Die folgenden Ausführungen sollen nicht nur ein bisher vergessenes Kapitel der Judenverfolgung in Deutschland ins Bewußtsein heben, sondern auch als Anregung für Lokalhistoriker, Gedenkstättenmitarbeiter oder Interessierte in den Schulen für neue Recherchen zu einzelnen hier nachgewiesenen oder bisher unbekannten Lagern, zu Tätern und Opfern dieses Zwangseinsatzes dienen.1
Statt der Reichsarbeitsverwaltung, die den Zwangseinsatz deutscher Juden seit 1939 organisierte, bedrängte der Generalinspektor für das Deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, das Reichssicherheitshauptamt Anfang Oktober 1940 wegen rascher Versorgung kriegswichtiger Autobahnbaustellen mit der Frage nach Arbeitskräften. Offensichtlich versprach er sich von diesem Ansprechpartner einen rascheren und reibungsloseren Erfolg als beim Gang über den streng regulierten Arbeitsmarkt. Im Gegensatz zur Situation im Generalgouvernement war der Einfluß der SS auf den jüdischen Zwangseinsatz im Altreich aber begrenzt geblieben. Infolge des Ansinnens des Generalinspektors mischte sich das RSHA erstmals in das bisher von den Arbeitsämtern autonom durchgeführte Einsatzprogramm ein. Aufgrund des bereits flächendeckend pratizierten Zwangseinsatzes deutscher Juden konnte die »Reichsvereinigung« Mitte Oktober, als sie auf Weisung des RSHA binnen fünf Tagen 10000 jüdische Männer für den Autobahnbau stellen sollte, nur mit enttäuschenden Resultaten aufwarten. Infolge des Scheiterns der Sonderaktion gab der Chef der Sipo und des SD schließlich am 1. November 1940 die Ausnahmeerlaubnis nichtdeutsche Juden zum Zwangseinsatz ins Altreich zu holen.
Über den nun in einem ersten Überblick vorzustellenden Zwangseinsatz Tausender polnischer Juden in Deutschland, der von der Reichsautobahnbehörde verantwortet wurde und insgesamt zweieinhalb Jahre dauerte, ist bisher ebensowenig bekannt, wie über das eigens hierfür entwickelte Lagersystem. Die ersten 1300 Juden vermittelte die Ghettoverwaltung Litzmannstadt Ende Dezember 1940 zur Strecke Frankfurt/Oder – Posen. Die Oberste Bauleitung der Reichsautobahnen Berlin richtete die notwendigen Lager ein und bewirtschaftete diese. Im Januar 1941 legte die Oberste Bauleitung Berlin für den Einsatz polnischer Juden an der Strecke Frankfurt/Oder – Posen fest, daß diese in geschlossenen und umzäunten Wohnlagern untergebracht, deren Bewachung von der zuständigen Polizei- bzw. Gestapodienststelle geregelt werde. Neben Steuerabzügen und »sozialen Lasten« waren täglich zwei Reichsmark für Verpflegung, Unterkunft und Lagerunterhaltung abzuführen. Nach weiteren Abzügen für das Lager und Überweisung an das Ghetto-Konto bei der Stadtsparkasse in Litzmannstadt blieben den jüdischen Zwangsarbeitern gerade noch zehn Pfennig Lohn pro Tag.
Die in Deutschland bei der Autobahn zwangsbeschäftigten polnischen Juden waren damit aus dem im Deutschen Reich geltenden Arbeitsrecht völlig ausgeklammert, obwohl ihr Einsatz offensichtlich von der Arbeitsverwaltung kontrolliert und gesteuert wurde. Die Bedingungen, unter denen sie für die Reichsautobahnbehörde Zwangsarbeit in Deutschland leisteten, waren ungleich repressiver als jene, unter denen die deutschen Juden im »Geschlossenen Arbeitseinsatz« beschäftigt wurden, die unter Zwang, aber in der Regel mit individuellen Arbeitsverträgen und bei Hilfsarbeiterlöhnen eingesetzt wurden.
