Dies- und jenseits des Totalitarismusparadigmas

Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen im geschichtspolitischen Spannungsfeld. Ein Workshopbericht
03/2016Gedenkstättenrundbrief 181, S. 3-13
Cornelia Siebeck und Oliver von Wrochem

Mussten Gedenkstätten, die an NS-Verbrechen erinnern, einst gegen große gesellschaftliche Widerstände durchgesetzt werden, gelten sie heute als unverzichtbarer Bestandteil der politischen Kultur. Infolge ihrer staatlichen Förderung stehen sie auf einer stabileren institutionellen und finanziellen Grundlage als je zuvor in der bundesrepublikanischen Geschichte. Nichtsdestotrotz herrscht unter den Akteurinnen und Akteuren im Feld derzeit eine gewisse Beunruhigung angesichts aktueller geschichtspolitischer Entwicklungen. In diesem Sinne hat etwa Detlef Garbe mit Blick auf den Status quo der bundesrepublikanischen Gedenkstättenlandschaft zu den NS-Verbrechen jüngst von einer »geschichtspolitische[n] Erfolgsgeschichte im Gegenwind« gesprochen.[1]

Gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück veranstaltete die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bereits 2013 eine Tagung zu »Gedenkstätten und Geschichtspolitik«, die sich mit geschichtspolitischen Faktoren beschäftigte, die die zeitgenössische Gedenkstättenarbeit definieren.[2] Der 50. Jahrestag der Einweihung des Internationalen Mahnmals auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme im November 2015 bildete nun den Anlass, uns im Rahmen eines weiteren Workshops mit dem aktuell wahrgenommenen geschichtspolitischen »Gegenwind« zu beschäftigen.

Revival des Totalitarismusparadigmas

Zweifellos handelt es sich bei diesem »Gegenwind« um ein facettenreiches Phänomen. Besonders virulent schien uns jedoch das gegenwärtige Revival des Totalitarismusparadigmas sowohl im bundesrepublikanischen als auch im europäischen Gedächtnisdiskurs, weswegen wir uns im Vorfeld entschieden, den Fokus auf diese Entwicklung zu legen.

Zunehmend wird deutsche und europäische Geschichte im Zeichen eines reduktionistischen Totalitarismusbegriffs[3] repräsentiert. In geschichtspolitischen Entschließungen und Förderrichtlinien, in zahlreichen Ausstellungen und Bildungsprogrammen, in aktuellen Denkmal- und Gedenkstätteninitiativen bahnt sich eine neue Meistererzählung an, in der die deutsche, aber auch die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts als Kampf zwischen »Demokratie« und »Diktatur« dargestellt wird, der im Heute sein glückliches Ende gefunden hat.

Das NS-Regime wird in diesem Narrativ mit den diversen Herrschaftsformen und -phasen im sowjetischen Machtbereich zu einer »totalitären Vergangenheit« zusammengefasst, wobei verschiedenste Verbrechens- und Unrechtskomplexe in ein Analogieverhältnis gesetzt werden. Dies führt nicht nur zu historischen Entdifferenzierungen und Dekontextualisierungen, sondern auch zu jener Erinnerungskonkurrenz, die den gegenwärtigen Gedächtnisdiskurs prägt. Denn unter der Prämisse des Totalitarismusparadigmas werden die infrage stehenden historischen Phänomene und Erfahrungen nicht mehr »für sich« gewürdigt, sondern stets zueinander in Bezug gesetzt und nicht selten gegeneinander aufgewogen, wobei meist weniger historisch als normativ argumentiert wird.

Ein Trend zur normativen Vereindeutigung komplexer historischer Zusammenhänge zeichnet sich auch im Bereich der historisch-politischen Bildung ab. So publizierte der Forschungsverbund SED-Staat 2012 mit finanzieller und ideeller Unterstützung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) und diverser Landeszentralen für politische Bildung ein seither viel zitiertes Plädoyer für eine rigorose Ausrichtung der zeitgeschichtlichen Bildung am Diktatur-Demokratie-Schema. Als primäres Lernziel wird hier die Identifikation mit der »freiheitlich-demokratischen Grundordnung« definiert. Didaktische Ansätze, die auf die Ausbildung eines reflexiven Geschichtsbewusstseins zielen, werden hingegen mit Nachdruck verworfen.[4]

Geschichtspolitische Spannungsverhältnisse

Die Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen ist von den skizzierten Entwicklungen in mehrfacher Hinsicht betroffen. Gemäß der spezifischen Logik des Totalitarismusparadigmas wurde bereits in der Gedenkstättenkonzeption von 2008 ein relativer »Nachholbedarf« mit Blick auf »Gedenkstätten und Erinnerungsorte zur Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur« diagnostiziert und festgeschrieben.[5] Die ohnehin schon bestehende Konkurrenz um Fördermittel wurde auf diese Weise zusätzlich als geschichtspolitisches Wettbewerbsverhältnis zwischen den »beiden deutschen Diktaturen«[6] fixiert.

Vor allem aber steht der Trend zur gegenwartsaffirmativen Meistererzählung entlang des Totalitarismusparadigmas in offensichtlichem Widerspruch zum gesellschaftspolitischen Selbstverständnis der bundesrepublikanischen Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen. Hier geht es darum, im Wissen um die Vergangenheit reflexiv auch auf die Gegenwart zu blicken. Das »negative Gedächtnis« soll dabei weniger der Selbstvergewisserung ex negativo dienen, sondern vor allem Quelle eines anhaltenden gesellschaftlichen Irritations- und Reflexionspotenzials sein.

