Veranstaltungen

25. November 2010
Konferenz

Was kuemmert uns der Krieg von gestern? Perspektivenwechsel im Gedenken an die Toten der Weltkriege

Programm:

Hessischer Landtag; Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Hessen, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung / Peace Research Institute Frankfurt; Evangelische Akademie Arnoldshain, Wiesbaden 25.11.2010-25.11.2010, Hessischer Landtag

Deadline: 20.11.2010

Diejenigen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, sei es als Kinder oder Erwachsene, hat die Erinnerung daran ihr weiteres Leben lang begleitet. Für die allermeisten ist die persönliche Erinnerung an den Krieg mit Trauer verbunden, hatte 1945 doch fast jede Familie in Deutschland Verluste zu beklagen.

Was für die Erlebnisgeneration und deren Kinder noch Teil der Biographie war, wirft für nachfolgende Generationen indessen Fragen auf:

Welche Erinnerung an die Vergangenheit soll künftig bewahrt werden, und warum überhaupt? Was kann die Erinnerung an die Kriegstoten von damals noch für Gegenwart und Zukunft bedeuten?

Die private Trauer um eigene Angehörige, die im Krieg starben, unterscheidet sich vom öffentlichen Gedenken an sie. Denn das öffentliche Erinnern verweist auf die kollektive Bedeutung von Geschichte, indem es daran appelliert, bestimmte Lehren aus den Kriegserfahrungen im Gedächtnis der Gesellschaft zu bewahren. Dies setzt voraus, dass eine gesellschaftliche Diskussion über Geschichte geführt und eine Einigung auf die gültigen Deutungsmuster erzielt wird.

In den sechziger Jahren setzte mit den großen KZ-Prozessen ein öffentlicher Reflexionsprozess zur jüngsten Vergangenheit ein, der die Aufmerksamkeit auf die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft lenkte. Die moralische Verpflichtung zur Erinnerung an den Holocaust wurde in der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung über die Zeitgeschichte zum Kristallisationspunkt der öffentlichen Gedächtniskultur, und dies nicht allein in Deutschland.

Ohne Zweifel wird im Rückblick auf das 20. Jahrhundert der "Zivilisationsbruch", den Auschwitz und der nationalsozialistische Vernichtungskrieg bedeuten, einen herausragenden Platz im öffentlichen Gedenken einnehmen.

Besteht ein vergleichbar übergeordnetes Erinnerungsgebot auch gegenüber den Toten der Weltkriege, also den Soldaten und zivilen Opfern? Sollte in einem öffentlichen Gedenken weiterhin an sie erinnert werden? Das Gedenken an diese Toten steht heute in 'Konkurrenz' zu den Opfern aktueller kriegerischer Konflikte: Deutschland hat mit dem Einsatz in Afghanistan gefallene Soldaten zu beklagen. Warum soll man sich angesichts dieser Kriegstoten noch mit denen des Ersten oder Zweiten Weltkriegs befassen?

Auch ist die deutsche Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten sehr viel heterogener geworden. Möglicherweise hat die veränderte Zusammensetzung der Gesellschaft Konsequenzen für nationale und europäische Erinnerungs- und Gedenkkulturen. Falls ja, welche sind das?

Das Symposium fragt nach der Notwendigkeit und künftigen Relevanz der Erinnerung an die Kriegstoten für den Einzelnen, die deutsche Gesellschaft und das zusammenwachsende Europa. Welche Folgen hat der Umgang mit Geschichte für die Gestaltung der Orte von Trauer und Gedenken?

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10.00 Begrüßung und Eröffnung

Norbert Kartmann

Präsident des Hessischen Landtages

Reinhard Führer

Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Karl Starzacher

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Hessen

10.30 Forum I: Braucht die Gesellschaft öffentliche Erinnerung? Welche öffentliche Erinnerung braucht die Gesellschaft?

Prof. Dr. Harald Welzer

Kulturwissenschaftliches Institut Essen Hauptmann Uwe Köpsel Deutscher BundeswehrVerband, Landesverband Ost Dr. Hermann Düringer Evangelische Akademie Arnoldshain

Moderation:

Meinhard Schmidt-Degenhard

Hessischer Rundfunk

13.30 Forum II: Erinnerung als Bildungsprozess Dietrich Daniel Gaede Gedenkstätte Buchenwald Prof. Dr. Astrid Messerschmidt Pädagogische Hochschule Karlsruhe Monica Kingreen Fritz-Bauer-Institut

Moderation:

Dr. Matthias Arning

Frankfurter Rundschau

 

15.30 Forum III: Erinnern in Europa? Erinnern für Europa?

Prof. Dr. Susanne Popp

Universität Augsburg

Dr. Falk Pingel

Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz Willy-Brandt-Zentrum an der Universität Breslau

Moderation:

Prof. Werner D'Inka

Frankfurter Allgemeine Zeitung

17.00 Perspektiven für die Arbeit des Volksbundes Prof. Rolf Wernstedt Wissenschaftlicher Beirat des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

17.30 Ende der Veranstaltung

Ort:

Hessischer Landtag, Schlossplatz 1-3, 65183 Wiesbaden

Veranstalter:

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.