Die Bauleitungen der Reichsautobahnen verlangten aber nach immer mehr Arbeitskräften. Ideologische Ressentiments gegen den Zwangseinsatz »fremdvölkischer« Arbeitskräfte wollte sich die NS-Führung in der Phase der unmittelbaren Vorbereitung auf den Krieg mit der Sowjetunion ökonomisch nicht mehr erlauben, weshalb Göring am 18. Februar 1941 alle Verantwortlichen im NS-Staat zu einer zeitweilig pragmatischen Arbeitsmarktpolitik aufforderte. Ungeachtet dieser Kursänderung scheiterte ein im gleichen Monat 1941 vom Reichsstatthalter in Posen, Greiser, und dem Reichsarbeitsministerium entwickeltes Großprojekt, mit dem weitere 73000 polnische Juden aus dem Warthegau ins Altreich geholt werden sollten. Neben Rüstungsunternehmen sollten hierdurch auch die Reichsautobahn-Direktion Frankfurt-Oder mit 1000 und die Reichsautobahn-Direktion in Danzig mit 7000 polnisch-jüdischen Zwangsarbeitern zusätzlich versorgt werden. Doch dieser Plan war sicher nicht zuletzt wegen seiner Dimension – eine Realisierung hätte einen Zuwachs von Juden im Altreich um ca. 40 Prozent bedeutet – auf lebhaften Widerspruch vor allem beim Reichssicherheitshauptamt gestoßen. Hitler verbot dann persönlich, »Juden aus dem Generalgouvernement und dem Warthegau« im Altreich einzusetzen.2
Ungeachtet der klaren Weisung Hitlers beschäftigten die Obersten Bauleitungen der Reichsautobahnen im Mai 1941 auf den kriegswichtigen Abschnitten (Stettin – Danzig, Frankfurt/Oder – Posen – Litzmannstadt und Breslau – Krakau) schon mehr als 7000 Juden; große Teile aller drei Strecken befanden sich auf Altreichsterritorium. Der Einsatz der jüdischen Zwangsarbeiter war überregional organisiert, lokale Stellen hatten keinen Zugriff auf diese Kräfte. Jüdische Zwangsarbeiter stellten im Spätherbst 1941 bereits über die Hälfte des Baupersonals der Obersten Bauleitung Berlin und je knapp ein Drittel bei den Obersten Bauleitungen Breslau und Danzig. Im Westen Deutschlands gab es dagegen nur im Bereich der Obersten Bauleitung Köln ein erwähnenswertes Kontingent luxemburgischer Juden.
Außer für den Autobahnbau wurden auch Werkslager mit meist polnisch-jüdischen Arbeitskräften für Industriefirmen im Altreich, bevorzugt in Brandenburg, errichtet. In solche Lager, die vor allem 1942 entstanden, war auch ein Teil der jüdischen Insassen aus den Autobahnlagern gebracht worden, als die Mehrheit dieser Lager im Laufe des Jahres 1942 geschlossen wurde, weil nach der Niederlage der deutschen Armee vor Moskau auf höchsten Befehl sämtliche Arbeitskräfte direkt in die Rüstungsproduktion eingegliedert werden sollten. Die Eröffnung eines »Judenlagers« Ende Februar 1942 für den Bau einer Hefefabrik der Phrix-Werke AG Wittenberge gehört exakt in diesen Kontext. Dem Unternehmenschef hatte Oswald Pohl, Chef des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes, persönlich das Versprechen über eine Bereitstellung von 300 bis 500 polnischen Juden sowie 150 KZ-Häftlingen gegeben. Diese durften ihr vom Werkschutz bewachtes Lager nicht verlassen. Zugeschicktes Geld, Lebensmittel und Kleidung wurden nicht an die Empfänger ausgegeben. Essensentzug wollte die Firma wegen Leistungsabfall zwar vermeiden, laut interner Dienstanweisung für den »Judeneinsatz« sollte aber gegen die Zwangsarbeiter mit äußerster Strenge und auch mit körperlichen Züchtigungen vorgegangen werden. Von 300 polnischen Juden starben zwölf, bis zum Sommer schickte das Werk 160 völlig erschöpfte Zwangsarbeiter zurück.
