Veranstaltungen

21. November 2010 , 15:30 Uhr
Vortrag

Veronika Springmann: Sport als Praxis der Gewalt im Konzentrationslager

Programm:

„Wir hatten ein äußerst vielseitiges Tagesprogramm. Dafür sorgten schon immer unsere Kapos und die SS-Männer. Sie überboten sich gegenseitig im Ausdenken immer neuer Folterungen. Man könnte meinen, ganz harmloser. Den ganzen Tag machten wir Sport: Hüpfen, Rollen, Tanzen, Kniebeugen.“ Mit diesen zynischen Worten bilanziert der Auschwitz-Überlebende Wiesław Kielar in seinem Erinnerungsbericht den Sport als Erfahrung von Qual und Peinigung im Alltagsleben des Konzentrationslagers. Die Form des befohlenen Bewegens wurde von den Aufsehern wie auch von den Häftlingen als „Sport Machen“ oder „Lagersport“ bezeichnet. In zahlreichen Berichten männlicher Häftlinge wird dieses „Sport Machen“ als eine Erfahrung von Willkür und Folter beschrieben. Die ständige Gewalt in den Konzentrationslagern erfuhr durch die zusätzliche körperliche Beanspruchung der Insassen eine weitere Steigerung. Am Beispiel der Konzentrationslager Esterwegen, Sachsenhausen, Ravensbrück,
Mauthausen und Auschwitz wird die Dimension des Lagersports untersucht. Warum wird eine sportliche Praxis, die außerhalb des Konzentrationslagers der gesundheitlichen Stärkung und Formung des Körpers dient, nun in den Konzentrationslagern gewaltförmig verändert wird, um die Häftlinge zu quälen.

Veronika Springmann: Staatsexamen in Geschichte
und Sportwissenschaft, freie Mitarbeiterin im Haus der Wannsee-Konferenz, Doktorandin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

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