Zudem widerspricht eine pädagogische Programmatik, die auf das Einüben eines in seinen normativen Grundzügen immer schon festgeschriebenen Narrativs sowie damit verbundener eindeutiger »Lehren« abzielt, den Prinzipien der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen. Hier soll kein geschlossenes Geschichtsbild transportiert, sondern empirisch fundiertes und differenziertes historisches Wissen bereitgestellt werden – mitsamt seiner Polyvalenzen und Ungewissheiten. Die an Vermittlungsprozessen Beteiligten sollen darin unterstützt werden, ein kritisch-reflexives Geschichts- und Gegenwartsbewusstsein auszubilden.[7]

Diese Spannungsverhältnisse wurden in den letzten Jahren von Protagonisten der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen in unterschiedlicher Akzentuierung wiederholt problematisiert.[8] Eine Diskussion der Herausforderungen, die sich für die Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen aus den aktuellen Problemlagen ergeben, ist jedoch bisher ausgeblieben.

Ansatz und Methodik des Workshops

Mit dem von uns initiierten zweitägigen Workshop »Dies- und jenseits des Totalitarismusparadigmas. Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen im geschichtspolitischen Spannungsfeld der Gegenwart« sollte ein erster Schritt gemacht werden, sich mit diesen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Unserer Einladung folgten 20 Personen, die in der historisch-politischen Bildung in- und außerhalb von Gedenkstätten tätig sind oder sich anderweitig mit gedächtniskulturellen Fragen auseinandersetzen. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet in KZ-Gedenkstätten oder anderen Institutionen, die sich der Aufarbeitung nationalsozialistischer Geschichte widmen. Zwei Personen sind derzeit primär im Bereich der SBZ/DDR-Aufarbeitung beschäftigt. Weitere Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben einen akademischen Schwerpunkt, verfügen aber zumeist auch über Praxiserfahrung in der Gedenkstättenarbeit.

Der Workshop war als gemeinsamer Explorationsprozess angelegt. Um dafür eine empirische Grundlage zu schaffen, wurde im Vorfeld eine Materialsammlung verschickt. Hier waren Beispiele für aktuelle gedächtniskulturelle Praktiken zusammengestellt, die sich am Totalitarismusparadigma orientierten, darunter Ausstellungs-, Denkmal- und Gedenkstättenprojekte sowie Konzepte für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit. Es handelte sich also um sehr verschiedene Gedächtnismedien. Auch hinsichtlich ihrer historischen Reflexivität, narrativen Schwerpunktsetzung und professionellen Qualität wiesen die Beispiele deutliche Unterschiede auf. Allen gemeinsam war jedoch ein stark normativer Impetus. Nahezu durchgängig nahmen sie für sich in Anspruch, eine Leerstelle zu füllen bzw. eine notwendige Akzentverschiebung im bestehenden Gedächtnisdiskurs vorzunehmen.

Der Workshop war in sieben je zweistündige Blöcke unterteilt. Am Anfang stand eine historisch-geschichtspolitische Standortbestimmung der bundesrepublikanischen Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen, um die wir Detlef Garbe und Habbo Knoch gebeten hatten. Die eigentliche Diskussion verlief dann entlang von fünf Themenstellungen und diesen jeweils zugeordneten Beispielen.

In einem abschließenden Gespräch wurden die gewonnenen Erkenntnisse resümiert. Inhalte und Verlauf des Workshops sollen im Folgenden nachvollziehbar gemacht werden, wobei die intensiven und mitunter kontroversen Diskussionen nur selektiv wiedergegeben werden können. Vor allem wollen wir Aspekte aufgreifen, die sich nach unserem Eindruck im Diskussionsprozess zu einer Art »roter Fäden« verdichtet haben und von denen wir glauben, dass sie für die weitere Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen geschichtspolitischen Spannungsfeld von zentraler Bedeutung sind.

Historisch-geschichtspolitische Standortbestimmungen

Zu Beginn des Workshops zog Detlef Garbe mit Blick auf Geschichte und Gegenwart bundesrepublikanischer Gedenkstätten, die an NS-Verbrechen erinnern, eine zwiespältige Bilanz. Vor dem Hintergrund des 50. Jahrestages der Einweihung des Internationalen Mahnmals auf dem Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme hielt er fest, dass seither zweifellos ein weiter Weg zurückgelegt worden sei. Wer hier von einer »Erfolgsgeschichte« spreche, dürfe jedoch nicht unterschlagen, dass die Erinnerung an die NS-Verbrechen und ihre Opfer von Politik und Mehrheitsgesellschaft jahrzehntelang verweigert wurde und erst unter den spezifischen historisch-politischen Bedingungen der deutschen Vereinigung Staatsräson geworden sei.

Der in der Politik vielfach zur Schau getragene »Aufarbeitungsstolz« diene dazu, die Bundesrepublik als geläutertes Land zu präsentieren und spalte die NS-Vergangenheit von der Gegenwart ab. Aber auch die Gedenkstätten hätten ihren Anspruch weitgehend aufgegeben, »unbequem und anstößig« zu sein. Vielerorts werde man mit allzu glatten Ausstellungen konfrontiert, die kaum mehr Fragen offen ließen. Aktuelle Themen, die einen Bezug zur NS-Vergangenheit hätten, wie etwa die Debatte um das deutsche Besatzungsregime in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs, würden kaum mehr aufgenommen. Um nicht zu »staatlichen Erinnerungsagenturen« zu werden, sondern lebendige und vielstimmige Erinnerungsorte zu bleiben, müssten Gedenkstätten sich stärker zur Zivilgesellschaft hin öffnen und ihre internationalen Kontakte pflegen, zumal die zu Überlebenden und ihren Nachkommen.

