Hier kommt die Maus! Erfahrungen mit dem Aktionstag »Türen auf mit der Maus« in den KZ- Gedenkstätten Osthofen und Neuengamme

06/2026Gedenkstättenrundbrief 222, S. 16-25
Swenja Granzow-Rauwald, Martina Ruppert-Kelly, Daniel Bog-Schütz

Die »Maus« in einer Gedenkstätte – (wie) geht das?

Gedenkstätten müssen stets austarieren, wie sie ihrem Bildungsauftrag und den Bedürfnissen der Besuchenden gerecht werden und den übri­gen Schwerpunkten ihrer Arbeit treu bleiben. Dazu gehört auch, neue Zielgruppen ernst zu nehmen und Angebote für sie zu entwickeln. Die Vermittlungsarbeit mit Lernenden unter zwölf Jahren erfordert die Bereitschaft, Neues aus­zuprobieren und andere davon zu überzeugen. 

 

Seit 15 Jahren heißt es am 3. Oktober »Türen auf mit der Maus. Dabei handelt sich um einen Aktionstag, an dem Einrichtungen, die Kinder gewöhnlich nicht zu ihrer Zielgruppe zählen, Aktivitäten für die jungen Fans der orangefarbenen Maus organisieren und damit Kindern Einblicke in ein breites Spektrum an Themenfeldern gewähren. Als die Leiterin der Gedenkstätte KZ Osthofen 2024 den Aufruf zu diesem Aktionstag hörte, war die Idee zu einem Pilotprojekt geboren. Bereits ein Jahr später folgte die KZ-Gedenkstätte Neuengamme diesem Beispiel. 

 

Die Gedenkstätte KZ Osthofen konnte schon auf sehr gute Erfahrungen in der Gedenkarbeit mit Kindern zurückblicken und sah dies als Chance, Berührungsängste abzubauen. Vor einigen Jahren hat sie gemeinsam mit den Kolleg*innen der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Gedenkstätte Hadamar und des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln diese Erfahrungen und Methoden veröffentlicht und damit Position in der Diskussion bezogen, ob es überhaupt Angebote in Gedenkstätten für diese Altersgruppe geben sollte. 

 

Auch das Motto des Türöffner-Tages 2024 »ZusammenTun: Ob zu zweit oder im großen Team – zusammen ist man stärker!« passte gut zur täglichen Arbeit mit den Kindern. Was kann man Besseres zusammentun, als mit- und füreinander zu lernen? 

 

Ein zentrales Anliegen war es, den jungen Besuchenden eine angenehme und einladende Atmosphäre zu bieten. Aber passen Luftballons in eine Gedenkstätte? Das Team war der Meinung »ja« und platzierte sie vor und auf dem Gelände. Dies ist am Ort eines ehemaligen frühen Konzentrationslagers, wo es keine Tötungen gegeben hat, einfacher als an Orten, an denen viele Menschen ihr Leben verloren haben. 

 

Entsprechend dem Motto »ZusammenTun« entwickelte das Team der Gedenkstätte für den Aktionstag ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm, das speziell auf junge Besucher*innen zugeschnitten war. Im Hauptgebäude wurden verschiedene interaktive Stationen eingerichtet, die unterschiedliche Aufgaben und Themenschwerpunkte boten. Alle Kolleg*innen waren mit Begeisterung dabei.

 

Als die Werbung für den Tag startete, war immer noch nicht sicher, ob das Angebot auf Zuspruch stoßen würde. Mut machte aber, dass viele Passant*innen vor dem »Maus-Fenster«, das an der Fensterfront der Gedenkstätte dekoriert war, stehen blieben und den QR-Code mit dem Programm scannten. Nachdem die »Tür« auf der Aktionsseite des WDR veröffentlicht war, war klar, dass Familien in die Gedenk­stätte kommen würden. Der Zuspruch war so groß, dass die Gedenkstätte KZ Osthofen mittler­weile schon über zwei Türöffner-Tage 2024 und 2025 berichten kann.

 

Mit der »Maus« aktiv, kreativ und lebensnah

Sowohl 2024 als auch 2025 wurden Stationen entworfen, die auf das jeweilige Motto abgestimmt waren, den Kindern und ihren Familien die Geschichte des Ortes näherbrachten und auch einen Lebensweltbezug über die Thematisierung der Menschen- und Kinderrechte herstellten. Im Foyer wurden die Familien herzlich in Empfang genommen und jedes Kind bekam eine Stempelkarte mit den einzelnen Mitmachstationen und Programmpunkten, die auch als Orientierungs- und Motivationshilfe diente. Wer eine bestimmte Anzahl an Stationen absolvierte, konnte sich am Ende einen Preis, ein kleines Give-away und eine Urkunde, abholen.

 

Für viele Familien waren die Biografie-­Kisten die erste Station. Sie enthalten einen Lebenslauf eines ehemaligen Häftlings in leichter Sprache, Bilder sowie Alltagsgegenstände, die im Leben des ehemaligen Häftlings eine wichtige Rolle gespielt haben. Mit Hilfe der Biografie-Kisten sollten die Teilnehmenden die Person kennenlernen und eine Kurzbiografie erarbeiten. Nicht nur die Kinder fanden diese Aufgabe spannend, auch viele Eltern vertieften sich in die einzelnen Biografien.

 

Für den Aktionstag 2024 hatte die Gedenkstätte die Wanderausstellung »Die Cellistin von Auschwitz – Die Geschichte von Anita Lasker-Wallfisch« vor Ort, die explizit für Acht- bis Zwölfjährige konzipiert ist. Nach einer kurzen Einführung konnten die Familien die Ausstellung frei erkunden. Da Anita Lasker-Wallfisch 2025 ihren 100. Geburtstag feierte, konnten die Teilnehmenden Geburtstagskarten für sie anfertigen. Diese über 100 Postkarten wurden dann an Anita Lasker-Wallfisch nach London geschickt.

 

Weitere Mitmach-Stationen waren zum Beispiel 2024 eine Malstation, bei der die Kinder auf Leinwänden festhalten konnten, was sie gerne »ZusammenTun«. Die Ergebnisse durften sie dann an einer großen Holzsäule im ­Foyer aufhängen, die sich schnell füllte und noch ­heute zu bewundern ist. 2025 konnten die Kinder mit einem eigens kreierten Kinderrechte-Jenga spielerisch ihre Rechte kennenlernen, an einer Abstimmung teilnehmen oder an einem ­Büchertisch in altersgerechter Literatur rund um die Themen Demokratie und NS-Zeit schmökern. Ein Programmpunkt, der sich ­explizit an die Eltern richtete, kam 2025 hinzu: Die Journalistin Sara Bildau las aus ihrem Buch »Mama, kommt der Krieg auch zu uns? Wie wir Kindern Nachrichten erklären, die wir oft selbst nicht begreifen«. Während der Lesung konnten sich die Kinder das Theaterstück ansehen.

 

Da die Gedenkstätte regulär über kein Café verfügt, wurde für den Maus-Tag eigens ein »Maus-Café« eingerichtet: Viele Besucher*innen – unabhängig vom Alter – besuchten die Gedenkstätte zum ersten Mal Das Café bot ­ihnen einen Rückzugsort, um die mit dem Besuch verbundenen Emotionen in ruhiger Umgebung zu verarbeiten, oder aber um mit anderen Familien Erfahrungen auszutauschen. Dort gab es auch eine Mal- und Bastelecke, die bewusst thematisch unabhängig von der NS-Geschichte gestaltet war. Höhepunkte der Aktionstage waren die Theaterstücke: 2024 »Der überaus starke ­Willibald« und 2025 »Ich will das, was du nicht willst«, sowie die altersgerechten Kurzführungen zur Geschichte des KZ Osthofen.

 

»Wo sind denn hier die Gaskammern?« – Rundgänge bei den Aktionstagen

Obwohl sich die Führungen primär an die jungen Besucher*innen richteten, hatte sich das Team der Gedenkstätte gegen eine Trennung von Eltern und Kindern entschieden. Die Guides sprachen jedoch fast ausschließlich die jungen Teilnehmer*innen an. Die Führungen starteten mit einem assoziativen Einstieg. Dabei wurden Gegenstände, die für die Geschichte des Ortes eine wichtige Rolle spielen, im Raum verteilt. Die Teilnehmenden durften sich einen Gegenstand auswählen. Anschließend sollten sie ihren Gegenstand kurz beschreiben und eine Vermutung äußern, warum der Gegenstand für den Ort wichtig sein könnte. Die Gegen­stände durften mit auf den Außenrundgang genommen werden, wodurch jede*r gespannt war, wann ihr*sein Gegenstand in den Mittelpunkt der Erzählung rücken würde.

 

Für die Aktionstage wurde der Außenrundgang didaktisch reduziert. Als erste Station wurde vor dem heutigen Eingangstor der Gedenk­stätte die Gebäudegeschichte, die Entstehung des Konzentrationslagers, seine Außenwirkung und die Ankunft der ersten Häftlinge besprochen. Danach ging es in die ehemalige Häftlingshalle. Dort wurde den Teilnehmenden deutlich, wie menschenunwürdig die Häft­linge im KZ untergebracht waren. ­Viele Kinder, die zuvor die Station mit den Biografie-Kisten besucht hatten, fragten, ob der Häftling, den sie kennengerlern hatten, auch in dieser ­Halle schlafen und leben musste – so wurden die Stationen miteinander verbunden und die Geschichte des Ortes wurde anschaulich. Zum Abschluss des Rundganges wurde auf dem ­Appellplatz über den Lageralltag und die Fluchtgeschichten aus dem Lager gesprochen. Dem pädagogischen Team der Gedenkstätte KZ Osthofen ist es wichtig, vor allem junge Besucher*innen mit einem positiven, hoffnungs­vollen Gefühl aus dem Rundgang zu entlassen. An diesen Tagen war es die Geschichte von einer erfolgreichen Flucht des ehemaligen Häftlings Wilhelm Vogel, der später zusammen mit anderen ehemaligen Häftlingen maßgeblich zur Entstehung der Gedenkstätte beigetragen hat.

 

Während der Rundgänge kam verschiedentlich die Frage auf, wo denn hier die Gaskammern gewesen seien. Behutsam und in einfachen Worten konnten die Guides dann erklären, dass in Osthofen als frühem Konzentrationslager kein Häftling gestorben ist, dass diese Form der Haft und Ausgrenzung aber der Anfang einer Entwicklung war, die in Vernichtungslagern endete. Dies zeigt sehr deutlich, dass auch schon bei Kindern im Alter ab acht Jahren spezielle Bilder und Stereotype von Konzentrationslagern vorhanden sind, die sie bereits aus TV-Dokumentationen, den sozialen Medien oder Erzählungen von Älteren kennen.

Die Resonanz auf beide Aktionstage war enorm: 2024 konnte die Gedenkstätte KZ Osthofen über 500 Besuchende am 3. Oktober begrüßen, 2025 ca. 250. Viele der Besucher*innen kamen aus der Region, es gab aber auch etliche Familien, die bis zu 200 Kilometer Anfahrtsweg auf sich genommen hatten.

 

Kommt die »Maus« auch an die Elbe?

Die Erfahrungen mit dem Aktionstag »Türen auf mit der Maus« der Kolleg*innen aus der Gedenkstätte KZ-Osthofen weckten in der Abteilung »Bildung und Studienzentrum« der KZ-Gedenkstätte Neuengamme sofort Interesse. Seit der Covid-19-Pandemie ist die Zahl der Gäste, die mit Kindern unter 12 Jahren die Gedenkstätte besuchen, stark gestiegen, ­obwohl auf der Website ein Besuch erst ab zwölf Jahren empfohlen wird. Einige Texte, Bilder und Videos in den Ausstellungen und auf dem Gelände ­beschreiben oder zeigen Demütigung, Gewalt und Tod in einer Form, die nicht für jüngere Kinder geeignet ist. 2022 wurde das Konzept der Familienführung erprobt, die einen kindgerechten Einstieg in das Thema System der Konzentrationslager, die verschiedenen Verfolgungsgründe der Häftlinge des KZ Neuengamme und ihre Situation im Lager bietet. Den Familien gefiel das Konzept zwar, aber es kamen an den Terminen meist nicht genug Besucher*innen mit jüngeren Kindern in die Gedenkstätte. Die Möglichkeit ein ganztägiges Programm zu organisieren, wurde daher sofort als Chance verstanden, die Zielgruppe besser zu erreichen. 

 

In einem ersten Schritt galt es aber das ­übrige Kollegium zu überzeugen. Das Thema »SpielZeit« des »Türöffner«-Tags 2025 warf berechtigte Fragen darüber auf, wie sich Besucher*innen in einer KZ-Gedenkstätte verhalten sollen oder auch wollen. Die Erfahrungen aus der Gedenkstätte KZ Osthofen halfen, Zweifel zu zerstreuen. Und immer wieder wurde die Frage gestellt: »Kommt denn auch die ›Maus‹?« Leider gab es schnell die Information, dass sie es nur zu wenigen Orten schaffen würde. Die Kinder vermissten die »Maus« dann gar nicht. Es gab auch so genug zu entdecken.

