Studierende aus drei Ländern präsentieren virtuellen Rundgang über den Lern- und Gedenkort Malyj Trostenez

10. Mai 2022
Geschichtswerkstatt Leonid Lewin Minsk

„Wir freuen uns, dass es unter den schwierigen Rahmenbedingungen der Corona-Pandemie gelungen ist, diese internationale Zusammenarbeit zu ermöglichen, die die verschiedenen digitalen Angebote zur didaktischen Erschließung des Vernichtungsortes Malyj Trostenez ergänzt“, sagt Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin des IBB Dortmund (IBB gGmbH), die das Projekt initiiert und organisiert hat.

In der Abschlusskonferenz in Minsk, die via Konferenz-Software Zoom übertragen wird, präsentieren Studierende aus Deutschland, Österreich und Belarus am Dienstag, 10. Mai 2022, ab 17 Uhr deutscher Zeit (18 Uhr Minsker Zeit) erstmals die Ergebnisse ihrer internationalen Zusammenarbeit: Mehrere Ausstellungen und einen virtuellen Rundgang über den Lern- und Gedenkort Malyj Trostenez in Belarus. Die Ausstellungen werden (ab Dienstag, 10. Mai) auf der Website https://malytrostinec.nghm-uos.de/exhibits präsentiert, die gleichzeitig die Basis ist für den Rundgang, der über die mobile App DigiWalk zur pädagogischen Arbeit in Schulen, Universitäten und Einrichtungen der Erwachsenenbildung genutzt werden kann. Die digitalen Formate erschließen das mehrere Hektar große Areal am Stadtrand von Minsk für die pädagogische Arbeit weit über Belarus hinaus.

Aktuelle und historische Fotos und Filmsequenzen werden ergänzt durch 360-Grad-Fotos und 3-D-Bilder, die einen Eindruck vermitteln vom früheren Zwangsarbeitslager, der Scheune, der Mordstätte Schaschkowka und dem Wald von Blagowschtschina. Erklärende Texte erläutern den Hintergrund des heute zum Gedenkort umgestalteten Areals mit den insgesamt 34 Massengräbern. Die Studierenden haben dabei das Content-Management-System OMEKA genutzt, das speziell zur Gestaltung von virtuellen Ausstellungen konzipiert wurde.

Die Projektleitung für das Langzeit-Projekt des IBB Dortmund (IBB gGmbH) und der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk lag bei Prof. Dr. Claudia Theune und Prof. Dr. Kerstin von Lingen von der Universität Wien und Prof. Dr. Christoph Rass von der Universität Osnabrück in Zusammenarbeit mit Dr. Aliaksandr Dalhouski, stellvertretender Leiter der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk.

Ergänzende Informationen steuerten das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstand und das Haus der Geschichte Österreichs bei. Gefördert wurde das gesamte Projekt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend erinnert“ aus Mitteln des Auswärtigen Amts.

An der öffentlichen Abschlussveranstaltung nehmen auch die frühere österreichische Botschafterin in Belarus, Aloisia Wörgetter, und Michael Nowak als Vertreter des deutschen Botschafters in Minsk sowie die Projektkoordinatoren der Universitäten Osnabrück und Wien teil. Die Veranstaltung wird simultan übersetzt.

Zur Teilnahme sind besonders auch Akteure der schulischen und außerschulischen Erinnerungsarbeit eingeladen. Eine Anmeldung ist möglich unter dem Link der Universität Wien  https://univienna.zoom.us/webinar/register/WN_bR5FTI7KQ2WHhDjFjJpKiQ.

Zuvor schalten sich die Studierenden aus Wien, Osnabrück und Minsk bereits ab 15 Uhr deutscher Zeit (16 Uhr Minsker Zeit) zu einem Workshop zusammen. Nach einer Begrüßung durch die Kulturmanagerin Alina Dzeravianka und Projektleiter Dr. Aliaksandr Dalhouski werden weitere Projekte zur digitalen Erinnerungsarbeit vorgestellt und diskutiert.

Über den Vernichtungsort Malyj Trostenez

Malyj Trostenez war der größte Vernichtungsort in Belarus während der deutschen Besatzungszeit von 1941 bis 1944. Zwischen 50.000 und 206.500 Menschen wurden dort getötet, verscharrt, später exhumiert und verbrannt. Zu den Opfern gehörten Juden aus der damaligen Sowjetunion, aus Deutschland, Tschechien und Österreich, Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer. In Westeuropa war dieser Vernichtungsort bis vor wenigen Jahren noch kaum bekannt. Erst durch zivilgesellschaftliches Engagement aus Österreich, Belarus und Deutschland wurde der Vernichtungsort vor dem Vergessen gerettet. Das IBB Dortmund koordiniert seit 2014 transnationale Projekte zur Entwicklung neuer, auch digitaler Erinnerungsformate.

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