Anschließend reflektierte Habbo Knoch die Geschichts- und Gedenkstättenpolitik in der Bundesrepublik seit 1990. Im Zuge der geschichtspolitischen »Sinnkrise« nach der Vereinigung sei das Totalitarismusparadigma bald bestimmend geworden. Dem sei damals keine kohärente Alternativerzählung entgegengesetzt worden, auch nicht vonseiten der Akteure und Akteurinnen der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen, die das Konzept zu Recht kritisiert hätten. Paradoxerweise hätten diese jedoch zugleich vom Totalitarismusparadigma profitiert. Denn nicht zuletzt der politische Wille, eine Erinnerungskultur an die DDR zu etablieren, habe dazu geführt, auch das Gedächtnis an die NS-Verbrechen institutionell und damit nachhaltig zu verankern. Auch außenpolitische Erwägungen hätten hierbei eine Rolle gespielt. Da dieses Motiv jedoch in den Hintergrund trete, drohe Gedenkstätten, die an NS-Verbrechen erinnern, gegenwärtig ein Bedeutungsverlust.

Zwar existiere ein Formelkompromiss, den Holocaust als »singulär« zu bezeichnen. Dies sei inzwischen jedoch vor allem ein moralisches Bekenntnis, das nicht weiter reflektiert werde. Auf der Ebene historischer Sinnbildung erlaube das Totalitarismusparadigma, den »traumatischen Bruch« der NS-Vergangenheit zu überschreiben. An seine Stelle sei ein in die Zukunft gerichtetes Läuterungsnarrativ getreten. Auffällig sei ferner, dass anhand des Totalitarismuskonzepts ein sehr monolithisches Bild von der DDR gezeichnet werde. Vergleichbar den Repräsentationen des Nationalsozialismus in den 1950er- und 1960er-Jahren werde der Schwerpunkt dabei auf Ideologie und Terror gelegt, die gesellschaftliche Teilhabe am System werde weitgehend ausgeblendet. Geschichtskulturell habe man es hier mit einer Regression zu tun.

Erfolgsgeschichten im Zeichen des Totalitarismusparadigmas

Der erste Themenblock des Workshops stand unter der Überschrift »Eine neue deutsch-europäische Meistererzählung?«. Diskutiert wurde die Plakatausstellung »Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme. Streiflichter auf die Geschichte Europas«, die von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Institut für Zeitgeschichte erarbeitet wurde. Laut Werbeflyer wird »Europas 20. Jahrhundert« darin »als dramatische Geschichte zwischen Freiheit und Tyrannei, zwischen Diktatur und Demokratie« erzählt.[9] Die Ausstellung war das Herzstück des von der Stiftung für 2014 ausgerufenen »Jahres der europäischen Zeitgeschichte«.[10] Sie wurde in der Bundesrepublik in 3000 Exemplaren verbreitet, mithilfe des Auswärtigen Amtes konnte sie in zwölf Sprachen übersetzt und auch vielfach im Ausland gezeigt werden.[11]

In der Diskussion wurde zunächst herausgestellt, dass hier entlang der Diktatur-Demokratie-Dichotomie eine deutsch-europäische Erfolgsgeschichte erzählt werde. Für die Zeit von 1917 bis 1989 werde dabei einem »demokratischen Westen« ein »undemokratischer Osten« gegenübergestellt. Beide Gesellschaftsordnungen würden im Sinne eines Top-Down-Modells primär als antagonistische Prinzipien und Herrschaftsformen gezeichnet, gesellschaftliche und ökonomische Prozesse blieben in dieser Erzählung weitgehend unberücksichtigt. Ferner wurde darauf hingewiesen, dass die Ausstellung vonseiten der Stiftung explizit als Beitrag zu einer notwendigen Zäsurverschiebung im öffentlichen Gedächtnis gemeint sei. Anstelle eines in Westeuropa dominanten Narrativs, das auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 als »Zivilisationsbruch« fokussiere, solle eine die osteuropäischen Nachkriegserfahrungen integrierende Erzählung treten.[12] So werde es möglich, den Zeitraum von 1917 bis 1989 als eine »Periode des Totalitarismus« zu fassen, welche im vereinten Deutschland und Europa erfolgreich überwunden sei.

Damit waren bereits die europäischen Gedächtniskonflikte angedeutet, die im nächsten Themenblock mit dem Titel »Europas Gewissen und der Totalitarismus« diskutiert wurden. Der Fokus lag hier auf den geschichtspolitischen Interventionen der 2011 gegründeten Platform of European Memory and Conscience, die sich für eine stärkere Beachtung der »kommunistischen Verbrechen« im europäischen Gedächtnisdiskurs engagiert.[13] Betrachtet wurde zum einen die Wanderausstellung »Totalitarianism in Europe«,[14] zum anderen das internationale Schulbuchprojekt »Damit wir nicht vergessen. Erinnerung an den Totalitarismus in Europa«[15], das in Deutschland von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten vertrieben wird.

Der Forderung nach einer Integration der osteuropäischen Diktaturerfahrungen in den europäischen Gedächtnisdiskurs, darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, werde hier auf eine äußerst problematische Weise Ausdruck verliehen. Stets werde sie im Modus eines Konkurrenzverhältnisses zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg artikuliert. Mithilfe des Totalitarismuskonzepts sollten die beiden historischen Erfahrungshorizonte »gleichberechtigt« integriert werden, wobei sehr weitgehend von historischen Zusammenhängen abstrahiert werde. So werde »der Totalitarismus« als eine Art Fremdherrschaft charakterisiert, die wenige »Drahtzieher«[16] mit terroristischen Methoden installierten. Folgerichtig erscheine auch Deutschland als eines der »Länder, die unter dem Totalitarismus gelitten haben«.[17] Nationalsozialistische und sowjetische Herrschaft »über Europa« würden formal gleichgesetzt, wobei der »sowjetische Totalitarismus« als ursprünglich und damit als »hauptschuldig« dargestellt werde.[18]

Von Mitläufertum und Kollaboration sei dabei kaum einmal die Rede; wenigen Tätern und Täterinnen stünden viele Opfer sowie heroisierte Widerstandskämpferinnen und -kämpfer gegenüber. Hier wurde angemerkt, dass im Zeichen eines solchen Geschichtsbilds immer wieder auch Täter und Täterinnen bzw. Kollaborateurinnen und Kollaborateure des NS-Regimes als antikommunistische »Freiheitskämpfer« und »Freiheitskämpferinnen« geehrt würden.

Die dem Diskurs der Platform for Memory and Conscience zugrunde liegenden europäischen Gedächtniskonflikte wurden unterschiedlich bewertet. Einerseits wurde hier ein Ost-West-Konflikt vermutet, der daraus resultiere, dass die osteuropäischen Nachkriegserfahrungen im westeuropäischen Geschichtsbild tatsächlich marginalisiert seien und die EU-Beitrittsländer sich einer Gedenkkultur anschließen sollten, die stark auf den Holocaust fokussiere. Andererseits wurde argumentiert, dass besagten Gedächtniskonflikten auch unterschiedliche Stile im Umgang mit Geschichte zugrunde lägen, die keineswegs auf einen Ost-West-Gegensatz reduzierbar seien.

Deutsche Überwindungserzählungen

Die folgenden beiden Themenblöcke des Workshops beschäftigten sich mit diversen gedächtniskulturellen Praktiken, die nicht nur narrativ, sondern auch räumlich in die bestehende bundesrepublikanische Gedächtnislandschaft intervenieren.

Unter der Überschrift »Nationalgeschichte mit Happy End?« wurden zunächst Projekte diskutiert, die einen größeren nationalgeschichtlichen Bogen schlagen. Die seit 2011 auf Initiative des Bundestagspräsidiums am Reichstagsgebäude gezeigte Großbildprojektion »Dem Deutschen Volke. Eine parlamentarische Spurensuche« beginnt mit dem späten 19. Jahrhundert.[19] Die von der Bundesregierung initiierte Ausstellung »Zeitreise 1914–2014«, die in einem Container zu allerlei historischen Anlässen und Orten reist, setzt mit dem Ersten Weltkrieg ein.[20] In beiden Fällen, so wurde in der Diskussion deutlich, werde die deutsche Geschichte als Ringen zwischen »Demokratie« und »Diktatur« dargestellt, das in den Ereignissen von 1989/90 zu einem glücklichen Ende gelangt sei. Insgesamt ziele die Dramaturgie darauf ab, zu zeigen, »dass die dunklen Kapitel inzwischen der Vergangenheit angehören«.[21]

Einen noch größeren Zeitraum integriert das 2007 vom Bundestag beschlossene Nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin, das auch in die revidierte Gedenkstättenkonzeption aufgenommen wurde. Es soll bis 2017 vor dem wieder aufgebauten Stadtschloss realisiert werden und dort nicht nur »an die friedliche Revolution und an die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands erinnern«, sondern »auch die freiheitlichen Bewegungen und die Einheitsbestrebungen der vergangenen Jahrhunderte würdigen«.[22]

Dieses Denkmalprojekt wurde intensiv diskutiert. Mit Blick auf seine Vorgeschichte seit 1998[23] und programmatische Texte seiner Initiatoren[24] wurde konstatiert, dass mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal nicht nur ein »positiver« Gegenpol zum nahe gelegenen Holocaust-Mahnmal entstehen, sondern auch eine dialektische »Aufhebung« deutscher Geschichte in den Geschehnissen von 1989/90 versinnbildlicht werden solle. Dieses metaphysische und entkonkretisierte Narrativ werde zudem als »Gründungsmythos des vereinten Deutschland«[25] empfohlen. Die NS-Vergangenheit werde hier sowohl räumlich als auch narrativ in eine übergreifende nationale Erfolgsgeschichte eingebettet. Zugleich werde eine radikale Diskontinuität zwischen »demokratischer Gegenwart« und »totalitärer Vergangenheit« etabliert.

Unter der Überschrift »Die erfolgreiche Überwindung der Diktatur« beschäftigte sich ein nächster Themenblock damit, inwiefern sich dieses Überwindungsmotiv in der Gedenk- und Bildungsarbeit zur SBZ/DDR-Vergangenheit niederschlägt. Ein derartiger Trend deutet sich nicht zuletzt in einem Bundestagsbeschluss von 2013 an, der die Regierung dazu auffordert, »sich dafür einzusetzen, dass die Opfer des SED-Unrechts als Vorkämpfer für Freiheit, Demokratie und ein vereinigtes Deutschland politisch stärker gewürdigt werden«.[26]

Zur Debatte standen hier erstens das bundes- und landesgeförderte »Menschenrechtszentrum, das 2013 unter der Ägide ehemaliger Häftlinge in einem Gefängnis mit »doppelter Vergangenheit« eingerichtet wurde;[27] zweitens das vonseiten der Union der Opfer der Kommunistischen Gewaltherrschaft (UOKG) geforderte und mittlerweile BKM-geförderte »Zentrale Mahnmal für die Opfer der Kommunistischen Gewaltherrschaft« in Berlin;[28] und drittens der von Roland Jahn angeregte »Campus für Demokratie« auf dem Gelände der einstigen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg, der auch vom Bundestag befürwortet wird.[29]

Es fiel auf, dass sich alle Projekte um eine positive historische Perspektivierung bemühten. So werde selbst im ansonsten stark opferzentrierten Diskurs der UOKG betont, dass mit dem geforderten Mahnmal ein »Ort entstehen [solle], der das Positive – die Überwindung der Diktatur – in den Vordergrund stellt.«[30] Auch der »Campus der Demokratie« sei explizit als »Lernort der Diktaturüberwindung« konzipiert.[31] Vonseiten des »Menschenrechtszentrums Cottbus« wiederum werde immer wieder betont, dass hier ehemalige Häftlinge »ihr« Gefängnis in eine Stätte der Aufklärung und Versöhnung verwandelt hätten.[32] Auch vor Ort werde dem Überwindungsmotiv dort vielfach Ausdruck verliehen, etwa in Gestalt einer bemalten Kletterwand, auf der man aus einer finster gezeichneten DDR in die »westliche Freiheit« aufsteigen kann.[33]

Einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die das »Menschenrechtszentrum« bereits besucht hatten, berichteten überdies, dass dort trotz »doppelter Vergangenheit« primär die DDR-Zeit vorgestellt werde. Bezugnahmen auf die NS-Geschichte fänden nur sehr selektiv statt und dienten primär dem Nachweis einer »totalitärer Kontinuität« vor Ort. Damit würden Standards im Umgang mit Orten mit »doppelter Vergangenheit« missachtet.

Bildungsarbeit entlang der Diktatur-Demokratie-Dichotomie

Unter der Überschrift »Ansätze einer am Totalitarismusparadigma orientierten historisch-politischen Bildung« beschäftigte sich ein letzter Themenblock mit Konzepten der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit. Gesprächsgrundlage war hier das von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Planspiel »Probe den Aufstand!«, in dem Grundschüler und -schülerinnen den Aufstand vom 17. Juni 1953 nachspielen sollen;[34] ferner eine von der Konrad-Adenauer-Stiftung verbreitete Lehrerhandreichung zum Thema »DDR: Mythos und Wirklichkeit«;[35] sowie ein Präventionsprojekt gegen Linksextremismus, das von der Gedenkstätte Hohenschönhausen im Rahmen des umstrittenen Bundesprogramms »Demokratie stärken« (2010–2014) entwickelt wurde: »Alles Geschichte? Linksextremismus in Deutschland heute«.[36]

Alle drei Projekte, so stellten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen fest, beanspruchten, sich im öffentlichen Diskurs bisher marginalisierten historischen Themen zuzuwenden. In der Lehrerhandreichung und im Präventionsprojekt werde zudem behauptet, dass in der Vernachlässigung des Komplexes DDR/Kommunismus/Linksextremismus ein gesellschaftliches Problem liege, da hier die Gefahr einer Verharmlosung oder gar Attraktivität bestünde.

Einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen fühlten sich durch das dichotome Weltbild, das in den Materialien vermittelt werde, an Ansätze politischer Bildung in der Bundesrepublik der 1950er/60er-Jahre oder den Staatsbürgerkundeunterricht in der DDR erinnert. Lehrerhandreichung und Planspiel orientierten sich mit ahistorischen Gegenüberstellungen von »Demokratie« und »Diktatur« bzw. »Sozialer Marktwirtschaft« und »Planwirtschaft« an einem schlichten Gut-böse-Schema.

Im Hinblick auf das Präventionsprojekt der Gedenkstätte Hohenschönhausen wurde problematisiert, dass hier von Marx über die russische Revolution bis hin zu heutigen Antifa-Gruppen unterschiedlichste historisch-ideologische Phänomene zu einem Problem-komplex »Linksextremismus« zusammengefasst würden. Auf -historische -Kontextualisierungen werde dabei weitgehend verzichtet. Hauptsächliches Ziel scheine zu sein, jeweilige Phänomene als tatsächlich oder potenziell »extremistisch« zu identifizieren. Einzelne Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten sich vor Ort mit der didakti-schen Methode des Präventionsprojekts vertraut gemacht; Lernmodule würden auf einem Tablet-Computer als lineare »Beweisführung« strukturiert, ohne kontroverse Quellen anzubieten. Auch angesichts einer negativen Projektevaluation durch das Deutsche Jugendinstitut[37] sei es verwunderlich, dass die Gedenkstätte im aktuellen Bundesprogramm »Demokratie leben!« mit einem ähnlichen Vorhaben erneut gefördert werde.[38]

Rote Fäden in der Workshopdiskussion

Im Versuch, die gedächtniskulturellen Anliegen der untersuchten Praxisbeispiele ernst zu nehmen, kam mehrfach die Frage auf, ob diese tatsächliche oder bloß vermeintliche Leerstellen des öffentlichen Gedächtnisses adressieren. Dies wurde kontrovers beurteilt.

Mit Blick auf mögliche Leerstellen wurde zudem problematisiert, dass in der westdeutschen Linken, aus der viele Akteure und Akteurinnen der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen stammten, eine kritische Auseinandersetzung mit »linker« Repressions- und Gewaltgeschichte lange auf Desinteresse oder den reflexhaften Vorwurf gestoßen sei, auf diese Weise die NS-Vergangenheit relativieren zu wollen. Darüber habe man versäumt, eigene Umgangsweisen mit dieser Geschichte zu finden. Grundsätzlich gelte es, sich historischen Themen nicht zu verschließen, sondern den eigenen Ansprüchen gemäße Zugänge zu finden.

Eine zentrale Frage war, was man den im Verlauf des Workshops problematisierten Narrativen entgegenzusetzen habe. Hinsichtlich deren Kritikwürdigkeit herrschte grundsätzlich Übereinstimmung: Anstelle der Analyse gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Prozesse und Konfliktlagen trete im Zeichen des Totalitarismusparadigmas ein dichotomes Ordnungsprinzip. Historische Komplexität werde dabei zugunsten von Eindeutigkeit und Kohärenz reduziert. Zwischen »Demokratie« und »Diktatur« sowie zwischen »demokratischer Gegenwart« und »totalitärer Vergangenheit« werde eine radikale Grenze gezogen. Die für das historisch-politische Lernen in der Demokratie zentrale Frage nach kollektiven und subjektiven Handlungsspielräumen in Vergangenheit und Gegenwart geriete im Zuge dessen stark in den Hintergrund; vornehmlich werde vermittelt, dass der Status quo gegen allerart »Feinde« verteidigt werden müsse.

Bezüglich gedächtniskultureller Gegenstrategien wurde zunächst argumentiert, dass man selbst geschlossene Geschichtsbilder mit umfassendem Welterklärungsanspruch nicht wolle. Daher müsse man hier vor allem dekonstruktiv wirken und öffentlich dafür streiten, dass historischer Sinn offen und verhandelbar bleibe. Dagegen wurde eingewandt, dass kritische Dekonstruktion und die Betonung vieler »kleiner Erzählungen« nicht ausreichten. Man müsse durchaus auch »große historische Erklärungsbögen« anbieten. Hier wurde für die Perspektive einer transnationalen Gewaltgeschichte der Moderne plädiert, die nicht erst mit dem Ersten Weltkrieg oder der Oktoberrevolution beginne und auch nicht mit 1989/90 »überwunden« sei.

Wiederholt wurde der Demokratiebegriff problematisiert, der in den analysierten historischen Narrativen und Bildungsmaterialien vermittelt wird. »Demokratie« werde primär ex negativo und eher formal als qualitativ bestimmt. Angesichts des oft apodiktischen Duktus im historischen Erzählen und in den Vermittlungskonzepten wurde kritisch konstatiert, dass Demokratielernen hier nicht auf ein »Lernen durch Demokratie« oder »Lernen für Demokratie« orientiert sei, sondern auf ein präskriptives »Lernen über Demokratie«.[39] Dabei gelte Demokratie im Zeichen des Totalitarismusparadigmas nicht als ein unabgeschlossenes historisches Projekt, für das neben den bekannten formalen Prinzipien vor allem Offenheit, Verhandelbarkeit und Veränderbarkeit konstitutiv seien. Vielmehr erscheine sie als statischer Gegenpol von »Totalitarismus« und »Extremismus«.

Reflexionen und Ausblicke

Die während des Workshops diskutierten Beispiele werden von uns keineswegs als »repräsentativ« für den deutschen und europäischen Gedächtnisdiskurs angesehen. Jedoch bildet sich in ihnen ein deutlicher geschichtspolitischer und gedächtniskultureller Trend ab.

Der Workshop sollte das vielfach konstatierte Spannungsverhältnis zwischen dieser Entwicklung und dem gesellschaftspolitischen Selbstverständnis der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen genauer ausloten. Im Zuge dessen wurde erkennbar, dass das fragliche Spannungsverhältnis nicht nur mit Blick auf narrative und normative Inhalte besteht, sondern auch mit Blick auf Formen des Umgangs mit Geschichte. Diese ließen sich im Bild von »Im-Strich-Bürsten« und »Gegen-den-Strich-Bürsten« von Geschichte fassen, wobei Letzteres für die kritische Selbstreflexion demokratischer Gesellschaften zweifellos angemessener sei.

Am Ende des Workshops wurde selbstkritisch moniert, dass man auf das Revival des Totalitarismusparadigmas bisher nicht ausreichend reagiert habe. Im Unterschied etwa noch zu den 1990er Jahren würden keine geschichtspolitischen Grundsatzdebatten mehr geführt. Dies wurde einerseits damit begründet, dass man stark auf die eigenen Institutionen und Projekte konzentriert sei. Andererseits wurde hier die ausgeprägte Parzellierung der bundesrepublikanischen Gedächtniskultur problematisiert, die eine übergreifende Kommunikation über geschichtspolitische und gedächtniskulturelle Fragen behindere. Insbesondere zur NS- sowie SBZ/DDR-Vergangenheit hätten sich völlig disparate Aufarbeitungskulturen entwickelt, zwischen denen es kaum inhaltliche, methodische und normative Berührungspunkte gebe.

Im Kampf um Deutungsmacht, so wurde zu Bedenken gegeben, erwiesen sich die gedächtniskulturellen Stärken der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen oft als Schwächen. Mit einem Plädoyer für einen differenzierten, diskursiven und (selbst-)reflexiven Umgang mit Geschichte sei kaum gegen den geschichtspolitischen Trend zur Meistererzählung im Zeichen des Totalitarismusparadigmas anzukommen. Auch die Dezentralität und Pluralität der Gedenkstättenlandschaft zu den NS-Verbrechen wirke sich hier nachteilig aus. Vor allem aber fehle hier eine zentrale Institution vergleichbar der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, die einen stärkeren Einfluss auf den öffentlichen Gedächtnisdiskurs gewinnen könne. Die Workshopteilnehmer und -teilnehmerinnen waren sich einig, dass die Diskussion über die aktuellen geschichtspolitischen Entwicklungen fortgesetzt und vertieft werden müsse. Gedenkstätten, die an NS-Verbrechen erinnern, müssten sich stärker untereinander über gemeinsame geschichts- und gesellschaftspolitische Programmatiken und Standards im Umgang mit Geschichte verständigen; andererseits müsse Kritik an aktuellen geschichtspolitischen Entwicklungen vermehrt in die Öffentlichkeit getragen werden

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Cornelia Siebeck, Historikerin, forscht, lehrt und publiziert zu gedächtnispolitischen und -kulturellen Fragestellungen, insbesondere zu historischer Sinnbildung im öffentlichen Raum.

Dr. Oliver von Wrochem, Historiker, forscht und publiziert zum Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen, zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Gesellschaft und Familie sowie zu Fragen von Geschichtskultur und historisch-politischer Bildung.

 

[1] Detlef Garbe, Gedenkstätten in der Bundesrepublik: Eine geschichtspolitische Erfolgsgeschichte im Gegenwind, in: Gedenkstätten und Geschichtspolitik. Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 16 (2015), S. 75–89.

[2] Vgl. Oliver von Wrochem: Gedenkstätten und Geschichtspolitik, 31. 5. – 1. 6. 2013, Fürstenberg (Havel), in: H-Soz-Kult, 4. 4. 2013; Jutta Mühlenberg: Tagungsbericht Gedenkstätten und Geschichtspolitik, 31. 5. – 1. 6. 2013, Fürstenberg (Havel), in: Ebd., 2. 7. 2013; sowie die erweiterte Tagungspublikation: Gedenkstätten und Geschichtspolitik. Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 16 (2015).

[3] In der politischen Philosophie wird der Begriff vielstimmig diskutiert. Mit Blick auf eine spezifische Form moderner politischer »Logik« (Claude Lefort) erscheint seine Anwendung durchaus sinnvoll. Zum Verständnis der realen Bedingungen und Formen von Herrschaft und Gesellschaft trägt er allerdings nur bedingt bei. Vgl. Claude Lefort, The Logic of Totalitarianism. In: Ders., The Political Forms of Modern Society. Bureaucracy, Democracy, Totalitarianism, Cambrige 1986, S. 273–291. Zur Theoriediskussion vgl. z.B. Lars Rensmann, Totalitarismus. In: Gerhard Göhler u.a. (Hg.), Politische Theorie. 25 umkämpfte Begriffe, 2. akt. u. erw. Aufl., Wiesbaden 2011, S. 387–402.

[4] Vgl. Klaus Schroeder u.a. (Hg.): Später Sieg der Diktaturen? Zeitgeschichtliche Kenntnisse von Jugendlichen, Frankfurt a.M. u.a. 2012; sowie dazu die ausführliche Rezension von Cornelia Siebeck, Später Sieg des Kalten Krieges? Der Forschungsverbund SED-Staat empfiehlt eine Neujustierung der zeitgeschichtlichen Bildung, in: GedenkstättenRundbrief 169 (2013), S. 44–54.

[5] Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode, Unterrichtung durch den Beauftragten der Bundesrepublik für Kultur und Medien, Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes. Verantwortung wahrnehmen, Aufarbeitung verstärken, Gedenken vertiefen, Drucksache 16/9875, 19. 6. 2008, S. 7.

[6] Ebd. S. 3.

[7] Vgl. dazu v.a. die Beiträge in Barbara Thimm u.a. (Hg.), Verunsichernde Orte. Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstättenpädagogik, Frankfurt a.M. 2010; außerdem die programmatischen Überlegungen von Volkhard Knigge, Erinnerung oder Geschichtsbewusstsein. Warum Erinnerung allein in eine Sackgasse für historisch-politische Bildung führen muss, in: GedenkstättenRundbrief 172 (2013), S. 3–15.

[8] Vgl. u.a. Günter Morsch, Das »neue Unbehagen an der Erinnerungskultur« und die Politik mit der Erinnerung: zwei Seiten der gleichen Medaille, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 63, 10 (2015), S. 3–13; Thomas Lutz, Dialektik der Geschichtsdiskurse. Die Rückwirkung internationaler Debatten auf die Erinnerungskultur und die Gedenkstätten in Deutschland, in: Gedenkstätten und Geschichtspolitik (wie Anm. 2), S. 14–28; Garbe, Gedenkstätten in der Bundesrepublik (wie Anm. 1); Knigge: Erinnerung oder Geschichtsbewusstsein (wie Anm. 7); Morsch, »Eine umfassende Neubewertung der europäischen Geschichte«? Entwicklungen, Tendenzen und Probleme einer Erinnerungskultur in Europa, in: GedenkstättenRundbrief 157 (2010), S. 3–13.

[9] Die Ausstellungsplakate, der Flyer und weitere Begleitmaterialien können unter <www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/ausstellung2014-4353.html> (7. 2. 2016) als PDF heruntergeladen werden.

[10] Bezug genommen wurde dabei auf 1914 und 1939 (Beginn des Ersten bzw. Zweiten Weltkriegs), sowie auf 1989 (»Friedliche Revolution«) und 2004 (EU-Osterweiterung).

[11] Vgl. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: 100 Jahre Geschichte von Diktatur und Demokratie in einer Ausstellung, in: Dies.: Tätigkeitsbericht 2014. Berlin o.J., S. 26–29.

[12] Vgl. ebd., S. 28; ferner Anna Kaminsky, Neue Selbstverständigung, in: Frankfurter Rundschau, 20. 4. 2015.

[13] Eine Selbstdarstellung der Plattform findet sich unter <www.memoryandconscience.eu>; (7. 2. 2016).

[14] Vgl. Institute for the Study of Totalitarian Regimes, Platform of European Memory and Conscience: Totalitarianism in Europe. Fascism – Nazism – Communism. International Traveling Exhibition, o.O. 2013.

[15] Vgl. Dies.: Damit wir nicht vergessen. Erinnerung an den Totalitarismus in Europa. Ein Lesebuch für Schüler höherer Klassen überall in Europa, editiert von Gillian Purves, Prag 2013.

[16] Neela Winkelmann-Heyrovská, Über dieses Buch, in: Ebd., S. 3–4, hier S. 3.

[17] Dies., Introduction. In: Institute for the Study of Totalitarian Regimes, Platform of European Memory and Conscience: Totalitarianism in Europe (wie Anm. 14), unpag.; Übers. C.S.

