Kleinere Gedenkstätten in peripheren ländlichen Räumen

Eine bundesweite Kampagne von Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Lernorten
03/2025Gedenkstättenrundbrief 217, S. 28-37
Lea Fischer

Kleinere Gedenkstätten in peripheren ländlichen Räumen 

Besondere Potenziale und Unterstützungsbedarfe

 

Mehr als die Hälfte der bundesrepublikanischen Bevölkerung lebt in ländlichen Regionen. Ländliche Räume haben daher eine hohe Relevanz auch mit Blick auf Maßnahmen der politischen Bildung. Allerdings fallen die Mittel für Demokratieförderung und Bildungsarbeit hier bisher deutlich geringer aus als in den Städten. Erst in den letzten Jahren sind vermehrt Programme aufgelegt worden, die speziell auf die Förderung von politischer Bildung in ländlichen Räumen ausgerichtet sind.

Die heutige Gedenkstättenlandschaft zu den NS-Verbrechen in der Bundesrepublik ist dezentral geprägt und hat sich historisch wesentlich auch aufgrund von lokalem bürgerschaftlichem Engagement entwickelt. Eine Vielzahl der Gedenkstätten befindet sich in ländlichen Regionen. Jenseits der auch überregional bekannten Institutionen etwa an den Orten großer nationalsozialistischer Konzentrationslager handelt es sich dabei häufig um kleinere Einrichtungen, die von wenigen Mitarbeiter*innen und/oder zivilgesellschaftlichen Strukturen getragen werden. Dadurch, dass sie die NS-Vergangenheit anhand konkreter Spuren in der Nachbarschaft dokumentieren, eröffnen sie regionale Räume, um sich mit dieser Vergangenheit und ihren vielfältigen Nachwirkungen auseinanderzusetzen.

 

Gedenkstätten als Orte historisch-politischer Bildung in ländlichen Räumen

Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Gefahren und Herausforderungen für die Demokratie sind diese kleineren, dezentralen Gedenkstätten als bedeutende Orte der historisch-politischen Bildung in ländlichen Regionen zu begreifen. Nicht zuletzt angesichts einer zunehmenden »völkischen Landnahme« können sie überdies als Knotenpunkte in regionalen Netzwerken für eine dringend benötigte Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft in ländlichen Räumen fungieren. 

Daher habe ich in meiner 2023 abgeschlossenen Masterarbeit im Bereich Regionalentwicklung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde nach deren spezifischen Potenzialen und Bedarfen gefragt. Vor allem haben mich dabei die Einschätzungen und Perspektiven der Akteur*innen vor Ort interessiert. Wichtige Anregungen und Kontakte für meine Forschung habe ich im Austausch mit David Gilles vom Berliner Anne Frank Zentrum gewonnen, das seit 2020 ein Netzwerk von Akteur*innen der Erinnerungsarbeit in ländlichen Räumen aufbaut.

Bei der Auswahl geeigneter Einrichtungen habe ich mich an einer Typisierung ländlicher Räume orientiert, die Patrick Küpper für das Thünen-Institut vorgenommen hat. Küpper unterscheidet nicht nur »städtische« von »ländlichen« Räumen, sondern differenziert Letztere auch noch hinsichtlich ihrer »Ländlichkeit« und sozioökomomischen Lage. »Sehr ländliche« Regionen, die sich zugleich durch eine »weniger gute sozioökonomische Lage« auszeichnen, machen dabei flächenmäßig knapp 40 Prozent der Bundesrepublik aus, wobei nur 16 Prozent der Bevölkerung dort leben.

 

Vier kleinere Gedenkstätten als Untersuchungsgegenstand

Gegenstand meiner Untersuchung, die ich in den Jahren 2022/23 durchgeführt habe, sollten Gedenkstätten sein, die in solchen Regionen liegen. Als weitere Auswahlkriterien habe ich definiert, dass zivilgesellschaftliches Engagement dort eine tragende Rolle spielt und es nicht mehr als zwei fest angestellte Mitarbeiter*innen gibt.

