Veranstaltungen

8. Mai 2014 , 19:00 Uhr

Verrat im kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Programm:

Moderation: Priv.-Doz. Dr. Thomas Schaarschmidt (ZZF-Potsdam)

Eintritt frei

Programm-Flyer mit allen Terminen der Veranstaltungsreihe 2014 "Menschen unter Diktaturen" (pdf)


Anfang Juli 1944, wenige Tage nachdem die kommunistischen Widerstandskämpfer Anton Saefkow und Bernhard Bästlein zu den Sozialdemokraten des Kreisauer Kreises, Julius Leber und Adolf Reichwein, Kontakt aufgenommen hatten, begann die Gestapo eine groß angelegte Verhaftungsaktion, die zahlreichen Menschen das Leben kostete. Nicht wenige Mitglieder der Gruppe waren auch in der Lindenstraße inhaftiert.

Es handelt sich um einen der folgenschwersten Fälle kommunistischer V-Mann-Tätigkeit in der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Anton Saefkow zeigte sich bereits in der Haft überzeugt, dass nur sein „Sicherungsmann“, der altgediente Mitarbeiter des KPD-Nachrichtendienstes Ernst Rambow, der Verräter gewesen sein konnte. Kurz nach Kriegsende wurde Rambow verhaftet, verhört, zum Tode verurteilt und im November 1945 von den sowjetischen Besatzern hingerichtet.

Rambows Verrat wurde von der SED nicht, wie man vermuten könnte, totgeschwiegen. In der Folgezeit war Rambow mehrfach Gegenstand von teilweise in Zeitungen ausgetragenen, teilweise intern geführten Debatten, die aus heutiger Sicht Fragen aufwerfen: Warum war der Verrat der Saefkow-Gruppe ein heikles Thema für die SED? Mit welchen Strategien versuchten die Genossen den Fall zu neutralisieren? Nach 1990 kam eine weitere, grundsätzliche Fragestellung hinzu, die von Historikern diskutiert wurde: War der Schuhmacher Rambow überhaupt der allein verantwortliche „Verräter“, oder wurde er nicht auch für Taten Anderer verantwortlich gemacht?


Dr. Udo Grashoff  ist wissenschaftlicher Assistent für Neuere und Zeitgeschichte an der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender von „Zeit-Geschichte(n) – Verein für erlebte Geschichte e.V.“ in Halle/Saale. Die von ihm herausgegebene und kommentierte Sammlung von Abschiedsbriefen „Ich möchte jetzt schließen“ wurde in Deutschland ein Bestseller und darüber hinaus in mehrere Sprachen übersetzt. Momentan arbeitet er an einer Habilitation über „Verrat im kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus“.

Ort:

Gedenkstätte Lindenstraße, Lindenstraße 54/55, 14467 Potsdam

Veranstalter:

Gedenkstätte Lindenstraße