Veranstaltungen

5. September 2015 , 11:00 Uhr
Vortrag

Offizielles Gedenken und politische Wirklichkeit 50 Jahre nach dem Auschwitz-Prozess

Programm:

Vortrag von Kurt Nelhiebel zum 50. Jahrestag des Urteilspruches im 1. großen Auschwitz-Prozess.

Kurt Nelhiebel, Kultur- und Friedenspreisträger der Villa Ichon 2014, ist einer der wenigen überlebenden Zeugen des Auschwitz-Prozesses Mitte der 60er Jahre und des Urteilspruches vor 50 Jahren am 19.08.1965 vor dem Landgericht Frankfurt am Main.

Der Vorstand der Villa Ichon hat ihn deshalb gebeten, über diesen Prozess und das Urteil zu sprechen. Die Villa ist ein kleiner, aber aktiver Hort des Antifaschismus, der mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln jede Spielart von Nazismus, Neonazismus und Rassismus einschließlich neuerlicher AfD-Machenschaften bekämpft.

Über den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963 - 1965) und was Holocaust-Überlebende als Zeugen überlieferten, berichtete Kurt Nelhiebel ab 1963 unter dem Pseudonym Conrad Taler als Korrespondent in 21 Reportagen für die monatliche Zeitschrift der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien.

Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968) hatte den Prozess am 20. Dezember 1963 in Frankfurt gegen 22 Angeklagte eröffnet, die sich für ihre Beteiligung am Mord an Millionen Juden in Auschwitz verantworten sollten. Über 350 Zeugen wurden angehört, unter ihnen 211Überlebende des Vernichtungslagers. Das 20 Monate andauernde Verfahren ging am 19. August 1965 mit der Urteilsverkündung zu Ende. Sechs Angeklagte wurden damals zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt, elf bekamen zeitlich befristete Freiheitsstrafen zwischen drei und 14 Jahren, drei wurden freigesprochen.

2003 erschien die Sammlung in Buchform der ergreifenden und erschütternden Reportagen von Conrad Taler, die der inzwischen 88-Jährige Kurt Nelhiebel 2015 überarbeitet und um einige Texte wie über Fritz Bauer erweitert hat: Das neuaufgelegte Buch mit dem Titel „Conrad Taler: Asche auf vereisten Wegen - Berichte vom Auschwitz-Prozess" ist das Vermächtnis eines Zeitzeugen, der die unfassbar grausamen Verbrechen einzelner Täter anhand von Aussagen im Auschwitz-Prozess der Nachwelt schildert. Er bringt dem Leser die unermesslichen Qualen von Holocaust-Überlebenden nahe und geht auf deren unerträgliche Verhöhnung durch die Täter auch noch 20 Jahre später im Gerichtssaal ein. Seine Schilderungen und brillante Beobachtungsgabe sind eine aufwühlende Mahnung, dass diese Verbrechen an der Menschheit nie vergessen werden dürfen.

In der Villa Ichon wird Kurt Nelhiebel persönlich über seine Eindrücke sprechen.

Einleitende Worte spricht Prof. Dr. Klaus Hübotter (Vorstand der Freunde und Förderer der Villa Ichon) 

Ort:

Veranstalter:

Villa Ichon