Veranstaltungen

20. Juli 2011 , 19:00 Uhr
Vortrag

Vortrag "Vergessene Opfer"

Programm:

Die KZ-Gedenkstätte Dachau lädt zu dem Vortrag "Vergessene Opfer" von Hans de Vries ein:

  • Mittwoch, 20. Juli 2011, 19 Uhr im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Dachau, Pater-Roth-Straße 2a
  • Einführung durch Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau
  • Referent: Hans de Vries, NIOD (Institut für Kriegs-, Holocaust- und Genozidstudien) Amsterdam

"Vergessene Opfer" nennt Hans de Vries diejenigen ehemaligen Häftlinge aus Konzentrationslagern, über die in der Nachkriegszeit nicht gesprochen wurde. Bis heute ist die Auseinandersetzung mit manchen Häftlingsgruppen tabu. Diese Tabuisierung betraf über viele Jahre beispielsweise die Gruppe der homosexuellen Häftlinge und betrifft bis heute die sogenannten Asozialen und die sogenannten Berufsverbrecher, aber auch die Funktionshäftlinge.

Hans de Vries sucht Antworten auf die Frage, warum diese ehemaligen Häftlinge bis heute totgeschwiegen werden. Seine These lautet: Viele Nachkriegsgesellschaften – darunter die niederländische – definierten sich als Widerstandsnation und als Opfergesellschaft. Die öffentliche Meinung wurde und wird sehr stark durch ehemalige Widerstandskämpfer und durch ehemals politisch, religiös oder rassisch Verfolgte geprägt. Aufgabe der Gedenkstätten sowie der nationalen Forschungseinrichtungen und Dokumentationszentren sei es zu verhindern, dass sich dieses Bild in der kollektiven Erinnerung endgültig festsetzt.

Hans de Vries (*1947) studierte Politik- und Sozialwissenschaften an der Universität in Amsterdam. Seit 1975 ist er am NIOD (Institut für Kriegs-, Holo- caust- und Genozidstudien) tätig.

Das 1945 gegründete NIOD ist ein unabhängiges Institut für Forschung und Information, das seit 1999 zur „Königlichen Akademie der Wissenschaften“ gehört. Das NIOD bearbeitet jährlich etwa 2000 Anfragen zur Geschichte der Niederlande und ihren ehemaligen Kolonien während des Zweiten Weltkrieges.

Hans de Vries ist Leiter der Abteilung für Information. Daneben forscht er über Schicksal und Verbleib niederländischer Staatsangehöriger, die in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert waren. Diese wissenschaftlichen Forschungen schlagen sich in Dutzenden von Vorträgen in Europa, Israel und den USA sowie in einigen Veröffentlichungen nieder.

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