Ausgehend davon habe ich vier Gedenkstätten in Nord- und Ostdeutschland ausgewählt. Zwei davon sind noch in der DDR entstanden und haben nach der deutsch-deutschen Vereinigung eine umfassende Transformation durchlaufen. Die anderen beiden befinden sich auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik und entwickelten sich infolge bürgerschaftlichen Engagements seit den 1980er-/90er-Jahren. Alle vier Gedenkstätten befinden sich seit den 2000er-Jahren in komplexen Institutionalisierungs- und Professionalisierungsprozessen. Konkret handelt es sich um folgende Einrichtungen:

 

KZ- Gedenkstätte Laura, Lehesten, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen: 

Die Gedenkstätte erinnert an ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald und wurde 1979 eingeweiht. 1991/92 wurde sie überarbeitet. 1998 gründete sich ein Förderverein. Bis 2012 wurde die Gedenkstätte erweitert und neugestaltet. Sie befindet sich in Trägerschaft des Landkreises. Zum Zeitpunkt meiner Forschung bestand dort eine feste Stelle.

 

Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald, Wittstock/Dosse, Landkreis Ostprignitz-­Ruppin, Brandenburg: 

Die Gedenkstätte erinnert an einen Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen. 1981 wurde dort ein Museum als Außenstelle der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen eingerichtet. Nach 1990 wurde das Museum als Teil der neu gegründeten Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten überarbeitet. Infolge eines neonazistischen Brandanschlages entstand 2002 ein Freundeskreis. 2010 eröffnete die erweiterte und neugestaltete Gedenkstätte. Dort arbeiteten zum Zeitpunkt meiner Forschung zwei Festangestellte. 

 

KZ-Gedenkstätte Engerhafe, Engerhafe/Südbrookmerland, Landkreis Aurich, Niedersachsen: 

Die Gedenkstätte erinnert an ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Seit den 1980er-Jahren entwickelte sich hier ein bürgerschaftliches Engagement. 2009 gründete sich der Trägerverein der heutigen Gedenkstätte. 

2024 wurde eine neue Dauerausstellung eröffnet. Zum Zeitpunkt meiner Forschung bestanden zwei befristete Projektstellen.

 

Gedenkstätte Ahrensbök, Ahrensbök, Landkreis Ostholstein, Schleswig-Holstein: 

Die Gedenkstätte erinnert an ein frühes Konzentrationslager und weitere Aspekte der lokalen NS-Vergangenheit. Seit den 1990er-Jahren entwickelte sich ein zunehmender Erinnerungsaktivismus. Aus einer Bürgerinitiative ging im Jahr 2000 der Trägerverein der Gedenkstätte hervor, die 2001 eröffnet wurde. An der Gedenkstätte arbeiteten zum Zeitpunkt der Interviews zwei Festangestellte. 

 

Im Jahr 2023 habe ich in diesen vier Einrichtungen leitfadengestützte Expert*inneninterviews durchgeführt, in denen nach inhaltlichen Zielen, Erfahrungen mit den jeweiligen Rahmenbedingungen der Gedenkstättenarbeit sowie diesbezüglichen Unterstützungsbedarfen gefragt wurde. Dabei kamen insgesamt sechs Personen zu Wort, die an den jeweiligen Orten aktiv sind: Gründer*innen von Vereinen und langjährig ehrenamtlich tätige, aber auch fest angestellte Mitarbeiter*innen. 

Die Interviews wurden anschließend mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Im Folgenden möchte ich ausgewählte Ergebnisse vorstellen. Dabei konzentriere ich mich auf spezifische Potenziale kleinerer Gedenkstätten aus Sicht der dort Engagierten sowie auf von diesen geäußerte typische Schwierigkeiten und daraus resultierende Unterstützungsbedarfe.

 

Spezifische Potenziale kleinerer Gedenkstätten in peripheren ländlichen Räumen

Die inhaltlichen Ziele der Befragten unterscheiden sich nicht von denen anderer Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen. Allerdings heben sie hervor, dass kleinere Gedenkstätten in ländlichen Räumen die Omnipräsenz der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Mordpolitik besonders gut nachvollziehbar machen können. Mit ihrer Arbeit wollen sie einen kritischen Beitrag zum regionalen Geschichtsbewusstsein leisten. Mehrfach führen sie das Bild des »Stachels« an, um das anhaltende Irritationspotenzial der historischen Orte in der ländlichen Lebenswelt zu beschreiben.

Kleinere Gedenkstätten in ländlichen Räumen pflegen überregionale Netzwerke, die auf ihre regionale Umgebung zurückwirken. Von herausragender Bedeutung sind für die Aktiven ihre – auch internationalen – Kontakte zu ehemals Verfolgten und deren Angehörigen, von denen viele regelmäßig an Gedenk- und Bildungsveranstaltungen teilnehmen. Darüber hinaus sind die Einrichtungen in wissenschaftliche und kollegiale Netzwerke eingebunden, die nicht zuletzt einem mitunter empfundenen Einzelkämpfer*innentum vor Ort entgegenwirken, wie ein*e Gesprächspartner*in betont: »Manchmal fühlt sich das wie ein Kampf gegen Windmühlen an, in dem man alleine gegen die Windmühlen kämpft und es immer mehr werden. Vernetzung trägt gegen ein Vereinsamungsgefühl bei.«

Die kleineren Gedenkstätten und ihre Trägervereine sind auch aktive Akteurinnen innerhalb regionaler Infrastrukturen. So bestehen oft langjährige Kooperationen mit umliegenden Schulen und anderen Bildungsträgern. Auch wird mit anderen Museen, Kultureinrichtungen, Kirchen, Sportvereinen, politischen Entscheidungsträger*innen, Bürger*inneninitiativen und Akteur*innen aus dem Bereich des Tourismus zusammengearbeitet. Eine*r der Befragten berichtete von einem Projekt, das regionale Kultureinrichtungen vernetzt: »Eine Fahrradkarte verknüpft die Orte miteinander. Die ist über das Tourismuszentrum verteilt worden als vorgeschlagene Fahrradroute.« So werde erkennbar, dass die NS-Vergangenheit »nicht etwas ist, das exotisch und außerhalb von den anderen Ereignissen ist, sondern dass es ein Teil der Geschichte ist und damit selbstverständlich in diese Route gehört.«

Angesichts des zunehmenden Rechtsextremismus engagieren sich kleinere Gedenkstätten in ländlichen Räumen vermehrt in regionalen Bündnissen für Demokratie. Einige der Befragten sind sogar der Auffassung, dass Gedenkstätten als mittlerweile anerkannte Akteurinnen der politischen Kultur der Bundesrepublik in solchen Bündnissen eine zentrale Rolle spielen sollten. Doch nicht nur in diesem expliziten Engagement wird deutlich, dass kleinere Gedenkstätten in ländlichen Räumen mehr sind als bedeutende Instanzen eines kritisch-reflexiven Geschichtsbewusstseins. Sie sind auch ein relevanter Faktor in Netzwerken für die Pflege und den Erhalt einer demokratischen Kultur in ihrer Region. Durch ihre Kontakte zu ehemals Verfolgten und deren Nachkommen sowie durch die Organisation von Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung fördern sie zugleich den transnationalen Austausch.

 

Typische Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe kleinerer Gedenkstätten

Kleinere Gedenkstätten in ländlichen Räumen sehen sich vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Einrichtungen, die sich in freier Trägerschaft befinden, müssen im Verhältnis zu ihren geringen Kapazitäten einen hohen Aufwand betreiben, um ihre Arbeitsfähigkeit über verschiedene Finanzierungsquellen (z. B. Förderprogramme, Projektförderung, öffentliche Zuschüsse, Spenden und Mitgliedsbeiträge …) immer wieder aufs Neue abzusichern. Doch auch Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft leiden mitunter an struktureller Unterfinanzierung und fürchten, dass veränderte politische Machtverhältnisse ihre Arbeit unmittelbar gefährden könnten – vor allem dort, wo eine starke Abhängigkeit von kommunaler Förderung besteht. Die langfristige Finanzierung ihrer Arbeit wird von den Befragten durchwegs als ungewiss eingeschätzt.

Zugleich befinden sich alle untersuchten Einrichtungen in einer Phase der Transformation. So bringt die fortschreitende Institutionalisierung und Professionalisierung eine Vielzahl von administrativen, organisatorischen und inhaltlichen Verantwortlichkeiten mit sich, die von wenigen festen Mitarbeiter*innen und/oder ehrenamtlichen Mitgliedern der Trägervereine bewältigt werden müssen, wobei sich die Arbeitsteilung zwischen Festangestellten und Ehrenamtlichen nicht immer einfach gestaltet. Ein Mangel an Zeit, Geld und Personal wird vor allem mit Blick auf folgende Aufgaben beschrieben: historische Forschung, Weiterentwicklung von Ausstellungen und pädagogischen Formaten, Einarbeitung von Guides und Honorarkräften, Betreuung größerer oder parallel eintreffender Besucher*innengruppen, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, nachhaltige Archivierung und Dokumentation. Die Befragten konstatieren einen hohen Bedarf an Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen, dem allerdings fehlende finanzielle und zeitliche Ressourcen entgegenstünden.

Eine weitere große Herausforderung stellt der anstehende Generationswechsel in den Träger- und Fördervereinen dar, deren Mitglieder sich vielfach im fortgeschrittenen Rentenalter befinden. Prinzipiell wird ein generationeller Wechsel positiv gesehen. Jedoch wird ein massiver Verlust an historischem Wissen, praktischer Erfahrung und persönlichen Netzwerken befürchtet. Vor allem aber mangelt es vielerorts an Nachwuchs. Eine*r der Befragten beschreibt die Situation folgendermaßen: »Wir werden [...] die Herausforderung haben, wenn ich dann in Rente gehe und nicht mehr im Vorstand bin, dass wir keine jungen Leute haben.« Die anderen Vorstandsmitglieder seien etwa im gleichen Alter: »Von den vier [...] haben schon zwei erklärt, wenn ich dann rausgehe, weil ich in Rente gehe, dass sie auch rausgehen – sie denken dann, mit 70 kann man ja auch mal.« Der fehlende Nachwuchs wird damit erklärt, dass jüngere Leute aufgrund von Arbeit und Familie kaum Zeit für ehrenamtliches Engagement hätten. Zudem müssten junge Erwachsene in ländlichen Räumen ihre Herkunftsregion häufig verlassen, um eine Ausbildung zu machen oder Arbeit zu finden. Selbstkritisch wird auch darüber nachgedacht, wie die Vereinsarbeit attraktiver für junge Menschen gemacht werden kann.

Von ihrem regionalen Umfeld wünschen sich die Befragten mehr Unterstützung. Dies betrifft in erster Linie die Politik, aber auch Schulen und Bildungsträger. An die Schulen appellieren sie, mehr als bisher mit kleineren Gedenkstätten im direkten Umfeld zusammenzuarbeiten, anstatt in die prominenteren größeren Gedenkstätten zu fahren – zumal diese oft weiter entfernt lägen und lange im Voraus ausgebucht wären. Auch andere Bildungsträger sollten Besuche in umliegenden Gedenkstätten in Erwägung ziehen oder gemeinsam mit ihnen zielgruppenspezifische Angebote entwickeln. 

Von der Politik fordern die Befragten mehr Rückhalt und kontinuierliches Engagement auch jenseits situativer Bekenntnisse an Gedenktagen. Eine*r der Befragten brachte das wie folgt auf den Punkt: »Ich wünsche mir, dass es mehr noch eine Herzensangelegenheit wird für die Leute. Gegenüber den Angehörigen bringen sie das zum Ausdruck, aber dann muss auch etwas passieren.« An erster Stelle steht dabei der Wunsch nach einer verlässlichen institutionellen Förderung und einem niedrigschwelligen Zugang zu Projektmitteln. So äußerte eine*r der Befragten: »Die Kommunen und auch den Kreis sehe ich in der Pflicht, Erinnerungskultur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen und sich nicht immer nur auf andere Stellen zu beziehen und herauszureden.« 

Als ein weiteres großes Problem auf kommunaler Ebene definieren die Befragten die schlechte Erreichbarkeit ihrer Einrichtungen mit dem öffentlichen Nahverkehr: »Das ist ein riesiges Hindernis, sowohl für Besuchende als auch für Mitarbeitende hier, ehrenamtlich oder hauptamtlich, die auch immer einen PKW mitbringen müssen.« Mancherorts wird zudem auch ein mangelnder Ausbau der digitalen Infrastruktur problematisiert, der der Entwicklung von Online-Angeboten im Wege stehe.

 

Fazit und weiterer Forschungsbedarf

Aus den Interview-Ergebnissen geht hervor, dass die von mir untersuchten kleineren Gedenkstätten in peripheren ländlichen Räumen nicht nur zentrale Akteurinnen der historischen Bildung sind, sondern auch als wichtige Komponenten einer demokratischen Infrastruktur verstanden werden müssen. Zugleich wird deutlich, dass sie sich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sehen und zu deren Bewältigung auch auf Unterstützung aus Politik und Gesellschaft angewiesen sind. Basierend auf den geführten Interviews scheinen mir dabei folgende Punkte von besonderer Relevanz:

 

Finanzielle Absicherung: Um ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht werden zu können, bedürfen kleinere Gedenkstätten in peripheren ländlichen Räumen einer langfristigen finanziellen Absicherung. Hier sind vor allem politische Akteur*innen in Kommunen und Ländern gefragt, aber auch auf Bundesebene sollte die Bedeutung dieser Einrichtung verstanden und gewürdigt werden.

 

Gesellschaftlicher Rückhalt: Schulen und andere Bildungs- bzw. Kultureinrichtungen sollten proaktiv auf kleinere Gedenkstätten in der Region zugehen, um Möglichkeiten einer kon­tinuierlichen Zusammenarbeit zu eruieren. Gleiches gilt für zivilgesellschaftliche Organisationen und Vereine.

 

Professionalisierungsprozesse: Neben der Einbindung in bestehende kollegiale Netzwerke im Gedenkstättenbereich bedarf es niedrigschwelliger und kostengünstiger Weiterbildungs­angebote sowohl für hauptamtliche als auch für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen und Honorarkräfte.

 

Generationswechsel: Kleinere Gedenkstätten in peripheren Räumen, die in ihrer Arbeit wesentlich auch auf zivilgesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement angewiesen sind, müssen Strukturen und Formate (weiter-)entwickeln, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglichen, sich aktiv in die Arbeit vor Ort einzubringen, und sie zu einem langfristigen Engagement motivieren. 

 

Trotz der begrenzten Datenbasis ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse meiner Forschungsarbeit zumindest teilweise auf andere kleinere Gedenkstätten übertragbar sind. Angesichts des großen Potenzials dieser Einrichtungen für die Beförderung und den Erhalt einer demokratischen Kultur auch in ländlichen Regionen wären weitere Forschungen wünschenswert, um auf einer breiten Datenbasis Empfehlungen formulieren zu können, wie eine professionelle Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen auch in ländlichen Regionen langfristig unterstützt und abgesichert werden kann. Gewinnbringend könnte außerdem ein Vergleich mit anderen Orten politischer Bildung in ländlichen Räumen sein. In der Annahme, dass Gemeinsamkeiten in den Herausforderungen der alltäglichen Arbeit und in den Strukturen bestehen, können sich daraus Allianzen bilden, die gegenüber der Politik ein stärkeres Auftreten ermöglichen.

 

 

Lea Fischer hat Regionalentwicklung an der ­Hochschule für nachhaltige Entwicklung studiert. Aktuell arbeitet sie als wissenschaftliche Mit­arbeiterin zu Partizipation und Bildung in Nord-West-Brandenburg. Darüber hinaus bringt sie sich in verschiedene ländlich-aktivistische Kontexte ein.