CfP: 15.06.2026
Ausgerichtet von:
Vor nunmehr 20 Jahren hat die Freie Universität Berlin als erste Einrichtung außerhalb der USA einen Komplettzugang zum Visual History Archive (VHA) der „USC Shoah Foundation – The Institute for Visual History and Education“ eingerichtet. Seitdem hat sich die Arbeit mit digitalen Oral History-Interviews zu einem wichtigen Arbeitsfeld entwickelt. Die FU Berlin gehörte hier früh zu den internationalen Leuchttürmen der Forschung mit diesen einzigartigen Quellen.
Anlässlich des Jubiläums möchten wir mit einer Konferenz die Bedeutung dieses besonderen Archivs und seiner Quellen für die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen in Forschung, Lehre und historisch-politischer Bildung würdigen und die Errungenschaften und Entwicklungen in diesem Feld Revue passieren lassen.
Zudem soll die Tagung die aktuelle Phase tiefgreifender technologischer Transformation, die sich zeitlich mit dem Ende der Zeitzeugen*innenschaft des Nationalsozialismus überschneidet reflektieren. Dieser Wandel stellt die Holocaustforschung, -bildung und -erinnerung vor komplexe strategische wie auch ethische Herausforderungen. Wie wird damit umgegangen, dass Zeug*innen nur noch in Ausnahmefällen persönlich über ihre Erfahrungen berichten können? Welche Bedeutung kommt den videografierten Erinnerungsberichten in diesem Zusammenhang zu? Und wie sind neue digitale Formate zu bewerten, wie interaktive Zeugnisse, die dialogische Begegnungen mit Zeitzeug*innen simulieren?
Die Dynamiken des gegenwärtigen KI-Wandels verschärfen diese Herausforderungen. Einerseits erfordern KI-generierte Inhalte eine präzisierte Reflexion über Authentizität, Quellenkritik und digitale Provenienz. Andererseits entstehen im Feld der Digital Humanities innovative Analysemethoden, die eine automatisierte Erschließung und Auswertung umfangreicher Interviewkorpora erlauben. Auf diese Weise lassen sich Themen, narrative Strukturen und erinnerungskulturelle Dynamiken in einer zuvor nicht erreichbaren Breite und Detailliertheit untersuchen. Unabdingbar bleibt jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit den epistemologischen Implikationen algorithmischer Verfahren, die historische Zeugnisse modellieren, filtern und gewichten und damit die Wahrnehmung von Erinnerung und Geschichte mitgestalten.
Am 2. und 3. Dezember 2026 möchten wir gemeinsam mit ca. 70 Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Bildungsbereichen die vergangenen zwanzig Jahre Revue passieren lassen, Einblicke in aktuelle Forschungs- und Bildungsprojekte geben und gemeinsam über zukünftige Perspektiven der Arbeit mit digitalen Oral-History-Archiven diskutieren.
Wir laden dazu ein, Proposals für Konferenzbeiträge zu den zentralen Themen „Historische Forschung und erfahrungsgeschichtliches Wissen“, „Lernen mit Interviews: Vermittlungspraktiken in der historisch-politischen Bildung“ und „Testimonies and Digital Humanities: aktuelle Projekte, Trends und Perspektiven“ einzureichen.
Wir freuen uns über Beiträge zu folgenden Fragen und Themen:
Die Konferenz wird in Präsenz an der Freien Universität Berlin stattfinden und aus max. 20-minütigen Vorträgen in englischer Sprache bestehen.
Während der Konferenz wird für Verpflegung gesorgt. Für Beitragende ohne insitutionsgebundene Finanzierung kann auf Anfrage gegebenenfalls ein Zuschuss gewährt werden.
Bitte senden Sie bis zum 15.06.2026 individuelle oder gemeinsame Abstracts mit einem Umfang von maximal 300 Worte sowie einer Kurz-Bio, auf Deutsch oder Englisch an vha@ub.fu-berlin.de.
Rückmeldung über den Status ihrer Einreichung erhalten Sie bis zum 15.07.2026.
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