Von der Freiheit sich einzumischen

07/2023Gedenkstättenrundbrief 210, S. 32
Thomas Krüger

Wir wissen von Hannah Arendt, dass eine gemeinsame Welt »überhaupt nur in der Vielfalt ihrer Perspektiven« existiert. Nicht zuletzt als »Motor« der Gedenkstättenseminare, bei einer Vielzahl von weiteren Projekten sowie in unterschiedlichen Schnittstellen zwischen Gedenkstättenarbeit vor Ort und politischen Gremien hat Thomas Lutz seit mittlerweile vier Jahrzehnten genau diesem Spruch Rechnung getragen. Bei der Vielfalt an Gedenk- und Dokumentationsstätten sowie Erinnerungsorten an die NS‑Verbrechen ist dies mitunter leichter gesagt als getan.

Es ist nicht nur so, dass jede Generation ihren jeweils eigenen Zugang zur Geschichte sucht. Auch geschichtspolitische Interventionen geschehen viel häufiger. Die Freiheit, sich nicht einzumischen, ist aber nur dann eine, wenn man auch die Freiheit hat, sich einzumischen, um es frei, wiederum nach Hannah Arendt, zu formulieren. Beides für die Gedenkstättenarbeit als Resonanzraum für die Auseinandersetzung mit Vergangenheiten zu erarbeiten, ist und bleibt eines der zentralen Verdienste von Thomas Lutz. Nicht zuletzt dafür gebührt ihm großer Respekt.

Thomas Krüger ist Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung.

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