Als nach den anderthalbjährigen Deportationen die Transporte aus dem Altreich ihren letzten Höhepunkt im Februar/März 1943 erreichten, wurden die »Judenlager« zunächst auf dem Papier ausgenommen. Im Erlaß zur berüchtigten Fabrik-Aktion, die sich besonders gegen Zwangsarbeiter richtete, hieß es: »Auch die in verschiedenen Betrieben [...] geschlossen eingesetzten polnischen Juden, die jeweils in geschlossenen Lagern untergebracht sind, dürfen hierbei nicht erfaßt werden.«3 Wurde dies bereits für die Lager mit deutschen Juden nicht konsequent eingehalten, so löste man bald auch die Lager für polnische Juden auf oder gliederte diese als Außenlager dem Konzentrationslagersystem an. Zur endgültigen Beendigung dieses mehrjährigen Zwangsarbeitskapitels befahl Himmler bis zum 30. Juni 1943 auch die letzten »lagermäßig untergebrachten Juden (einschließlich der seinerzeit zum geschlossenen Arbeitseinsatz in das Altreich verbrachten Juden ehemals polnischer Staatsangehörigkeit)« aus dem Reichsgebiet »nach dem Osten bzw. nach Theresienstadt abzubefördern.«4
Liste bisher nachzuweisender Arbeitslager polnischer und anderer Juden im Altreich
Bärwalde (Pommern)
1939/40 – mind. 1942
Lager der Reichsautobahnbehörde.5
Beelitz/Krs. Weststernberg (Mark Brandenburg)
1940 – mind. August 19446
Männliche polnische Juden7
Fa. Dyckerhoff & Wydmann KG, Fa. Gustav Dübner, Fa. Wayss & Freytag
Einsatz an der Autobahn; Lager der Reichsautobahnbehörde.8
Birkenhorst
1942
Einsatz auf dem Gut.9
Brätz (Brandenburg)
Juli 1940 – Mai 1942
Männliche Juden10
Anfang April 1942: 218 Juden
Ende April 1942: 355 Juden11
Organisation Todt, Arbeit an der Autobahn
Lager der Reichsautobahnbehörde.12
Britz bei Eberswalde (Brandenburg); auch genannt ZAL Waldlager-Eberswalde
mind. März 1942 – mind. August 1943
April 1943: 205 polnische Juden13
Ardelt-Werke, Märkisches Stahlformwerk
u.a. Arbeiten in Munitionsfabrik.14
Christianstadt (Niederlausitz)
1940 – mind. Dezember 1943
Männliche Juden
Wollstein-Kuppers Bauunternehmen, Dynamit Nobel AG
Kabelverlegungen, Arbeiten in Munitionsfabrik.15
Dreetz bei Neustadt/Dosse (Brandenburg)
Januar 1941 – mind. Ende 1943
Männliche polnische Juden16
Fa. Wayss & Freytag, Fa. Dyckerhoff & Widmann
Beton-, Erd-, und Straßenbauarbeiten
Einsatz für Deutsche Sprengchemie GmbH in Munitionsfabrik.17
Finkenheerd/Krs. Lebus (Brandenburg); auch genannt ZAL Brieskow
Januar 1941 – Juli/August 1943 (Verlegung nach Auschwitz)18
ca. März 1942 – März 1943: 210 polnische Juden19
Fa. Fuchs, Fa. Seifert
Autobahnbauarbeiten
Später Arbeit im Märkischen Elektrizitätswerk AG (1942–1943) und in Braunkohlengrube
Lager der Reichsautobahnbehörde; später Zwangsarbeitslager.20
Forst (Lausitz); auch genannt ZAL Schönost bei Forst
März 1942 – mind. März 1943
Männliche Juden
Arbeit im Munitionslager Heidelage.21
Frankfurt/Oder
Dezember 1940 – 1943/1944
Männliche Juden (2000–5000).22
Fürstenberg (Brandenburg)
November/Dezember 1940 – 28. August 1943
250–300 männliche Juden23
Märkisches Elektrizitätswerk, Degussa AG, Fa. Heinrich Keller etc.