 

Ein Tag für die ganze Familie – 
Das Programm der KZ-Gedenkstätte Neuengamme am »Türöffner«-Tag 2025

Das »Maus«-Team der KZ-Gedenkstätte Neuengamme war sich zunächst nicht sicher, ob sich bei dem großen Angebot an offenen »Türen« im Stadtzentrum überhaupt Familien auf den weiten Weg in den Südosten der Stadt machen würden. Die Anmeldezahlen stiegen dann aber doch schnell. Um sicherzustellen, dass stets ein individueller Austausch mit den Gästen möglich sein würde, wurden auch Kolleg*innen aus dem Besucherservice, die in den Ausstellungen als erste Ansprechpersonen tätig sind, eingebunden. Von ihnen erhielten die Familien z. B. Rallye-Bögen für das eigenständige Erkunden des Geländes und einiger Ausstellungsteile.

 

Drei unterschiedlich lange Rallye-Routen standen zur Auswahl. Die kurze Route thematisierte den Alltag im Lager. Die mittlere regte am »Ort der Verbundenheit« zur Beschäftigung mit dem Gedenken an die ehemaligen Häftlinge durch Nachkomm*innen an. Die lange Route erforderte eine explizite Auseinandersetzung mit dem Tod vieler Häftlinge. Die erwachsenen Begleitpersonen erhielten Tipps zum Umgang mit den einzelnen Stationen. 

 

Fast alle der über 50 Besucher*innen an diesem Tag nahmen an der Familienführung teil, bei der Erwachsene und Kinder aufgeteilt werden. Die Erwachsenengruppe bleibt in Sichtweite der jungen Besucher*innen und erfährt nicht nur, was mit den Kindern besprochen wird, sondern auch, wie der Besuch gemeinsam nachbereitet werden kann. Die räumliche Nähe garantiert, dass Eltern sofort reagieren können, wenn ihr Kind die Gruppe verlassen möchte. Aufgrund der großen Nachfrage wurden beim »Maus«-Tag vier Gruppen eingeteilt, zwei für die Erwachsenen und zwei für die Kinder. 

 

So blieb genug Raum für Fragen und Gedanken. Die Kinder waren sehr interessiert an den Lebens­bedingungen der Häftlinge. Das Replikat einer Häftlingsjacke, das sie mit speziellen Handschuhen berühren durften, betrachteten sie genau. Sie diskutierten untereinander über Fluchtmöglichkeiten und fragten auch nach den Wachleuten sowie der Haltung der Menschen aus den umliegenden Dörfern. 

 

Am Nachmittag stand der literarische ­Zugang zum Thema NS-Verfolgung auf dem Programm. In Kooperation mit dem BOHEM Verlag wurde das Kinderbuch »Die Geschichte von Bodri« von Hédi Fried vorgelesen. Hédi Fried, die als Jugendliche bzw. junge Frau zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Livia Fränkel das KZ Auschwitz und mehrere Außenlager des KZ-Neuengamme überlebt hatte, erzählt ihre Verfolgungserfahrungen aus Sicht des Familienhundes Bodri. (Teddy-)Kollege Schorsch, weiche Decken und Yogamatten auf dem Fußboden und indirekte Beleuchtung sorgten für eine gemütliche Atmosphäre, während Ulrike Jensen, zuständig für die Jugendbildung und langjährige Freundin der 2022 verstorbenen Fried, vorlas. Einige Zuhörer*innen beschäftigte besonders, wie die beiden Schwestern nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager weiterleben konnten und welches Verhältnis sie zu Deutschland hatten.

 

Die Gespräche wurden auch im Pop-Up-Café fortgesetzt. Im Nebenraum konnten die Erfahrungen des Tages kreativ verarbeitet, Lesekisten gestaltet und Erinnerungsblumen mit Wünschen und Gedanken kreiert werden. Selbst aktiv zu werden, mit den Händen etwas zu erschaffen und zukunftsgerichtete Botschaften mit anderen zu teilen regt die Kinder dazu an, mit dem herausfordernden Thema NS-­Geschichte ihren eigenen Umgang zu finden, der über das Aneignen von Wissen hinausgeht und sich in Richtung der Entwicklung einer eigenen Haltung bewegt.

 

364 Tage ohne die »Maus«

Der »Türöffner«-Tag ist eine gute Möglichkeit, jüngere Lernende zu erreichen, die in ihrer Freizeit etwas über NS-Verfolgung allgemein und speziell die Situation der Häftlinge im Konzentrationslager Neuengamme erfahren wollen. Auch 2026 will die KZ-Gedenkstätte Neuengamme gerne wieder ihre Türen öffnen. An der grundsätzlichen Empfehlung, erst mit Kindern ab 12 Jahren die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu besuchen, wird sich aber zunächst nichts ändern. Im Regelbetrieb kann z. B. nicht garantiert werden, dass junge Lernende nur Zugang zu Ausstellungsstücken haben, die für ihr Alter angemessen sind. Sie könnten auch überhören, was Gruppen mit älteren Teilnehmenden besprechen. Damit aber Familien mit jungen Kindern nicht alleingelassen werden, werden zukünftig die Bücherkiste, Rallye-Bögen und Malsachen ganzjährig zur Verfügung gestellt. Für Klassen ab dem 4. Schuljahr gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, Gedenkstättenpädagog*innen für Workshops in ihre Schulen einzuladen.

 

Nicht alles ist überall möglich. Jede Gedenkstätte arbeitet mit ihrem Ort. Anders als in Neuengamme ist es in der Gedenkstätte KZ Osthofen auch im Regelbetrieb möglich, z. B. mit Grundschulklassen zu arbeiten; die Dauer­ausstellung, wo es Bilder gibt, die für diese Alters­gruppe nicht geeignet sind, befindet sich im Obergeschoss der Gedenkstätte, das man bei diesen Angeboten gut meiden kann. Tatsächlich häufen sich in den letzten Monaten auch die Anfragen aus den Grundschulen, ob sie mit 3. und 4. Klassen in die Gedenkstätte kommen können. Die Anlässe sind ganz unterschiedlich: Manche haben eine Klassenlektüre gelesen, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus befasst, haben eine Unterrichtseinheit zum Thema gemacht oder sich mit Stolpersteinen beschäftigt. Hier zahlt sich nun die enge Zusammenarbeit mit den Studienseminaren in der Lehrkräfteausbildung aus: Viele junge Lehrkräfte sind bereit, auch mit Schüler*innen der Klassenstufen drei bis sieben die Gedenkstätte zu besuchen. Leider mehren sich in den letzten Monaten aber auch die Anfrage von Grundschullehrkräften, die mit ihren Klassen in die Gedenkstätte kommen wollen, weil es ­»Vorfälle« gegeben habe: Hakenkreuzschmierereien, Hitlergruß, rassistische und antisemitische Aussagen. Hier gilt es, diese Lehrkräfte gut zu beraten und gemeinsam abzuwägen, ob ein Besuch der Gedenkstätte tatsächlich sinnvoll ist und wie dieser dann in eine entsprechende Unterrichtseinheit eingebunden werden kann. Dies ist sehr zeitintensiv und bringt den päda­gogischen Dienst der Gedenkstätte personell auch an Kapazitätsgrenzen.

 

Dennoch soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden: In Planung für das kommende Jahr sind ein eigener Rundgang für Familien und es gibt erste Überlegungen für ein eigenes Pixi-Buch zur Gedenkstätte KZ Osthofen. Und auch die »Maus« kommt wieder – allerdings nun im Zwei-Jahres-Rhythmus, also zum nächsten Mal wieder 2027.

 

Neues wagen

Die Erfahrungen von »Türen auf mit der Maus« erst in der KZ-Gedenkstätte Osthofen und in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zeigen drei Dinge: Kleinere KZ-Gedenkstätten gehen manchmal schneller Wagnisse in der Bildungsarbeit ein. Der persönliche Austausch zwischen den Gedenkstätten ist für das Lernen mit- und voneinander entscheidend. Und in diesem konkreten Fall: Es gibt eine Nachfrage nach gedenkstättenpädagogischen Formaten für jüngere Lernende. Wenn dann auf der Feedbackwand in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme der Satz »So war es mit der Maus ...« in Kinderhandschrift mit »lustig« und »interessant« vervollständigt wird, ist aus unserer Sicht viel erreicht.

 

 

 

Swenja Granzow-Rauwald ist Politikwissenschaft­lerin und zuständig für die Medienpädagogik und die Arbeit mit jüngeren Lernenden an der ­KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

 

Martina Ruppert-Kelly ist Historikerin, Referentin der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und Leiterin der Gedenkstätte KZ Osthofen. In dieser Funktion ist sie auch verantwortlich für den pädagogischen Dienst der Gedenkstätte.

 

Daniel Bog-Schütz ist Historiker und pädagogischer Mitarbeiter des Fördervereins Projekt Osthofen e.V. in der Gedenkstätte KZ Osthofen.