Veranstaltungen

22. Oktober 2011 , 14:00 Uhr - 17:15 Uhr

Verfemte Musik im „Dritten Reich” II

Programm:

Die Verfolgung verfemter Komponisten. Drei exemplarische Schicksale
Colloquium

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Eintritt frei

Anmeldung erbeten:
veranstaltungen(at)topographie.de
Tel. 030 254509-0

14.00 Uhr 
Begrüßung
Prof. Dr. Andreas Nachama

14.10 Uhr 
Einführung
Prof. Dr. Friedrich Geiger

14.40 Uhr 
Fragerunde

14.50 Uhr 
Innere Emigration: Siegfried Borris
Dr. Albrecht Dümling

15.15 Uhr 
Pause

15.35 Uhr 
Exil: Paul Dessau
Daniela Reinhold

16.00 Uhr 
Fragerunde

16.10 Uhr 
Ermordet: Gideon Klein
Dr. Paul Schendzielorz

16.35 Uhr 
Fragerunde, Abschlussdiskussion

17.15 Uhr 
Ende

 

 

Die NS-Diktatur verlieh der Musik den Rang einer „Staatskunst”. Sie galt als Sprache der deutschen Seele, als Mittel der Volks- und Rassenerziehung. Angesichts des überstarken Glaubens an die Macht der Töne fühlten sich die Kulturpolitiker - nicht anders als die Herrscher in Platons Idealstaat - berufen, das deutsche Volk vor dem Falschen und Schädlichen zu schützen. Gegen solche „entartete” Musik wurde ein Aufführungsverbot verhängt. Ihre Schöpfer wurden daran gehindert, weiter im deutschen Musikleben zu wirken.

Entscheidender als die Stilistik der einzelnen Kompositionen waren bei diesen „Säuberungen” die politische Haltung und rassische Herkunft ihrer Schöpfer. So verlor der Komponist Siegfried Borris 1933 wegen seiner sozialdemokratischen Einstellung und wegen des jüdischen Vaters seine Stelle als Dozent an der Berliner Hochschule für Musik. Auch Paul Dessau musste damals aus politischen und „rassischen” Gründen seine Filmmusikarbeit aufgeben. Er floh aus Deutschland und fand Zuflucht zuerst in Frankreich und dann in den USA, bevor er 1948 nach Ost-Berlin übersiedelte. Der 1919 in Mähren geborene Pianist und Komponist Gideon Klein, einer der vielversprechendsten Künstler seiner Generation, musste nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Prag sein Musikstudium beenden. Ende 1941 wurde er als „Nichtarier” nach Theresienstadt deportiert, von dort 1944 nach Auschwitz, bevor er kaum 25 Jahre alt erschossen wurde. Siegfried Borris und Paul Dessau, denen ein so trauriges Ende erspart blieb, prägten nach dem Krieg beide wesentlich das Musikleben der Bundesrepublik und der DDR. Anders als Dessau war Borris nicht ins Exil gegangen. Er hatte auf wunderbare Weise in Hitler-Deutschland überlebt.

Friedrich Geiger, 1966 geboren, ist Professor für Historische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg. Er hat u.a. zu „Musik in zwei Diktaturen. Verfolgung von Komponisten unter Hitler und Stalin” (2004) publiziert und leitete von 1997 bis 2002 das Forschungs- und Informationszentrum für verfemte Musik in Dresden.

Albrecht Dümling, 1949 geboren, lebt als Musikwissenschaftler und –kritiker in Berlin. Er ist Autor der auch ins Englische und Spanische übersetzten Ausstellung „Entartete Musik. Eine kommentierte Rekonstruktion“, die weltweit in über 50 Städte reiste.  Seit 1990 leitet Dümling den Förderverein , der sich für NS-verfolgte Komponisten und ihre Werke einsetzt.

Daniela Reinhold, 1957 geboren, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Musikarchiv der Akademie der Künste, Berlin, und dort unter anderem verantwortlich für das Paul-Dessau-Archiv. Sie hat zu Musik und Musiktheater im 20. Jahrhundert veröffentlicht.

Paul Schendzielorz, 1951 geboren, widmet sich neben Lehrtätigkeiten am Aloisiuskolleg in Bonn und der Kirchenmusikhochschule in Aachen dem Schaffen NS-verfolgter Komponisten. Daraus erwuchs eine Dissertation über Instrumentalwerke von Gideon Klein.

Einladung als PDF-Download

Link zu: Verfemte Musik im „Dritten Reich” III

 

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