Veranstaltungen

3. April 2011 , 15:00 Uhr
Gedenkveranstaltung

Vortrag und Gedenken zum 66. Jahrestag der Auflösung des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck.

Programm:

Am Ostersonntag 1945, dem damaligen 1. April, endete nach den grundlegenden Forschungen von Dr. Volker Issmer die Herrschaft der Osnabrücker Gestapo über die meisten Häftlinge des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck. 15 Monate nach seiner Gründung im Januar 1944 lösten die Verantwortlichen das Straflager vor den nahenden alliierten Truppen auf. Insgesamt fielen mindestens 100 der insgesamt 2000 Häftlinge aus 17 Nationen den katastrophalen hygienischen Verhältnissen, der organisierten Unterernährung und den Gewalttaten des Lagerpersonals zum Opfer. Das Ende des Lagers bedeutete noch kein Überleben für alle Häftlinge, aber für viele war es die Rettung. Das Gedenken an den 1. April 1945 eröffnet somit den Blick auf die Geschichte und die Nachwirkungen des »KZ der Gestapo«, wie dieser Lagertyp in der Geschichtswissenschaft inzwischen bezeichnet wird, in der Region Osnabrück.

Im Mittelpunkt des Gedenkens steht ein Vortrag der Osnabrücker Historikerin Dr. Ute Vergin zum Thema:

"--- wurde für die Dauer von 8 Wochen in ein Arbeitszuchtlager überwiesen ---"
Es ist unglaublich: Der NS-Staat verstand sich als »Rechtsstaat«! Unrecht wurde zu Recht, indem es schriftlich fixiert und durch Gesetze und Verordnungen legitimiert wurde. Davon betroffen war auch die Arbeitsgesetzgebung, die die Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt aufhob und die allgemeine Dienstpflicht einführte. Somit wurde jeder Verstoß gegen die Arbeitsgesetzgebung kriminalisiert und konnte geahndet werden. Davon betroffen waren alle Arbeitnehmer; aber während solche Verstöße (z. B. Unpünktlichkeit) von Deutschen überwiegend innerbetrieblich bestraft wurden, mussten Zwangsarbeiter(innen) die volle Härte dieser Gesetze erfahren.

Der Vortrag stellt die stufenweise Entrechtung auf dem Arbeitsmarkt und damit verbunden das zunehmend ausdifferenzierte Strafsystem vor, an dessen Ende die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager stand.

Eintritt frei

Ort:

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