u.a. Gleisbauarbeiten.24
Greimerath bei Wittlich (Baustelle Hasborn)/Bez. Trier
mind. Anfang September 1941 – ?
mind. 34 luxemburgische Juden
Fa. Chr. Krutwig; Arbeit an der Autobahn
Lager der Reichsautobahnbehörde.25
Gröditz/Krs. Bautzen (Sachsen)
1943
Juden und Jüdinnen
Arbeit auf versch. Baustellen.26
Großbeeren/Krs. Teltow (Brandenburg)
Oktober 1943–1945
Gleisbauten und -reparatur.27
Grunow bei Wutschdorf (Brandenburg) auch genannt »Lagower See«
August 1940 – mind. August 194328
200–600 Juden29
Anfang April 1942: 162 Juden
Ende April 1942: 202 Juden30
Fa. Hermann Klammt
Autobahnbau, Feldarbeiten
Lager der Reichsautobahnbehörde.31
Königsberg-Metgethen (Ostpreußen)
März 1940 – mind. April 1943
Männliche Juden
Bauarbeiten, Kabelverlegen.32
Kreuzsee bei Reppen (Brandenburg)
Juli 1940 – mind. September 194333
Anfang April 1942: 227 polnische Juden
Ende April 1942: 386 polnische Juden34
Fa. A. Schulz Reppen
Autobahnbau und Herstellung von Schuhen
Lager der Reichsautobahnbehörde.35
Küstrin (Brandenburg)
Dezember 1940 – mind. Ende 1941
Männliche Juden
Arbeit an der Reichsautobahn.36
Küstrin/Neustadt (Brandenburg)
Januar 1941 – mind. Ende 194337
Ende August 1943: Verlegung von 800 polnischen Juden nach Auschwitz38
AEG, Phrix Zellwollfabrik AG.39
Lagow (Brandenburg)
20. Januar – 20. Mai 1942: ca. 15 polnische Juden
Forstlager.40
Lautawerk bei Senftenberg (Brandenburg)
Oktober 1941 – mind. August 1943
Männliche Juden
Vereinigte Aluminiumwerke, Fa. Holzmann
Bauarbeiten.41
Leimnitz (Brandenburg)
April 1940 – mind. Januar 1943
Männliche Juden
Fa. Bartel, Fa. Keller, Fa. Schulz
Arbeiten an der Reichsautobahn.42
Liebenau I und II bei Schwiebus (Brandenburg)
April/Mai 1940 – mind. Ende 1942
Männliche Juden43
Liebenau I: April 1942: 175 Juden44
Fa. Karl Bartel Hoch- und Tiefbau Berlin
Lager der Reichsautobahnbehörde.45
Lohhof bei München (Bayern)
18. Dezember 1941 – mind. Februar 1942
mind. 68 polnische Jüdinnen
Frauenarbeitslager bei der Fa. Flachsröste GmbH Lohhof.46
Narty/Amtsbezirk Ilow (Ostpreußen)
April 1941 – mind. Herbst 1941
Männliche Juden.47
Neu-Bentschen (Brandenburg)
24. Mai 1941 – 28. Oktober 1943
Männliche Juden
Bahnarbeiten.48
Nosarzewo (Ostpreußen)
Januar 1940 – 4. November 1942
Männliche Juden
Fa. Kolin
Barackenbauten, Betonarbeiten.49
Pinnow über Reppen (Brandenburg)
November/Dezember 1940 – mind. August 194350
Anfang April 1942: 169 polnische Juden
Ende April 1942: 81 polnische Juden51
Fa. Gustav Dübner Berlin
Autobahnbau
Lager der Reichsautobahnbehörde.52
Rastenburg (Ostpreußen)
mind. Juli 1940 – mind. November 1942
Männliche Juden
Fa. Rost
Bauarbeiten.53
Rogsen (Brandenburg/Westpreußen)
Mai 1941 – mind. April 1942
Männliche Juden
Fa. Karl Plinker
Autobahnbau.54
Rozan (Ostpreußen)
mind. Mai 1943 – mind. August 1943
Männliche Juden.55
