Veranstaltungen

27. November 2017 , 19:00 Uhr
Lesung Diskussion

Nachkommen von NS-Tätern im Dialog über ihre Familiengeschichten

Programm:

Regisseur und Autor Chris Kraus („Die Blumen von gestern“) und Barbara Brix, beide Nachkommen von NS-Tätern, diskutieren im Gespräch mit Dr. Oliver von Wrochem (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) über ihre individuellen Motive für die Auseinandersetzung mit der NS-Täterschaft in der eigenen Familie und lesen Passagen aus jüngst erschienenen Publikationen über ihre Familiengeschichte.

 

Der Film „Die Blumen von gestern“ hat zahlreiche nationale und internationale Preise erhalten – darunter zuletzt im September den Gilde Filmpreis 2017. Regisseur und Autor Chris Kraus hat in dem Film auch eigene biografische Bezüge verarbeitet. Er ist Enkel eines am Judenmord beteiligten baltendeutschen Mitglieds der SS-Einsatzgruppen. Bei seinen Archiv-Recherchen traf er auch auf Nachkommen von Holocaust-Opfern, die über das Schicksal ihrer Verwandtschaft forschten. Daraus entstand die Grundidee zum Film, das Thema Holocaust aus der Perspektive der dritten Generation zu beleuchten. 2017 hat er schließlich in „Das kalte Blut“ seine Familiengeschichte auch in Form eines Romans öffentlich gemacht.

 

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bietet seit 2009 Recherche- und Gesprächsseminare für Nachkommen von NS-Verfolgten wie auch von NS-Tätern an, die sich über ihre Familiengeschichte und deren Auswirkungen auf das eigene Leben austauschen wollen. Daraus entstand 2016 die von Oliver von Wrochem herausgegebene Publikation „Nationalsozialistische Täterschaften. Nachwirkungen in Gesellschaft und Familie“. Barbara Brix berichtet darin von ihrer persönlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte ihres baltendeutschen Vaters, der als Angehöriger der Einsatzgruppe C in der Sowjetunion an der Ermordung von Juden beteiligt und im weiteren Kriegsverlauf in Frankreich eingesetzt war.

 

Dr. Detlef Garbe: „Wie sich Familien und Gesellschaften zu den Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus stellen, wird umso bedeutsamer, je weniger Überlebende der NS-Verbrechen öffentlich über ihre Erfahrungen sprechen können. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der eigenen Familiengeschichte bildet eine wichtige Basis zur Mitgestaltung einer demokratischen Gegenwart und Zukunft.“

 

Dr. Oliver von Wrochem: „Die Vorfahren von Chris Kraus und Barbara Brix waren eng miteinander befreundet und am Aufbau der nationalsozialistischen Bewegung im Baltikum führend beteiligt. An ihrem Beispiel zeigt sich, wie sich jüngere Vertreter des national orientierten deutschen Bürgertums zu zentralen Stützen des NS-Regimes entwickelten und sogar bereit waren, am rassenantisemitisch begründeten Mordprogramm mitzuwirken.“

 

Lesung und Diskussion: Nachkommen von NS-Tätern im Dialog über ihre Familiengeschichten
am Montag, 27. November 2017, 19.00–21.00 Uhr
in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Vortragsraum, 1. Stock,
Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg

 

Barbara Brix und Chris Kraus lesen am 27. November 2017 in der Staats- und Universitätsbibliothek Passagen aus jüngst erschienenen Publikationen über ihre Familiengeschichte und erzählen im Gespräch mit Oliver von Wrochem (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) von ihrem Umgang mit dem familiären Erbe.

 

Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung bis zum 24. November wird gebeten bei Dr. Susann Lewerenz (Tel. 040 / 428 131 536, Mail: susann.lewerenz@bkm.hamburg.de).

 

Eine Kooperationsveranstaltung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und des Fachbereichs Geschichte der Universität Hamburg

Ort:

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Vortragsraum, 1. Stock, Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg

Veranstalter: