Veranstaltungen

21. Juni 2013
Tagung / Seminar / Workshop

Neuere Forschungen zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit

Programm:

Am 8. Mai 2013 wurde die Dauerausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938-1945“ im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit eröffnet. Die Ausstellung hat sich zum Ziel gesetzt, ausgehend von der Geschichte des historischen Ortes – des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in Schöneweide – die Praxis des millionenfachen Arbeitseinsatzes und die europaweite Dimension der NS-Zwangsarbeit zu dokumentieren und vor allem zu veranschaulichen. Drei Leitthesen liegen der Präsentation zu Grunde:

1. Zwangsarbeit entwickelte sich im Verlauf des Krieges zum Massenphänomen

2. Zwangsarbeit war allgegenwärtig und fand vor aller Augen statt

3. der Alltag der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter war von der rassistischen Hierarchie der NS-Ideologie bestimmt.

Die Ausstellung legt einen Schwerpunkt auf den Alltag der rund 13 Millionen zur Arbeit ins Deutsche Reich verschleppten Männer, Frauen und Kinder aus fast ganz Europa; sie will aber auch zeigen, dass die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zum Alltag der deutschen Bevölkerung während des Krieges gehörten. Insofern ist der Titel der Ausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938 bis 1945“ in diesem doppelten Sinne zu verstehen.

Als Abschluss des Begleitprogramms zur Dauerausstellung lädt das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zum Workshop Neue Forschungen zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit ein.

Sechs Nachwuchswissenschaftler und –wissenschaftlerinnen stellen während der zweitägigen Veranstaltung ihre laufenden Forschungsthemen in jeweils 20-minütigen Impulsreferaten vor. Anschließend besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

Wir bitten um Anmeldung bis zum 14. Juni unter Begleitprogramm@<wbr></wbr>topographie.de.

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin Schöneweide
Britzer Str. 5
12439 Berlin
www.dz-ns-zwangsarbeit.de


Freitag, 21. Juni
14:00
Begrüßung: Dr. Christine Glauning, Berlin
Panel 1: Moderation: Thomas Irmer, Berlin

14.15-15:15: Beate Winzer, Berlin
Hightech und Zwangsarbeit. Produktion und Lebensbedingungen auf dem Tempelhofer Flugfeld

Der Flughafen Tempelhof war von Anfang an militärisch konzipiert und entwickelte sich zu einem zentralen Ort der Luftfahrtindustrie wie auch der Luftfahrtforschung. Mehrere Tausend Menschen mussten hier Zwangsarbeit leisten, in mehreren Barackenkomplexen waren jüdische Zwangsarbeiter aus Berlin, Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter untergebracht. Berlin war Zentrum des Luftfahrtkomplexes des Deutsches Reichs und der Luftfahrtindustrie - auch weil hier die führende Elektroindustrie und Metallverarbeitung wie auch wichtige Forschungseinrichtungen angesiedelt waren. Dies verdichtete sich auf dem Flughafengelände Tempelhof und in der Tempelhofer Vorstadt. Der Vortrag beleuchtet Flughafen und Flugfeld als innerstädtisches Zentrum und als Verbindung von Forschung, Militär, Industrie und Zwangsarbeit.

15:30-16:30: Angelika Laumer, Berlin
„Inwiefern erinnern?“ – NS-Zwangsarbeit im kommunikativen Gedächtnis im ländlichen Bayern

„Inwiefern erinnern?“, fragte mich C. irritiert während eines Interviews auf meine Frage, ob sie Erinnerung an NS-Zwangsarbeit für relevant halte. C. lebt in Bayern und ist Tochter eines ehemaligen Zwangsarbeiters aus Polen. Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, wie sich Erinnern und Vergessen von NS-Zwangsarbeit über die Generationen hinweg im ländlichen Bayern tradierte. Die erzählte Erinnerung ist in dieser Gegend nicht zuletzt deshalb relevant, weil es dort wenig ritualisierte und geformte Erinnerungspraktiken an NS-Zwangsarbeit gibt. Dennoch war auch hier NS-Zwangsarbeit allgegenwärtig. Zwangsarbeiter/innen und Deutsche lebten und arbeiteten auf Bauernhöfen häufig zusammen. Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Erinnerung von Nachkommen ehemaliger Zwangsarbeiter/innen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern geblieben waren.