Schwiebus (Brandenburg)
mind. März/April 1943 – mind. August 1943
Männliche Juden
Rekord-Gummiwerke.56
Selchow/Krs. Oststernberg (Brandenburg)
Februar 1940 – April 1942 (abgebaut für Markstädt)57
300–400 polnische Juden58
Fa. Holzmann, Fa. Drexl, Fa. Karl Bartel
Arbeit an der Autobahn
Lager der Reichsautobahnbehörde.59
Spiegelberg/Krs. Oststernberg (Brandenburg)
Januar 1940 – mind. August 194360
Anfang April 1942: 179 polnische Juden
Ende April 1942: 297 Juden61
Organisation Todt, Baufirma Otto Konrad, Fa. Holzmann, Fa. Herrmann Klammt
Arbeit an der Autobahn und Straßenbau
Zuerst Lager der Reichsautobahnbehörde; später ZAL.62
Sporwitten (Ostpreußen)63
Steinhausen (Ostpreußen)
1940 – Juni 1941
Männliche Juden
Flußregulierungsarbeiten.64
Stentsch (Brandenburg)
Ende 1940/Anfang 1941 – ?
Männliche Juden
Arbeit an der Reichsautobahn.65
Sternberg/Neumark (Brandenburg)
10. Dezember 1940 – mind. Juni/August 194266
Anfang April 1942: 291 polnische Juden
Ende April 1942: 150 polnische Juden67
Fa. Otto Konrad Hoch und Tiefbau Berlin
Arbeit an der Autobahn
Lager der Reichsautobahnbehörde.68
Topper (Brandenburg)
Ende 1940/Anfang 1941 – ?
Männliche Juden
Arbeit an der Reichsautobahn.69
Unterdiessen (Bayern)
Mai 1941 – Dezember 1941 (Transfer nach Lohhof)
mind. 68 polnische Jüdinnen.70
Wittenberge (Brandenburg)
Ende Februar 1942 – mind. Januar 194371
24. Februar 1942: 100 polnische Juden72
Ende März 1942: 100 polnische Juden73
9. Mai. 1942: 250 polnische Juden
Kurmärkische Zellwolle und Zellulose AG (Tochter der Phrix-Werke AG)
Aufbau Hefe-Fabrik
firmeneigenes Barackenlager.74
Warburg (Werberg?)/Krs. Angermünde (Brandenburg)
April 1943: 474 polnische Juden
Baustab Langer (?).75
Wutschdorf (Brandenburg)
Ende 1940 – mind. April 1941
Männliche Juden
Arbeit an der Reichsautobahn.76
Züllichau (Brandenburg)
Anfang 1941 – mind. April/Mai 1941
Männliche Juden
Fa. Karl Bartel.77
* Die hier aufgeführten Lager waren in der Mehrheit von der Reichsautobahnbehörde für den Zwangseinsatz von überwiegend polnischen Juden eingerichtet oder genutzt worden. Die im folgenden häufig zugrundegelegten Angaben des International Tracing Service, die allein auf Zeugenaussagen fußen, müssen in der Datengenauigkeit – insbesondere was Einrichtung und Schließung der Lager betrifft – als unzuverlässig eingeschätzt werden.
1 Die einleitenden Ausführungen stützen sich auf folgende Forschungen des Autors, weshalb auf umfangreiche Anmerkungen verzichtet wird: Juden bauen die »Straßen des Führers«. Zwangsarbeit und Zwangsarbeitslager für nichtdeutsche Juden im Altreich 1940 bis 1943/44, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 44. (1996), H. 9, S. 789–808; sowie Der Geschlossene Arbeitseinsatz deutscher Juden. Zur Zwangsarbeit als Element der Verfolgung 1938 bis 1943, Berlin 1997.
2 Bundesarchiv Koblenz, R 41, Nr. 193, Bl. 97: Schnellbrief des Reichsarbeitsministeriums vom 7. 4. 1941.
3 Zitiert bei Gruner, »Straßen des Führers«, S. 798.
4 Zitiert bei Gruner, Geschlossener Arbeitseinsatz, S. 269.
5 Obozy hitlerowskie na ziemiach polskich 1939–1945. Glowna komisja Badania Zbrodni Hitlerowskich w Polsce Rada Ochrony Pomnikow walki i Meczenstwa. Informator encyklopedyczny (Die Hitler-Lager auf polnischem Boden 1939–1945, Enzyklopädisches Handbuch), Warschau 1979, Nr. 14.
6 Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer SS 1933–1945. Konzentrationslager und deren Außenkommandos sowie andere Haftstätten unter dem Reichsführer SS in Deutschland und deutsch besetzten Gebieten, hrsg. vom Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes, Arolsen 1979, S. 397, (im folgenden ITS Arolsen 1979).
7 Vgl. BA, Abt. Potsdam, 75 C Re 1, Nr. 759, Bl. 164: Urteil im Versicherungsstreit zwischen AOK Reppen und Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin vom 1. 7. 1942.
8 ITS Arolsen 1979, S. 381.
9 ITS Arolsen 1979, S. 381.
10 ITS Arolsen 1979, S. 381.
11 BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 50: Monatsnachweisung der Wohnlager im Bezirk der Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin (April 1942).
12 ITS Arolsen 1979, S. 381.
13 Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA) Potsdam, Pr. Br. Rep. 2 A, Reg. Potsdam, Abt. I Pol,
Nr. 2895, Bl. 88: Bericht Landrat Angermünde vom 28. 4. 1943.
14 ITS Arolsen 1979, S. 381.
15 ITS Arolsen 1979, S. 382.
16 BA, Abt. Potsdam, 75 C Re 1, Nr. 759, Bl. 222: Jüdische Kultusvereinigung Berlin an die Fa. Deutsche Sprengchemie am 18. 6. 1942.
17 ITS Arolsen 1979, S. 382.
18 ITS Arolsen 1979, S. 382.
19 BA, Abt. Potsdam, 75 C Re 1, Nr. 762, Bl. 22: Bescheinigung des Baubevollmächtigten des Reichsministeriums Speer vom 9. 4. 1943; vgl. ebenda: Jüdischer Unterführer im Reichsautobahnlager an die Reichsvereinigung Berlin am 29. 3. 1943; vgl. ebenda, Nr. 759, Bl. 223: Reichsvereinigung an Bezirksstelle Brandenburg am 29. 7. 1942.
20 Ebenda sowie ITS Arolsen 1979, S. 382.
21 ITS Arolsen 1979, S. 383.
22 CCP (ITS 1949), S. 635 sowie ITS Arolsen 1979, S. 383.
23 CCP (ITS 1949), S. 635.
24 ITS Arolsen 1979, S. 383.
25 BA Koblenz, R 65 I GIS, Nr. 52, Bl. 6: Schreiben Lagerführer vom 13. 9. 1941; ebenda Bl. 8: Liste der am 4. 9. 1941 zur Reichsautobahn überwiesenen Juden; ebenda, Bl. 9: Liste der am 17. 9. 1941 zur Reichsautobahn vermittelten Juden.
26 ITS Arolsen 1979, S. 383.
27 CCP (ITS 1949), S. 634.
28 ITS Arolsen 1979, S. 384.
29 CCP (ITS 1949), S. 647.
30 BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 50: Monatsnachweisung Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin (April 1942).
31 ITS Arolsen 1979, S. 384.
32 ITS Arolsen 1979, S. 384.
33 ITS Arolsen 1979, S. 386.
34 BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 50: Monatsnachweisung Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin (April 1942). Bis zu 500 Juden sollen dort gewesen sein; CCP (ITS 1949), S. 647.
35 ITS Arolsen 1979, S. 386.
36 ITS Arolsen 1979, S. 384.
37 ITS Arolsen 1979, S. 384.
38 Czech, Danuta: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Mit einem Vorwort von Walter Laqueur, Deutsch von Jochen August u.a., Reinbek bei Hamburg 1989, S. 587: Kalendarium 28. 8. 1943.
