Themenportal Rechte Gewalt

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28. April 2026

Rechte Gewalt gehört zu den drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Die Morde des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) haben diese Gewalt auf besonders grausame Weise sichtbar gemacht, gerade auch aufgrund der Versäumnisse im Zusammenhang mit ihrer Verhinderung und der Aufklärung der Taten. Sie stehen in einer langen Kontinuität rassistischer, antisemitischer, antifeministischer und autoritär-nationalistischer Gewalt in Deutschland seit 1945. Um ihre Ursachen, Formen und Folgen zu verstehen, ist historisches Wissen über ihre sozialen und politischen Hintergründe zentral.

Das Themenportal will rechte Gewalt sowie deren ideologische Grundlagen und gesellschaftliche Voraussetzungen dokumentieren und somit sichtbar sowie langfristig auffindbar machen. Es richtet sich an eine breite Öffentlichkeit, an Betroffene, Forschende, Handelnde im Themenfeld politische Bildung, an Medienschaffende und zivilgesellschaftliche Initiativen. Ziel ist es, eine quellengestützte Auseinandersetzung mit rechter Gewalt in ihren historischen und gesellschaftlichen Kontexten zu ermöglichen. Im Fokus des Portals steht eine multiperspektivische Dokumentation und weniger eine eigene Bewertung.

Das Themenportal bietet nicht nur Zugang zu vereinzelt bereits digitalisierten Quellen, sondern insbesondere auch strukturierte Informationen zu Archivbeständen, die häufig (noch) nicht frei zugänglich sind. Damit entsteht ein langfristig nutzbares Werkzeug für die politische Bildung, die Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie für Medien, Zivilgesellschaft und Politik und zur Stärkung der demokratischen Erinnerungskultur.

Warum braucht es dieses Portal?

Trotz zahlreicher Initiativen, Veröffentlichungen und zivilgesellschaftlicher Dokumentationen existiert bis heute kein zentraler Ort, an dem rechte Gewalt in Deutschland seit 1945 systematisch, multiperspektivisch und quellengestützt dokumentiert wird. Viele Betroffene wurden über Jahrzehnte hinweg überhört, ihre Erfahrungen marginalisiert, ihr Wissen nicht als gesellschaftlich relevantes Erinnern anerkannt.

Zahlreiche Einzelpersonen und Initiativen haben begonnen, diese Perspektiven zu dokumentieren und in den Diskurs einzubringen. Doch viele dieser Dokumentationen bleiben – vor allem aufgrund finanzieller und personeller Gegebenheiten – fragmentiert, sind schwer auffindbar oder technisch kaum dauerhaft gesichert. Gleichzeitig sind viele amtliche Unterlagen noch nicht digitalisiert oder unterliegen noch Schutzfristen. Das Themenportal „Rechte Gewalt“ strebt an, diese Lücke zu schließen. Im Fall von Unterlagen, die noch Schutzfristen unterliegen, soll etwa zumindest auf ihre Existenz hingewiesen werden, auch wenn sie über das Portal zu diesem Zeitpunkt nicht direkt zugänglich gemacht werden können. 

Des Weiteren verdeutlicht das Themenportal, dass das Phänomen der rechten Gewalt ein gesellschaftliches und politisches Problem darstellt. Dazu werden insbesondere die Stimmen von Betroffenen einbezogen. Dokumentiert werden nicht allein Taten, sondern auch deren ideologische Hintergründe, ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, ihre Auswirkungen auf die Betroffenen sowie die jeweiligen institutionellen Umgangsformen, staatlichen Reaktionen und erinnerungskulturellen Auseinandersetzungen.

Auch die Frage, welche Fälle als rechte Gewalt anerkannt werden, ist umstritten. Unterschiedliche Zählweisen – etwa von staatlichen und journalistisch-zivilgesellschaftlichen Stellen – führen zu teils erheblich abweichenden Fallzahlen. Das Themenportal dokumentiert diese Unterschiede, ohne eine „richtige“ Zahl festzulegen, und macht die dahinterliegenden Bewertungslogiken im Artikel „Die Klassifikation“ transparent.

Es existieren viele Definitionen rechter Gewalt, national wie international. Nähere Erläuterungen zu unserer Begriffsverwendung sollen im weiteren Projektverlauf folgen.

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