Nach der Begrüßung durch Stiftungsdirektor Axel Drecoll und den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Joachim Krüger, werden Benjamin Grimm (Minister der Justiz und für Digitalisierung des Landes Brandenburg), Franziska Giffey (Bürgermeisterin und Senatorin von Berlin) und Leonore Bellotti (ehemalige Inhaftierte des Speziallagers) zu den Anwesenden sprechen. Im Anschluss an ein Gebet, das Pfarrer Friedemann Humburg (Evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai Oranienburg) sprechen wird, werden am Gedenkort auf dem Friedhof am ehemaligen Kommandantenhof Kränze niedergelegt.
Am Nachmittag um 14.30 Uhr wird die Autorin und Geigerin Anna Barbara Kastelewicz im Gespräch mit Astrid Ley (Leitung Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen) ihr Buch „Musik, wo Schweigen ist“ vorstellen, das sich mit kulturellen Betätigungen der Inhaftierten in den sowjetischen Speziallagern beschäftigt. Gemeinsam mit dem Pianisten Arno Schneider wird sie musikalische Beispiele vortragen.
Hintergrund
Die sowjetische Besatzungsmacht errichtete in ihrer Zone zehn Speziallager, die sowohl Instrumente der Entnazifizierung als auch der stalinistischen Herrschaftssicherung waren. In den Speziallagern Weesow und Sachsenhausen waren bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1950 rund 60.000 Menschen inhaftiert, unter ihnen bis zu 5.000 Frauen. 12.000 Inhaftierte starben an Hunger und Krankheiten. Im Lager waren vorwiegend Angehörige unterer Funktionsränge des NS-Regimes, aber auch Beschäftigte aus Verwaltung, Polizei, Justiz, Wirtschaft sowie SS-Personal aus den Konzentrationslagern inhaftiert. Zu den Häftlingen zählten außerdem politisch Missliebige und willkürlich Verhaftete sowie von sowjetischen Militärtribunalen Verurteilte, Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Prägung, darunter Deutsche und Nichtdeutsche, Rotarmisten und Wehrmachtsangehörige, Männer und Frauen, Alte und Junge, NS-Belastete und Unbelastete.