16:45-18:15: Dr. Christine Glauning, Berlin
Führung durch die Dauerausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938-1945“

19:00: Öffentliche Abendveranstaltung: Vortrag von Florian Dierl und Karsten Linne, Berlin/Hamburg
"Branka". Arbeitsverwaltungen und Arbeitskräftepolitik im besetzten Ost- und Südosteuropa 1939-1944

Samstag, 22. Juni
Panel 2: Moderation: Bianca Schröder, Berlin

10:00-11:00: Christian Kuck, Meppen
Misshandelt und umworben? – Lebensbedingungen niederländischer Zwangsarbeiter in der rheinisch-westfälischen Kriegswirtschaft des NS-Staats (1940-1945)

Aus der großen Vielzahl der ausländischen Zwangsarbeiter, die zwischen 1939 und 1945 auf dem Gebiet des NS-Staats zur Arbeit verpflichtet waren, wurde die nationale Gruppe der Niederländer bisher eher beiläufig wahrgenommen und ist dementsprechend selten zum Gegenstand zielgerichteter historischer Forschung geworden. Dabei lässt sich gerade anhand dieser nationalen Gruppe und ihren Lebensbedingungen in Deutschland die besondere Schwierigkeit einer genauen Definition des Zwangsarbeitsbegriffs und einer allzu engen geschichtswissenschaftlichen Kategorisierung verdeutlichen. Denn obwohl niederländische Arbeitskräfte vom NS-Staat propagandistisch in besonderem Maße umworben und rassenideologisch ‚aufgewertet‘ wurden, erlebten auch sie alle Facetten der Ausbeutung und Misshandlung durch Angehörige des Staats und der deutschen Bevölkerung.

11:15-12:15: Maximilian Strnad, München
Zwangsarbeit und Holocaust am Beispiel des Lagers für jüdische Frauen in der Flachsröste Lohhof bei München

Die Zwangsarbeit deutscher Juden ist in der allgemeinen Zwangsarbeitsforschung lediglich ein Randthema. In Zusammenarbeit mit der Stadt Unterschleißheim wird derzeit ein Forschungsprojekt realisierte, das insbesondere Jugendliche über den regionalgeschichtlichen Zugang für eine Beschäftigung mit der Geschichte des Nationalsozialismus interessieren möchte. Neben einer im Herbst erscheinenden Publikation werden dazu gemeinsam mit mehreren Schulen Unterrichtsstunden vorbereitet, in denen die u.a. die Themen Militarismus, Zwangsarbeit, Rassismus und Holocaust diskutiert werden. Der Vortrag bietet einen Einblick in die historischen Abläufe und regionalen Besonderheiten sowie in die pädagogischen Ansätze des Projektes.

- Mittagspause –

Panel 3: Moderation: Uta Fröhlich, Berlin

13:30-14:15: Simon Gogl, Berlin
"Dann werden wir eben dort oben eine Bahn bauen": Zwangsarbeit für die Einsatzgruppe Wiking im besetzten Norwegen.

Zwischen 1942 und 1945 stand die Einsatzgruppe Wiking (EGW) der Organisation Todt im Zentrum des Zwangsarbeitssystems im besetzten Norwegen. Etwa 140.000 Menschen wurden in dieser Zeit zur Zwangsarbeit nach Norwegen gebracht. Sie wurden bei Straßen-, Bahn- und Festungsbauten eingesetzt, durch die Norwegen zu einer uneinnehmbaren "Festung" werden sollte. Die EGW koordinierte nicht nur die Verteilung der Zwangsarbeiter/innen, sondern war selbst der größte "Bauherr" des Landes. Dabei fungierte sie als ein Bindeglied zwischen privater Bauwirtschaft, Wehrmacht und nationalsozialistischem Sicherheitsapparat. Die strukturelle und personelle Verzahnung mit der Behörde des "Reichskommissariats" verstärkte ihre Machtposition noch weiter. Das Referat wird ein Schlaglicht auf die besondere Position der EGW im besetzten Norwegen und die Motive hinter ihrer Etablierung im Frühjahr 1942 werfen.

14:30-15:15: Paul Kannmann, Magdeburg
Kriegswirtschaftliche Notwendigkeiten und Kriegsgefangenenpolitik im Konflikt? Das Stalag XI A und dessen Bedeutung für den Arbeitseinsatz in der Provinz Sachsen zwischen 1939 und 1945

Das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) XI A in Altengrabow stellte eines der größten Lager seines Typs im mitteldeutschen Raum während des Zweiten Weltkrieges dar. Die Kriegsgefangenen kamen in mehr als 1.600 „Arbeitskommandos“ in der Landwirtschaft und Industrie zum Einsatz und waren damit in der Mitte der deutschen Kriegsgesellschaft respektive „Volksgemeinschaft“ untergebracht. Die Forschungsergebnisse zur Lagergeschichte, der logistisch aufwendigen Arbeitseinsatzpraxis, dem Verwaltungshandeln aller beteiligten Dienststellen und der „verbotene Umgang mit Kriegsgefangenen" werden in einer Zusammenschau dargelegt und zur Diskussion gestellt.

- Auswertung –
Ca. 15:45: Ende der Veranstaltung

Kontakt:

Ewelina Wanke

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin Schöneweide Britzer Str. 5 12439 Berlin www.dz-ns-zwang

Begleitprogramm@<wbr></wbr>topographie.de

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