„Gewaltgeschichten erinnern. Schnittstellen und Herausforderungen“ – 13. Bundesweite Gedenkstättenkonferenz (März 2026, Hamburg)
Die 13. Bundesweite Gedenkstättenkonferenz beschäftigte sich mit dem Thema „Gewaltgeschichten erinnern. Schnittstellen und Herausforderungen“. Über 80 Vertreter:innen von Gedenkstätten, Lernorten und Initiativen zu den NS-Verbrechen kamen vom 12. bis 13. März 2026 in Hamburg für einen Fach- und Erfahrungsaustausch zusammen.
Als diesjährige Besonderheit war das Jahrestreffen mit dem Vernetzungstreffen „Geschichtskultur – Netzwerke, Wissenstransfer, Kooperationen“ verknüpft, bei dem vom 13. bis 14. März über 300 Personen aus Erinnerungskultur, Kunst, Wissenschaft, Kulturinstitutionen und Zivilgesellschaft zusammenkamen.
Die Gedenkstättenkonferenz beschäftigte sich mit dem Thema „Gewaltgeschichten erinnern. Schnittstellen und Herausforderungen“. In einer vielfältigen Erinnerungskultur stellt sich zunehmend die Frage, wie NS-Verbrechen, SED-Unrecht und Kolonialverbrechen im öffentlichen Erinnern zueinander in Beziehung gesetzt werden können – ohne historische Unterschiede zu nivellieren und mit dem Ziel, neue Perspektiven auf Gewalt-, Demokratie- und Migrationsgeschichte zu eröffnen. Viele Gedenkstätten, Lernorte und Initiativen zu den NS-Verbrechen befassen sich auch mit Themen und Fragen, die über den zeitgeschichtlichen Rahmen des Nationalsozialismus hinausgehen – die Konferenz bot Raum für einen diesbezüglichen Erfahrungsaustausch.
Welche Herangehensweisen und Ansätze gibt es in der Praxis? Wo entstehen Kooperationen? Welche Chancen und Herausforderungen birgt eine Öffnung hin zu anderen Feldern der öffentlichen Erinnerungskultur? Und wie verändern sich die Formen der Zusammenarbeit in einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung, in der Anfeindungen gegenüber einer kritisch-reflexiven Geschichtskultur sowie demokratie- und migrationsfeindliche Tendenzen zunehmen?
Das Auftaktpodium mit Beteiligung von Jonas Kühne (Sächsische Landesarbeitsgemeinschaft), Mirjam Wenzel (Jüdisches Museum Frankfurt), Aya Zarfati (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz) sowie Oliver von Wrochem (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte) widmete sich der Frage „Wie gehen Gedenkstätten mit verschiedenen Gewaltgeschichten um?“
Drei Gesprächsrunden setzten den praxisbezogenen Erfahrungsaustausch von Projekten und Ansätzen an und von Gedenkstätten fort und boten Raum für eine Reflexion über strukturelle Erfahrungswerte, Anliegen von Zielgruppen, Expertisen und Kapazitäten in Teams, Kooperationen und Partnerschaften sowie Lernkurven in Einrichtungen. Der Workshop „Staats- und Gesellschaftsverbrechen erinnern” befasste sich mit kolonialen Kontexten in der Gedenkstätte Buchenwald, dem Thema soziale Ausgrenzung am Beispiel der Riebeckstraße 63 in Leipzig, neuen Entwicklungen im Umgang mit der Geschichte der sowjetischen Speziallager am Beispiel der Gedenkstätte Sachsenhausen sowie dem Erinnerungsort Ihnestraße an der FU und seiner Geschichte des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Im Workshop „Gewaltgeschichten erinnern in der Migrationsgesellschaft“ wurden verschiedene Projekte diskutiert, darunter „(Zwangs)Migration und Flucht – Geschichte(n) von damals & heute“ vom Erinnerungsort Alter Schlachthof, das Projekt FERMAN der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und des Vereins Women for Justice e.V., „ReMember“ der Gedenkstätte Flossenbürg sowie „Perspektiven öffnen – Geschichten teilen“ der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und des Denkort Bunker Valentin. In dem Workshop „Rechte Gewalt nach 1945 erinnern“ berichteten das NS-DOK Köln über die Arbeit der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus, die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte über ihre Ausstellungen „Rechte Gewalt in Hamburg von 1945 bis heute“, das NS-Dokumentationszentrum München über das Programm „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch“, sowie die Sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus über lokale Initiativen zur Erinnerung an Opfer rechter Gewalt.
Andrea Riedle (Stiftung Topographie des Terrors), Kirsten John-Stucke (Kreismuseum Wewelsburg), Sven Riesel (Stiftung Sächsische Gedenkstätten) und Jörg Skriebeleit (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg), moderiert von Thomas Köcher (Landeszentrale für politische Bildung) führten die Diskussionen der Workshops in der Abschlussdiskussion „Gewaltgeschichten erinnern. Herausforderungen und Perspektiven“ zusammen.
Das Programm findet sich hier.
Die 13. Gedenkstättenkonferenz wurde vorbereitet von Henning Borggräfe (Verband der Gedenkstätten in Deutschland e. V. / FORUM), Thomas Köcher (Landeszentralen für politische Bildung), Susann Lewerenz (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte), Cornelia Siebeck (Gedenkstättenreferat Stiftung Topographie des Terrors), Oliver von Wrochem (Arbeitsgemeinschaft KZ-Gedenkstätten / Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte), Julana Bredtmann (Gedenkstättenreferat Stiftung Topographie des Terrors)
Fotos: SHGL, Iris Groschek