GedenkstättenRundbrief Nr. 2

09/1983Gedenkstättenrundbrief 2, S. 1-3
Thomas Vogel

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Freunde!

Trotz des Sommerlochs und der noch größeren Hitze ist doch eine ganze Menge geschehen, was diesen Rundbrief füllen wird.

Der Berliner Senat hat zur Gestaltung des Geländes, auf dem 'das Prinz-Albrecht-Palais stand, einen Wettbewerb mit dem Titel ”Prinz-Albrecht-Garten” ausgeschrieben. Wie der Titel schon sagt, ist an eine Grünanlage gedacht mit einem künstlerischen Monument, bei dem dann ab und zu feierliche Gedenkstunden stattfinden sollen.
Gegen diese Pläne hat sich der Verein ”Aktives Museum” gegründet, der sich stattdessen für eine Gedenkstätte mit Ausstellung, Archiv und einem Kommunikationsraum einsetzt.
Für diese Gedenkstätte sollen die ehemaligen Gestapokeller wieder ausgegraben und darauf ein Gebäude gebaut werden, in dem eine aktive Auseinandersetzung mit dem Faschismus möglich ist. (vgl. Anlage)
Zu diesen Plänen paßt eigentlich recht gut der Antrag der SPD-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses, daß die Polizeibeamten im Rahmen ihrer Ausbildung eine Gedenkstätte besuchen sollen, um daraus die entsprechenden Lehren für ihre spätere polizeiliche Arbeit zu ziehen.
Es wäre gut, wenn Sie aufgrund ihrer Erfahrungen an den Senator für kulturelle Angelegenheiten schreiben könnten, daß sich in einer Grünanlage bei einem Gedenkstein kaum etwas, wenn überhaupt, aus der Geschichte lernen läßt. Wichtig ist natürlich, daß das "Aktive Museum” keine Konkurrenzeinrichtung zu den bereits bestehenden Gedenkstätten in Berlin sein soll.

Das Aktionskomitee für ein Dokumentations- und Informationszentrum hat eine Unterschriftenaktion gestartet zur Erhaltung der wenigen noch bestehenden Baracken der Emslandlager.
Vielleicht ist es Ihnen möglich, die Unterschriftenliste (vgl. Anlage) in Ihrer Gedenkstätte oder wo immer auszulegen. Bas Aktionskomitee wird bis zum Gedenkstättenseminar einen neuen Text verfassen, den Sie nicht nur als Privatperson, sondern als Organisation unterschreiben können.

Im Rahmen seiner Arbeit stellt das Aktionskomitee Teile der Wanderausstellung., "... aber von Dir wird gesprochen", über Carl-von-Ossietzky aus. Die Ausstellung besteht aus 50 Tafeln, meist im Format 70 x 120. Die Ausstellung ist ungegliedert, sodaß es gut möglich ist, nur Teile der Gesamtausstellung, z.B. bei Raummangel, aufzustellen.' Das folgende Zitat von Albert Einstein aus dem Jahr 1946 charakterisiert recht gut den Inhalt und das Ziel der Ausstellung: "Es ist ein immerwährendes Verdienst der Nobelstiftung, daß sie ihre hohe Ehrung diesem sachlichen Märtyrer zuteil werden ließ, und daß sie sich entschloß, daß Andenken an ihn und sein Werk am Leben zu erhalten. Sein Lebenswerk bleibt um so bedeutungsvoller, als die verderbliche Illusion, gegen die er gekämpft hat, durch den Ausgang des letzten Krieges nicht beseitigt worden ist. Die Anwendung von Gewalt zur Lösung menschheitlicher Probleme zu verwerfen, ist wie zu seiner Zeit uns auch heute aufgegeben." Weitere Informationen und die Ausstellung selbst ist über das "Bibliotheks- und Informationssystem der Carl- von-Ossietzky-Universität" in Oldenburg, Ammerländer Heerstraße 67-99 zu beziehen.

Mitgroßem Erfolg wurde im August in der Evangelischen Versöhnungskirche der Gedenkstätte Dachau die Wanderausstellung "Volk & Gesundheit, Heilen und Vernichten im Nationalsozialismus" gezeigt. Inhalt der Ausstellung ist zum einen das Euthanasieprogramm der Nazis, die pseudomedizinischen Versuche in den ehemaligen KZ, aber auch die Geisteshaltung die diese Verbrechen getragen hat. Die Ausstellung ist auszuleihen über Walter Wuttke, Syrlinstr. 19, 7900 Ulm (vgl. Anlage).

Noch eine Ausstellung; in den Räumen des Kreismuseums Wewelsburg ist der Holzschnittzyklus "Wewelsburg - ich kann dich nicht vergessen" ausgestellt. Beschreibung und sonstige Informationen entnehmen Sie bitte dem beigefügten Faltblatt.

In dem im letzten Rundbrief genannten Buch von Detlef Garbe, "Die vergessenen KZs?" ist auch die beigelegte Karte über NS-Terrorstätten beigelegt. Der Lamuv-Verlag plant, diese Karte verbessert, berichtigt und ergänzt im DIN A 2 Format herauszugeben. Wir möchten Sie bitten, wenn Sie Verbesserungs- und Ergänzungsvorschläge dazu haben, diese auf das Gedenkstättenseminar in Hannover mitzubringen oder an mich zu schreiben.

Hinweisen möchte, ich Sie auf die Geschichtstage der bundesdeutschen Geschichtswerkstätten, die Ende Mai bis Anfang Juni nächsten Jahres in Berlin stattfinden sollen. Leider habe ich noch keine näheren Informationen dazu. Ich hoffe, diese im nächsten Rundbrief nachliefern zu können. Als Beispiel der Arbeit der Geschichtswerkstätten habe ich ein Faltblatt der Berliner Geschichtswerkstatt beigelegt.

Ich habe einen kleinen Pressespiegel zu Aktivitäten, die in Zusammenhang mit diesem Gedenkjahr '83 stehen, zusammengestellt.
Beschämend, vielleicht auch typisch finde ich den Wirbel um die Chronik der Stadt Moringen. Denn die Arbeit der evangelischen Kirchengemeinde geht darin praktisch unter. So sehr die öffentliche Entschuldigung von Ministerpräsident Albrecht ist, so bleibt doch zu fragen, warum er nichts für eine Errichtung eines Dokumentationszentrums in Esterwegen unternimmt.

Für das Gedenkstättenseminar in Hannover möchte ich Sie noch bitten, einige Materialien aus ihrer Arbeit mitzubringen, damit wir sie dort auslegen können.

 

Ich wünsche ihnen einen guten Urlaub, wenn Sie ihn noch nicht hinter sich haben.

Mit freundlichen Grüßen

 

Thomas Vogel

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