881-1944). Später war er als Komponist und Dirigent auch mehrere Jahre in München, wo seine beiden Söhne geboren wurden, und in Berlin. Als die ihm verhassten Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, kehrte er in seine niederländische Heimat zurück. Jan van Gilses Karriere endete 1941, als er sich in der Zeit der deutschen Besatzung weigerte ein Konzert zu dirigieren, bei dem der Saalzugang für Juden verboten war. Sein Engagement für seine jüdischen Landsleute führte van Gilse in den Widerstand. Seine Werke durften nicht mehr aufgeführt werden. Als seine beiden ebenfalls im Widerstand aktiven Söhne erschossen wurden, erkrankte van Gilse und starb 1944 im Untergrund. Im Konzert erklingen van Gilses Orchester-Variationen über ein St. Nicolaasliedje mit derselben Melodie wie „Im Märzen der Bauer“, in denen diese Melodie zunehmend in die Fremde und in harmonisch schwindelnde, geradezu ekstatische Höhen geführt wird.

Berthold Wicke, 1950 in Frankfurt am Main geboren, studierte Theologie, Philosophie und Musik. Seit 1976 wirkt er als A-Kirchenmusiker und Kreiskantor in Bonn. In Konzerten und Rundfunkproduktionen setzt er sich als Organist und Pianist besonders für Raritäten in der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts ein.

Dr. Harald Schroeter-Wittke, 1961 in Duisburg geboren, lernte an der Niederrheinischen Musikschule, war später als nebenamtlicher Kirchenmusiker tätig und gibt bis heute Konzerte. Im Hauptberuf ist er Theologe und lehrt seit 2001 Religionspädagogik und Kirchengeschichte an der Universität Paderborn.

Der Eintritt ist frei. Besucher der ökumenischen Kooperationsveranstaltung von Karmel „Heilig Blut“ Dachau, Evangelischer Versöhnungskirche und Katholischer Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau können kostenfrei auf dem Kloster-Parkplatz, Alte Römerstraße 91, parken. Das Kloster ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (MVV-Bus 724 ab Bahnhof Dachau, Haltestelle Kloster Karmel) zu erreichen, für Rückfahrt zur S-Bahn wird gesorgt.

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