Veranstaltungen

24. September 2020 , 19:00 Uhr - 21:00 Uhr
Vortrag

Warschau als (historische) Jüdische Metropole

Programm:

Vortrag von Frau Prof. Dr. Gertrud Pickhan, Freie Univeristät Berlin

In den 1920er Jahren war Warschau mit etwa 330.00 Juden die nach New York zweitgrösste jüdische Gemeinschaft der Welt. Im Polen der Zwischenkriegszeit lebten etwa 3,3, Millionen Juden. In Warschau war das Zentrum der politischen Parteien und religiösen Gruppierungen. Jiddisch war in den 1930er Jahren immer noch die wichtigste Familiensprache, doch nahm die Bedeutung des Polnischen immer mehr zu.

Die Orthodoxie hatte an Bedeutung verloren, der eher säkular Zionismus war präsent "auf der jüdischen Gasse", aber ebenso der sozialistische "Bund", der "Allgemeine Jüdische Arbeiterbund von Polen und Litauen" (1897-1939). Er hatte ein großes Netz sozialer Organisationen und eine Jugendbewegung aufgebaut. Tausende polnischjüdischer Studenten hatten im deutschsprachigen Ausland studiert. In Warschau wurden die meisten jiddischen Zeitungen her ausgegeben - an die 170 -, es gab mehrere jiddische Theater. An der Universität Warschau unterrichtete nach 1928 Majer Balaban (1877 - ermordet 1942) polnisch-jüdische Geschichte. Um die Wahl des polnischen Staatspräsidenten entwickelte sich eine heftige Polemik, die die nationalistische Strömung in Polen stärkte. General Joszef Pilsudski galt als Beschützer der Juden.

Nach seinem Tod im Dezember 1935 verfügten die nachfolgenden Regierungen immer mehr antijüdische Maßnahmen. An polnischen Universitäten wurden Judenbänke eingerichtet. Die katholische polnische Kirche vertrat antijüdische Positionen. Sie verbreitete immer noch mittelalterliche Ritualmordunterstellungen.

Was war die besondere Bedeutung dieser "Muttergemeinde in Israel"? Was hat sich von ihren Traditionen in den Ländern der Emigration und Flucht erhalten?

Getrud Pickhan wuchs in Dortmund auf, studierte in Münster, Wien und Hamburg. Sie habilitierte sich über die Jüdische Arbeiterbewegung und lehrt seit 2003 die Geschichte Ostmitteleuropas an der Freien Universität Berlin.

Literatur: Gertrud Pickhan: "Gegen den Strom". Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund "Bund" in Polen 1918-1939, Leipzig 2001 Während des Vortrags wird das aus dem Jahr stammende jiddische Städteportrait von Warschau aus dem Jahr 1939 ausgestrahlt werden (Jüdisches Leben in Warschau, Schaul Goskin).

Eintritt

Der Eintritt ist frei.

Kontakt

Tel.: +49 201 88 45218
E-Mail: alte-synagoge@essen.de
Website: www.alte-synagoge.essen.de

Ort:

Veranstalter: