Einleitung
In einer Zeit, da die letzten Zeug:innen des Holocaust sterben, findet ein tiefgreifender Wandel bei der Verantwortung für die Bewahrung der Erinnerung daran statt. Angesichts des enormen Erbes der Gewalt, die in die Landschaften Europas und darüber hinaus eingeschrieben ist, und der Tatsache, dass die Shoah an vielen Orten stattfand, ist ein koordinierter und zukunftsorientierter Ansatz dringend erforderlich.
Ziel der neuen Initiative der Europäischen Kommission ESHEM: European Sites of Holocaust Memory1 (Europäische Stätten des Gedenkens an den Holocaust) ist es, eine der möglichen Antworten auf diese Herausforderung anzubieten: eine, die die Macht der Stätten des Holocaust mobilisiert, um Zeugnis abzulegen und gleichzeitig deren Potenzial erschließt, Kenntnisse der Geschichte zu verbessern, gesellschaftliche Verantwortung zu fördern und sinnvolles Gedenken aufrechtzuerhalten.
ESHEM ist Teil der EU-Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und Förderung jüdischen Lebens (2021–2030) und trägt dazu bei, der Leugnung, Verzerrung und Umkehrung des Holocaust entgegenzuwirken, indem es die Resilienz von Personen und Organisationen stärkt, die historische Stätten des Holocaust pflegen und deren Rolle als materielle Zeugnisse herausstellen.
Hintergrund
ESHEM gründet auf der Erkenntnis, dass es sich beim Holocaust sowohl um eine menschliche als auch um eine räumliche Geschichte handelt: ein Ereignis, das sich über den gesamten Kontinent erstreckte und darüber hinaus und das Europa in verheerender Art und Weise umgestaltete. Er löschte ganze Gemeinschaften aus, vertrieb Millionen aus ihrer Heimat und schuf neue Landschaften des Leids. Geschehnisse an einem Ort waren mit Geschehnissen anderswo eng verknüpft: Deportationen, die in Westeuropa organisiert wurden, endeten in Todeslagern in Ostmitteleuropa, und Ghettos, Sammellager für Deportationen, Transitlager, Zwangsarbeiter:innenlager und Konzentrations- und Todeslager waren in ein System der Kontrolle und Zerstörung eingebunden, das den gesamten Kontinent umfasste. Tötungsstätten waren über die Wälder und Felder Europas verstreut. Obwohl diese Stätten in Form und Funktion unterschiedlich waren, waren sie Teile eines Netzwerks, das die Maschinerie des Holocaust bildete.
Stätten des Holocaust können als materielle Zeug:innen aufgefasst werden: sie sind nicht nur ein physisches Erbe der Gewalt in der Vergangenheit, sondern dokumentieren auch Spuren der Art und Weise, wie die Verbrechen begangen wurden. Das macht ihre Macht als materielle Zeugnisse aus. Ein Zugang zur Geschichte aus einer ortsspezifischen Perspektive ermöglicht es uns, die geschichteten Bedeutungen, die am Ort eingebettet sind, zu erkennen: wie Landschaften, Gebäude und Ruinen sowohl die unmittelbaren Auswirkungen von Gräueltaten als auch die langfristigen Prozesse von Erinnerung, Vernachlässigung oder Gedenken bewahren.
Dieser geerdete Ansatz verbindet historische Ereignisse mit ihren konkreten Settings und macht dabei die abstrakte Realität der massenhaften Gewalt stärker greifbar und nachvollziehbar. Er unterstreicht zudem die Bedeutung der spezifischen Gegebenheiten vor Ort: jede Stätte ist ein Ort einzigartiger Zeugnisse, die unser Verständnis des Holocaust erweitern und dabei offizielle Dokumente oder Berichte von Überlebenden ergänzen. Indem wir uns direkt mit den Stätten auseinandersetzen, erhalten wir Einblicke in das Ausmaß, die Mechanismen und die menschlichen Dimensionen der Verbrechen, während wir uns gleichzeitig den Herausforderungen des Bewahrens, des Interpretierens und des ethischen Gedenkens in der Gegenwart stellen.
Das ESHEM-Netzwerk
Als Netzwerk hat ESHEM zum Ziel, Menschen und Organisationen, die historische Stätten des Holocaust in ganz Europa bewahren, in ihren Funktionen in der Forschung, der Bildung und dem Gedenken zu unterstützen. Organisationen können bei regelmäßigen offenen Ausschreibungen dem Netzwerk beitreten.
Die erste Ausschreibung wurde im Februar 2026 offiziell bekannt gemacht und im April 2026 geschlossen. Im Sommer 2026 wurden die für die Mitgliedschaft ausgewählten Stätten kontaktiert und eingeladen, an der ersten ESHEM-Zeremonie und -Konferenz teilzunehmen. Sie soll im November 2026 in Brüssel stattfinden.
Die erste offene Ausschreibung für ESHEM traf auf großes Interesse bei Institutionen in ganz Europa, mit mehr als 40 Bewerbungen aus 20 Ländern. Die überwiegende Mehrheit der Bewerbungen erfüllte die Teilnahmekriterien, was sowohl die Relevanz der Initiative als auch ihr Potenzial, ein tatsächlich europaweites Netzwerk von Stätten des Holocaust zu etablieren, deutlich machte. Die Bewerbungen kamen aus allen großen Regionen Europas – u. a. Mittel-, Ost-, West-, Nord- und Südeuropa – sowie eine von außerhalb Europas, was das breitere internationale Interesse an der Initiative widerspiegelte. Zwar kamen die meisten Bewerbungen aus Mittel- und Osteuropa, was der geografischen Verteilung vieler Stätten des Holocaust entspricht, aber etablierte Institutionen aus Westeuropa und weniger bekannte Stätten mit bedeutendem historischem Wert bewarben sich ebenfalls. Die Bewerbungen deckten ein breites Spektrum an Stätten des Holocaust ab, was die Vielfalt der Orte und Erfahrungen, die das
ESHEM-Netzwerk verknüpfen möchte, verdeutlicht.
Die mit mehr als 20 Bewerbungen größte Gruppe bestand aus Orten der Verfolgung, u. a. ehemalige Lager, Ghettos und Tötungsstätten. Hinzu kamen Stätten des Widerstands, der Rettung und des Überlebens, etwa Verstecke, Fluchtrouten und Rettungsnetzwerke, sowie Massengräber und jüdische Friedhöfe, von denen viele trotz ihrer historischen Bedeutung nach wie vor weniger sichtbar sind. Es gab auch Bewerbungen von Stätten des Erbes, die vom Holocaust betroffen waren, was die Ambition des Netzwerks unterstreicht, das gesamte Spektrum an Orten zu umfassen, an denen die Geschichte und die Erinnerung an den Holocaust bewahrt, interpretiert und kommuniziert werden.
Wenn die erste Kohorte der Mitglieder im Herbst 2026 dem Netzwerk beitritt, wird ESHEM mit einem Programm beginnen, das die Verbindungen zwischen Stätten stärken, den Wissensaustausch unterstützen und die gute fachliche Praxis im Gedenken an den Holocaust fördern soll, und zwar durch Konferenzen, Workshops zum Kapazitätsaufbau und andere Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.
Die zweite Ausschreibung ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant. Für alle potenziellen Bewerber:innen, die Zweifel klären, Fragen stellen oder Rat suchen, werden spezielle Frage-Antwort-Runden stattfinden. Das Netzwerk möchte 2026 und 2027 mindestens 50 Stätten als Mitglieder gewinnen.
Alle, die sich für die Arbeit von ESHEM interessieren, sind eingeladen, den Newsletter »Imprints« zu abonnieren, der – neben der offiziellen Website – weiterhin der primäre Kommunikationskanal mit relevanten Akteur:innen und der breiteren Öffentlichkeit sein wird.
Institutioneller Kontext
Zwar gibt es zahlreiche Initiativen und Institutionen, die in diesem Bereich bereits tätig sind, aber ESHEM sieht seine Rolle in der Ergänzung bestehender Aktivitäten. Sein Fokus liegt auf den Betreuer:innen dieser Stätten, unabhängig von ihrem Hintergrund oder dem Grad ihrer Institutionalisierung. ESHEM möchte ein Forum anbieten, wo sie sich direkt austauschen und zusammenarbeiten können, und gleichzeitig eine Schnittstelle zwischen ihnen und der Europäischen Kommission bereitstellen. Angesichts der zunehmenden sozialen Polarisierung und geopolitischen Instabilität scheint ein solcher Ort für Praktiker:innen besonders notwendig zu sein. Ungeachtet ihrer Größe und ihrer finanziellen oder organisatorischen Kapazitäten sind diese Akteur:innen weiterhin durch ähnliche Herausforderungen gefährdet (etwa Hetze, psychologische Belastungen und physische Schäden an den Stätten durch Vandalismus), die die Stätten selbst und das Wohlergehen der dort tätigen Personen betreffen.
Da ESHEM zu einer bereits vielfältigen Landschaft anerkannter und respektierter Institutionen und Initiativen in diesem Bereich hinzugekommen ist, hat es Partnerschaften und Zusammenarbeit mit Organisationen wie der Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken (IHRA), der European Holocaust Research Infrastructure (EHRI) und der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) etabliert.
Mitgliedschaft
Im Rahmen von ESHEM ist eine Stätte des Holocaust definiert als geografisch erkennbarer Ort oder als Gruppe miteinander verbundener Orte mit direkter Bedeutung hinsichtlich der Geschichte, der Kultur oder des Gedenkens im Zusammenhang mit der Verfolgung, der Deportation und dem Genozid an den Jüd:innen während der Shoah. Es handelt sich um Stätten, wo Jüd:innen von Nazis, ihren Kollaborateur:innen und Mittäter:innen verfolgt oder getötet wurden und die häufig auch von dem Genozid an den Rom:nja und Sinti:zze und von Verbrechen an anderen Opfergruppen gekennzeichnet sind. Dazu gehören u. a. Ghettos, Konzentrationslager, Tötungsanstalten und andere Tötungsorte, Transitorte und Orte des Widerstands, des Versteckens und der Rettung – gleichgültig, ob dort Gedenken stattfindet oder nicht.
Die Definition schließt heutige Institutionen und Initiativen (etwa Museen und Gedenkstätten) ein, die sich an diesen Stätten befinden oder die sie betreuen, jedoch keine Gedenkstätten, Gedenktafeln und andere Merkzeichen, die die Opfer des Holocaust ehren, aber an Orten angebracht sind, die keinen direkten historischen und geografischen Bezug zu den Ereignissen selbst haben.
ESHEM konzentriert sich auf Stätten der Verfolgung, Deportation und Genozid an Jüd:innen während der Shoah, aber es sollte bedacht werden, dass viele dieser Stätten auch Stätten von Verbrechen an anderen Opfergruppen waren, u. a. der Rom:nja und Sinti:zze. Aus diesem Grund kann das Netzwerk außerdem Stätten als Mitglieder aufnehmen, die ausschließlich der Verfolgung und des Genozids an den Rom:nja und Sinti:zze gedenken.
Die – nicht unveränderliche – Liste der Arten von Stätten enthält Stätten der Verfolgung, der Aussonderung, der Haft und des Massenmords; Stätten des Widerstands, des Entkommens, der Rettung und des Überlebens; Grab- und Ruhestätten von Opfern des Holocaust; und Stätten von Leben und Verlust, die vom Holocaust betroffen waren. Diese Kategorien, die in Unterkategorien weiter unterteilt sind, sollen die Vielfalt an Erfahrungen und Dynamiken der Ereignisse widerspiegeln, die während des Holocaust stattfanden.
Jede Stätte erhält eine spezifische Tafel als Symbol der Teilnahme am Netzwerk. Die Tafel wurde von einem anerkannten Team aus Architekt:innen und Fachleuten für das Erbe gestaltet, die täglich zum Thema Gedenken von Orten und Ereignissen des Holocaust arbeiten. Auf der von der Europäischen Kommission finanzierten Tafel werden der Name der Stätte und wesentliche Informationen darüber sowohl in der Landessprache als auch auf Englisch zu lesen sein. So soll historische Genauigkeit und Konsistenz gewährleistet werden. Zudem ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Tafel selbst – abgesehen davon, dass sie ein physisches Zeichen der Mitgliedschaft einer Stätte im ESHEM-Netzwerk ist – kein Qualitätsnachweis über die Politiken oder Aktivitäten der Betreuer:innen ist. Vielmehr erkennt sie den historischen Wert der Stätte für Holocaustgedenken und -bildung an.
Im Laufe des Jahres werden Mitglieder die Möglichkeit haben, an speziellen Webinars sowie Veranstaltungen an den Stätten selbst teilzunehmen.
Langfristige Vision
Ziel ist es, dass die Mitglieder des Netzwerks die geografische, historische und typologische Vielfalt von Stätten des Holocaust widerspiegeln, sowie die vielfältige Landschaft der Menschen und Organisationen, die sie täglich betreuen (Institutionen, NGOs, Basisinitiativen und Freiwillige).
In den kommenden Jahren wird das Netzwerk weiter wachsen und neue Mitglieder durch offene Ausschreibungen aufnehmen. Obwohl – angesichts der Spezifität und des Ausmaßes des Holocaust in ganz Europa – es niemals möglich sein wird, ein vollständiges Spektrum an Stätten zu vertreten, hat das Netzwerk zum Ziel, zumindest einen Bruchteil dieser Vielfalt und Komplexität in der Vergangenheit und Gegenwart darzustellen.
ESHEM möchte eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und Wissen unter Praktiker:innen werden – seien sie Menschen, die in Gedenkstätten oder anderen Institutionen, NGOs, Vereinen vor Ort oder ehrenamtlichen Organisationen arbeiten. Ungeachtet des Niveaus der Professionalisierung kommt es am stärksten auf die langfristige Verpflichtung auf die Erhaltung historischer Stätten des Holocaust und das Erzählen der Geschichten dieser Orte, ihrer Opfer und ihrer Überlebenden an. Ebenso wichtig ist die nichthierarchische Struktur des Netzwerks; jedes Mitglied wird gleichermaßen geschätzt und kann die eigene Expertise, einzigartige Erfahrungen und Perspektiven in das Netzwerk einbringen. ESHEM möchte ein Forum für den Austausch anbieten und darüber hinaus Kooperation fördern, den Austausch guter fachlicher Praxis und Projekte anregen und sowohl die Stätten selbst als auch die Menschen, die sie heute betreuen, stärken.
Ziel des Netzwerks ist, einen ortsspezifischen Ansatz zur Erforschung aller Aspekte der Holocaustbildung und des -gedenkens zu fördern. Um wirksame Kommunikation und Koordination zwischen den Stätten zu gewährleisten, soll eine dezentralisierte Struktur im wachsenden Netzwerk geschaffen werden, um effektiveren Austausch zwischen den Mitgliedern des Netzwerks Raum zu geben, mit dem Potenzial, thematische Cluster für Stätten mit ähnlichen Profilen und Interessen sowie regionale Stellen zur Unterstützung des Engagements und der Zusammenarbeit vor Ort zu schaffen.
Fachwissen und Forschung auf professionellem Niveau sind die unabdingbare Basis, um Stätten des Holocaust zu verstehen und zu bewahren. Diese Expertise kann sinnvoll ergänzt werden, indem man den Praktiker:innen zuhört; sie verfügen über wertvolle Erkenntnisse aus der gelebten Erfahrung und der alltäglichen Beschäftigung mit den Stätten. Wenn wir diese Perspektiven mit der wissenschaftlichen Forschung in Dialog bringen, hilft das, die historische Interpretation zu bereichern und sicherzustellen, dass die Aktivitäten zu Erhalt und Bewahrung weiterhin sowohl exakt als auch lokal geerdet sind.
Vorteile für die Organisationen, die sich dem Netzwerk anschließen
2025 recherchierte das ESHEM-Team mit dem Ziel, die Landschaft von Stätten des Holocaust in ganz Europa zu erfassen. Es unternahm eine Kartierung, eine Online-Befragung und Interviews mit Stakeholder:innen, um die alltägliche Realität, Bedürfnisse und Arbeitsbedingungen derjenigen besser zu verstehen, die Stätten des Holocaust betreuen und Projekte im Zusammenhang mit dem Holocaust in ganz Europa durchführen. Es ging darum, nicht nur Informationen über ihre Ziele, Herausforderungen und Erfolge zu sammeln, sondern auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihnen ausfindig zu machen, sodass ESHEM sich besser darauf vorbereiten kann, sie als verknüpftes und gemeinsam arbeitendes Netzwerk zu unterstützen.
Die Recherche zeigte eine dynamische und gleichzeitig herausfordernde Landschaft für Holocaustgedenken, -bildung und -forschung im Jahr 2025 auf. Zusammengenommen zeichnen diese Erkenntnisse ein nuanciertes Bild eines Bereichs, das zwar reich an Engagement, Innovation und moralischer Zielsetzung, aber auch durch strukturelle Gefährdungen eingeschränkt ist. Sie unterstreichen die Bedeutung nachhaltiger Investitionen, Zusammenarbeit und Bildungsstrategien, um zu gewährleisten, dass Holocaustgedenken angesichts sich verändernder gesellschaftlicher und geopolitischer Realitäten relevant, wirkungsvoll und resilient bleibt.
Diese Erkenntnisse dienten als Bezugspunkt bei der Gestaltung der Vision für das ESHEM-Netzwerk. Die wichtigsten Vorteile einer Mitgliedschaft im ESHEM-Netzwerk liegen in der Anerkennung, der Unterstützung und der Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Indem es Stätten in einen breiteren europäischen Rahmen integriert, wird das Netzwerk ihre Sichtbarkeit und historische Bedeutung stärken, besonders im Fall der weniger bekannten oder isolierten Stätten. Diese Anerkennung wird helfen, das Bewusstsein unter Forscher:innen, Lehrer:innen, politischen Entscheidungsträger:innen und der breiteren Öffentlichkeit zu wecken.
Die Mitgliedschaft im Netzwerk wird zudem Zugang zu einer Reihe Möglichkeiten zum Kapazitätsaufbau eröffnen, u. a. den Austausch guter fachlicher Praxis, Initiativen zur Erstellung thematischer Karten, methodische Ressourcen und Training, das das Wissen und die Fähigkeiten von Praktiker:innen fördern soll. Indem das Netzwerk dem Teilen von Expertise und Erfahrung Raum gibt, wird es Betreuer:innen von Stätten dabei unterstützen, gemeinsame Herausforderungen zu adressieren und nachhaltige Ansätze für das Management, die Interpretation und den Schutz von Stätten des Holocaust zu entwickeln.
Ein weiterer Vorteil des Netzwerks wird die Schaffung von Möglichkeiten für die gegenseitige Befruchtung und die Zusammenarbeit der Mitglieder sein. ESHEM wird Austauschmöglichkeiten zwischen Stätten mit ähnlichen thematischen Profilen sowie zwischen bekannteren und weniger anerkannten Institutionen fördern und sie dabei zu gegenseitigem Lernen und gegenseitiger Unterstützung ermutigen. Das Netzwerk wird durch Online- und Präsenzaktivitäten – u. a. Konferenzen, Workshops und thematisch orientierten Meetings – den Austausch erfolgreicher Praktiken moderieren, gemeinsame Initiativen fördern und die Entwicklung gemeinsamer Projekte und Partnerschaften unterstützen, die die kollektiven Auswirkungen des Gedenkens an den Holocaust in ganz Europa steigern.
Ein praxisorientierter Ansatz wird zum Vorteil jedes Mitglieds und des Netzwerks insgesamt kontinuierlich weiterentwickelt. In den kommenden Jahren wird ESHEM als Ansprechpartner zwischen Stätten und der Europäischen Kommission sowie zwischen den Mitgliedern selbst fungieren. Obwohl gegenwärtig keine Finanzierungsmechanismen, die ausschließlich für die Mitglieder des Netzwerks ausgestaltet sind, zur Verfügung stehen, dürfte die Mitgliedschaft im Netzwerk die Sichtbarkeit und Kapazitäten einer Stätte erhöhen und gleichzeitig helfen, Zugang zu externen Finanzierungsmöglichkeiten und Informationen über neue Unterstützungsmöglichkeiten zu erlangen.
ESHEM-Sekretariat
In der ersten Phase (2026–2027) wird ESHEM mittels eines speziellen Sekretariats umgesetzt. Es wird gebildet aus einem internationalen Konsortium unter Leitung von GOPA PACE in Partnerschaft mit der Zapomniane Foundation, der FestivALT Association, der Urban Memory Foundation und GOPA Com. Diese ersten Aktivitäten des Sekretariats schaffen die Grundlage für die langfristige Entwicklung des Netzwerks, indem sie wichtige Herausforderungen ausfindig machen, die Bedürfnisse der Mitglieder ausarbeiten und dauerhafte Kanäle für die Zusammenarbeit initiieren. Indem es frühzeitig Verbindungen und gemeinsame Rahmen aufbaut, möchte das Sekretariat sicherstellen, dass das ESHEM-Netzwerk gut aufgestellt ist, um zu expandieren, sich weiterzuentwickeln und neue Stätten, Mitglieder und Initiativen in ganz Europa in den kommenden Jahren zu unterstützen.
Dr. Aleksandra Janus ist Anthropologin, Forscherin, Aktivistin und Kulturkuratorin. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung »Zapomniane« und des neu gegründeten Netzwerks »European Sites of Holocaust Memory« (ESHEM).
Dr. Aleksandra Kumala ist unabhängige Kulturwissenschaftlerin, Forschungsleiterin beim Verein FestivALT sowie Forschungs- und Dokumentationsbeauftragte beim neu gegründeten Netzwerk »European Sites of Holocaust Memory« (ESHEM).