39 ITS Arolsen 1979, S. 384.
40 BLHA Potsdam, Pr. Br. Rep. 3 B Reg. Frankfurt/O., Abt. III Forsten, Nr. 478, unfol.: Statistik Forstlager, Stand 20. 1. 1941 und 20. 5. 1942.
41 ITS Arolsen 1979, S. 384.
42 ITS Arolsen 1979, S. 384.
43 ITS Arolsen 1979, S. 385.
44 BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 49: Monatsnachweisung Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin (April 1942).
45 ITS Arolsen 1979, S. 385.
46 BA, Abt. Potsdam, 75 C Re 1, Nr. 760, Bl. 10: Entwurf für Eppstein (Reichsvereinigung) vom
23 (?). 2. 1942.
47 Vorläufiges Verzeichnis der Konzentrationslager und deren Außenkommandos sowie anderer Haftstätten unter dem Reichsführer SS in Deutschland und deutsch besetzten Gebieten (1933–1945), hrsg. vom Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes, Arolsen 1969, S. 271.
48 ITS Arolsen 1979, S. 385.
49 ITS Arolsen 1979, S. 385.
50 ITS Arolsen 1979, S. 385. Eröffnung vor dem 10. 12. 1940: LBI/B New York, Microfilms: 2. Vorläufiges Verzeichnis der Ghettos und ZAL, hrsg. von Landesinteresses Bayern, München 1950, S. 6.
51 BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 50: Monatsnachweisung Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin (April 1942).
52 ITS Arolsen 1979, S. 385.
53 ITS Arolsen 1979, S. 385.
54 ITS Arolsen 1979, S. 386.
55 ITS Arolsen 1979, S. 386.
56 ITS Arolsen 1979, S. 387.
57 Abbau spätestens April 1942; BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 50: Monatsnachweisung Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin. Bei ITS ist nach Zeugen fälschlicherweise erst Mitte 1943 angegeben; ITS Arolsen 1979, S. 387.
58 CCP (ITS 1949), S. 646.
59 ITS Arolsen 1979, S. 387.
60 ITS Arolsen 1979, S. 387.
61 BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 50: Monatsnachweisung Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin (April 1942).
62 ITS Arolsen 1979, S. 387.
63 Ohne weitere Angaben; ITS Arolsen 1979, S. 387.
64 ITS Arolsen 1979, S. 387.
65 ITS Arolsen 1979, S. 388.
66 ITS Arolsen 1979, S. 388.
67 BA, Abt. Potsdam, 46.02 RAB-D, Nr. 394, Bl. 50: Monatsnachweisung Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Berlin (April 1942).
68 ITS Arolsen 1979, S. 388.
69 ITS Arolsen 1979, S. 388.
70 BA, Abt. Potsdam, 75 C Re 1, Nr. 760, Bl. 10: Briefentwurf vom 23 (?). 2. 1942. Vgl. CCP (ITS 1949),
S. 558; dort aber als Lager Bichl/Krs. Toelz verzeichnet.
71 Kaienburg, Hermann: Zwangsarbeit für das »deutsche Rohstoffwunder« – Das Phrix-Werk Wittenberge im zweiten Weltkrieg, in: 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, 9. (1994), H. 3, S. 21–29.
72 Ebenda, S. 21.
73 BLHA Potsdam, Pr. Br. Rep. 75, Nr. 61, Bl. 174: Kurmärkische Zellwolle und Zellulose AG an die Industrie- und Handelskammer Berlin/Wehrwirtschaftl. Abt. vom 9. 4. 1942.
74 Ebenda, Bl. 184: Schreiben der Zellwolle AG an das Arbeitsamt Wittenberge vom 9. 5. 1942.
75 BLHA Potsdam, Pr. Br. Rep. 2 A, Reg. Potsdam, Abt. I Pol, Nr. 2895, Bl. 88: Bericht Landrat Angermünde vom 28. 4. 1943.
76 ITS Arolsen 1979, S. 389.
77 ITS Arolsen 1979, S. 389.