[18] Vgl. ebd.; ähnlich auch Stéphane Courtois: Die tragische Erinnerung an die totalitären Regime in Europa, in: Dies. (Hg.): Damit wir nicht vergessen (wie Anm. 14), S. 9–13.

[19] Mehr Informationen und der offizielle Flyer finden sich unter <www.bundestag.de/grossbildprojektion>; (7. 2. 2015); auf youtube sind einige Mitschnitte zu finden.

[20] Die Ausstellung kann unter <www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/2014-11-17-zeitreise.html>; (7. 2. 2015) in Text und Filmmaterialien nachvollzogen werden.

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode, Unterrichtung durch den Beauftragten der Bundesrepublik für Kultur und Medien (wie Anm. 5), S. 8.

[23] Diese kann aus Perspektive der Befürworter und Befürworterinnen nachvollzogen werden in: Andreas H. Apelt (Hg.), Der Weg zum Denkmal für Freiheit und Einheit, Schwalbach/Ts. 2009.

[24] Vgl. Florian Mausbach: Über Sinn und Ort eines nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmals, in: Ebd., S. 12–30; Günter Nooke: Ein Denkmal für die Einheit in Freiheit? Formen der Auseinandersetzung mit der DDR, in: Peter März, Hans-Joachim Veen (Hg.), Woran erinnern? Der Kommunismus in der deutschen Erinnerungskultur, Köln u.a. 2006, S. 111–122.

[25] Ebd., S. 119.

[26] Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode, Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Kultur und Medien (22. Ausschuss) zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung – Drucksache 17/12115 – Bericht der Bundesregierung zum Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Drucksache 17/13698, 3. 6. 2013, S. 6.

[27] Eine Selbstdarstellung findet sich unter <www.menschenrechtszentrum-cottbus.de>; (7. 2. 2016).

[28] Hierzu kursieren seit 2010 verschiedene Aufrufe, vgl. <www.uokg.de> (7. 2. 2010); ein aktueller Aufruf findet sich unter <www.initiative-mahnmal.de> (7. 2. 2016). Dort kann auch eine Broschüre heruntergeladen werden: Christian Sachse, Melanie Dore: Erinnern, Gedenken und Mahnen. Zur Diskussion über ein zentrales Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft in Deutschland, 2. akt. Aufl., Berlin 2014.

[29] Vgl. Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Campus für Demokratie, Berlin 2014, zu finden unter <www.bstu.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/jahn_campus.html>; (7. 2. 2016).

[30] Sachse/Dore: Erinnern, Gedenken und Mahnen (wie Anm. 28), S. 27.

[31] BStU, »Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand«. Eine Debatte über die Zukunft der ehemaligen Stasi-Zentrale [Bericht über eine Diskussionsveranstaltung am 27. 10. 2014], <www.bstu.bund.de/DE/InDerRegion/Berlin/Notizen/20141027_diktatur-statt-demokratie_bericht.html>; (7. 2. 2016).

[32] Vgl. z.B. das Zitat der Geschäftsführerin Silvia Wähling in: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Pressemitteilung Nr. 24/2015: Menschenrechtzentrum Cottbus erhält rund 312 000 Euro, 3. 8. 2015, <www.mwfk.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.412524.de>; (7. 2. 2016).

[33] Vgl. <www.menschenrechtszentrum-cottbus.de/bildung/angebote/e-sonderangebote.html>; (7. 2. 2016). Hier findet sich auch eine Kurzdarstellung des pädagogischen Angebots »›Ich mach’ mal rüber‹ – Klettern und Abenteuerspiel zur Flucht aus der DDR«.

[34] Capito – Agentur für Bildungskommunikation, Probe den Aufstand. Opposition und Widerstand in der DDR am Beispiel des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953, Planspiel und Unterrichtsmaterial für die Klassen 3 bis 6, Berlin o.J. Das Planspiel kann unter <www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/uploads/2013-pdf/capito_17juni_planspiel.pdf>; (7. 2. 2016) heruntergeladen werden.

[35] Ulrich Bongertmann, DDR: Mythos und Wirklichkeit. Wie die SED-Diktatur den Alltag der DDR-Bürger bestimmte. Didaktische Begleitung zur gleichnamigen Ausstellung, 3. überarb. Aufl., St. Augustin/Berlin 2014. Die Handreichung kann unter <www.kas.de/wf/de/71.10091>; (7. 2. 2016) heruntergeladen werden. Hier finden sich auch weitere Informationen zur gleichnamigen Wanderausstellung.

[36] Ein Flyer findet sich unter <www.stiftung-hsh.de/downloads/CAT_212/2015_03_03_LEX_Flyer_web.pdf>; (7. 2. 2016). Ausführliche Informationen bietet die bei der Gedenkstätte erhältliche Begleitbroschüre von Karsten Dustin Hoffmann, Alles Geschichte? Linksextremismus in Deutschland heute, Berlin 2013.

[37] Alexandra Leistner u.a., Gesamtbericht der wissenschaftlichen Begleitung des Bundesprogramms »Initiative Demokratie stärken«, Berichtszeitraum 1. 1. 2011 – 31. 12. 2014, DJI, München/Halle 2014, S. 98–103, 116–119.

[38] Das neue Projekt läuft unter der Überschrift »Linke Militanz in Geschichte und Gegenwart. Aufklärung gefährdeter Jugendlicher über Linksextremismus und Gewalt«, vgl. <www.demokratie-leben.de/programmpartner/modellprojekte/modellprojekte-zur-radikalisierungspraevention.html>; (7. 2. 2016).

[39] Zu diesen drei Paradigmen vgl. Susanne Ulrich, Mission impossible? Demokratielernen in NS-Gedenkstätten, in: Barbara Thimm u.a. (Hg.), Verunsichernde Orte (wie Anm. 7), S. 53–58, hier S. 54.