Veranstaltungen

2. Dezember 2011 , 19:30 Uhr
Vortrag

Sowjetische Kriegsgefangene in der deutschen wirtschaft

Programm:

Auf vielen Kriegsgräberfriedhöfen in Deutschland wird der sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht, die zwischen 1941 und 1945 umgekommen sind. Damit wird verdeckt, dass es sich nicht um Kriegsopfer handelt, sondern um die Opfer eines nationalsozialistischen Gesellschaftsverbrechens. Bereits in  der Planungsphase des Überfalls auf die Sowjetunion wurde deutlich, dass die Wehrmacht dem Überleben der „slawischen Untermenschen“ keinen Wert beimaß. Die Verantwortlichen kannten jedoch auch die bedrohliche Arbeitskräfteknappheit der deutschen Wirtschaft. So sah man 1941 dem Massensterben in den improvisierten Lagern in der besetzten Sowjetunion tatenlos zu, brachte aber gleichzeitig fast eine halbe Million Gefangene nach Deutschland, um sie zur Arbeit einzusetzen. Der Hunger- und Seuchenwinter 1941/42 forderte gewaltige Opfer unter ihnen. Erst ab Frühjahr 1942 versuchte man den Arbeitseinsatz zu systematisieren. Nun beteiligten sich große und kleine Privatunternehmen, Bauern und andere Arbeitgeber, die Arbeitsämter, Verwaltungen, Polizei und NSDAP an der Ausbeutung der Gefangenen. Alle Fäden liefen jedoch weiterhin bei der Wehrmacht zusammen, der damit die Gesamtverantwortung für das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen zufiel. Grundlage aller Anordnungen blieb der Rassismus, so dass bis zuletzt mangelhafte Versorgung und extrem hohe Sterberaten den Alltag prägten. Der Vortrag beleuchtet die Rolle der beteiligten Stellen und die Alltagserfahrung der Gefangenen am Beispiel des Wehrkreises X, der Norddeutschland von der dänischen bis zur holländischen Grenze umfasste.

 

Dr. Jens Binner, Jg. 1965, ist als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Lager Sandbostel an der Erarbeitung der dortigen neuen Dauerausstellung beteiligt. Dem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Hannover folgte 2007 eine Promotion über das Deutschlandbild der „Ostarbeiter“ im Zweiten Weltkrieg. 2007 bis 2010 gehörte er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zum Team der internationalen Wanderausstellung „Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg“. Darüber hinaus publizierte er „Ostarbeiter“ und Deutsche im Zweiten Weltkrieg. Prägungsfaktoren eines selektiven Deutschlandbildes, München 2008; NS-Besatzungspolitik und Zwangsarbeit: Ideologie und Herrschaftspraxis, in: Zeitschrift für Weltgeschichte 12/1 (2011).

Eintritt frei

Ort:

Tourist-Information Weimar (Markt 10)

Veranstalter: