Hirnforschung und nationalsozialistische Verbrechen

Vortrag/Vorlesung
Diskussion/Gespräch
20. Oktober 2026
19:00 Uhr
Ort: Auditorium, Niederkirchnerstr. 8, 10963 Berlin
Veranstalter: Max-Planck-Gesellschaft und Stiftung Topographie des Terrors

Zum Abschluss des Forschungsprojekts ›Geschichte der Hirnforschung an Instituten der Max-Planck-Gesellschaft/Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft‹ werden die Ergebnisse in zwei korrespondierenden Teilveranstaltungen in Berlin (20.10.) und München (16.11.) vorgestellt und live gestreamt.

Die Zusammenhänge zwischen der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und wissenschaftlichen Sammlungen wurden lange Zeit ausgeblendet. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch und die Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie in München nutzten die sich im Nationalsozialismus bietende Gelegenheit, sich Tausende von Gehirnpräparaten zu beschaffen, um an ihnen zu forschen. Die damals angelegten Sammlungen gingen nach Kriegsende auf die Max-Planck-Institute für Hirnforschung und für Psychiatrie über. Die Menschen, deren Gehirne noch jahrzehntelang ohne ihre Zustimmung der Wissenschaft dienten, waren zu einem großen Teil Opfer der NS-„Euthanasie“, der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Weitere Präparate stammten von jüdischen und nichtjüdischen Opfern der deutschen Besatzung in Polen, von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und Opfern der NS-Justiz.

Eine internationale unabhängige Historikergruppe hat diese Geschichte in einem von der Max-Planck-Gesellschaft finanzierten Projekt umfassend untersucht sowie die Namen und Schicksale von mehr als 1.900 Opfern recherchiert und damit die Grundlage für die würdige Bestattung der menschlichen Überreste auf dem Münchner Waldfriedhof gelegt.

Zwei korrespondierende Veranstaltungen in Berlin und München präsentieren die Ergebnisse dieser Forschung und setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte, die auch regionale Aspekte berücksichtigen. Im Zentrum steht die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft, Ideologie und Politik im Nationalsozialismus und den Nachwirkungen. Welche Rolle spielten Forschende der betroffenen Institute bei den NS-Verbrechen? Warum dauerte die Aufarbeitung so lange, und wie kann man der Opfer heute und in Zukunft würdig gedenken?

 

Begrüßung: Dr. Andrea Riedle, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors

Impulse:

Alison MacPhail und Carol Day, Nichten eines Opfers

Prof. Dr. Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

Vorträge und Diskussion:

Prof. Dr. Herwig Czech, Medizinische Universität Wien

Prof. Dr. Paul Weindling, Oxford Brookes University

Moderation: Maike Rotzoll, Institut für Geschichte der Pharmazie und Medizin der Universität Marburg