Die Abteilung Jugend des DGB-Rheinland-Pfalz hat die Auseinandersetzung mit dem Thema „Faschismus“ zu einem ständigen Bestandteil ihrer Jugendarbeit gemacht.
Im Rahmen dieser Seminararbeit wurden verschiedentlich Fahrten zu KZ-Gedenkstätten (u.a. Dachau) durchgeführt.
Auf der Suche nach Möglichkeiten in Rheinland-Pfalz diese Arbeit fortzusetzen ist die DGB-Jugend auf das fast vergessene ehemalige KZ in Osthofen gestoßen.
Die Gebäude auf dem ehemaligen KZ-Gelände sind noch weitgehend erhalten. Es wurde früher als Fabrikgelände genutzt und dient heute weitgehend als Weinlager. Das Gelände befindet sich in Privatbesitz und kann nicht betreten werden.
Ein Antrag des BUND die Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, wurde zunächst von den zuständigen Behörden abgelehnt. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, daß auf Initiative vom rheinland-pfälzischen Kultusminister Gölten eine positive Beschlußlage herbeigeführt werden soll.
Eine Zurkenntnisnahme der Geschichte des ehemaligen KZ's in der Gegend von Osthofen ist bisher noch ungenügend. Der evangelische Pfarrer steht unterstützend der Arbeit zur Seite, eine "Lagergemeinschaft" hat sich vor einigen Jahren zusammengeschlossen, ohne bisher großen politischen Einfluß geltend machen zu können. Die Parteien, in Osthofen existiert eine Gemeinderatsmehrheit der SPD, stehen dagegen dem Anliegen sehr skeptisch gegenüber.
Vom DGB wurden bisher zwei große "Friedensfahrten" mit Diskussionen und Kundgebung am Gelände organisiert. Inhalt dieser Fahrten war, den Zusammenhang zwischen Kriegsvorbereitung und Aufrüstung auf der einen Seite und dem Aufbau von Feindbildern in der Gesellschaft und dem Sozialabbau auf der anderen Seite darzustellen und Parallelen in der Politik heute aufzuzeigen.
Angesichts der schwierigen Lage vor Ort ist das nächste Ziel der Gewerkschaftler direkt neben dem ehemaligen KZ, auf einem Gelände, daß durch die Gemeinde von der Deutschen Bundesbahn angekauft wird, einen Gedenkstein aufzustellen.
Bereits 17 Modelle für einen solchen Gedenkstein sind, von Lehrlingen in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte für Steinmetze der Handwerkskammer entworfen worden. Auch das Original soll im Rahmen der Lehre hergestellt werden. Dazu sind begleitende Veranstaltungen zur Geschichte des Lagers geplant.
Die zur Verwirklichung des Projektes benötigten Gelder in Höhe von 12.000 DM sind ebenfalls von den Jugendgruppen gesammelt worden.
Um die Aktivitäten in Osthofen auf eine breitere Basis zu stellen, wurde ein Arbeitskreis gegründet, dem Mitspracherecht, momentan z.B. in der Auswahl des Modelles des Gedenksteines, eingeräumt wird. Er setzt sich zusammen aus dem DGB—Kreis und Ortskartellvorsitzenden, der Vertreterin der DGB-Jugend, dem Bürgermeister, dem Landessektretär der Gewerkschaft Bau, Steine Erden, dem Wormser Gewerkschaftsgeschäftsführer und last not least dem Vertreter der Lagergemeinschaft.
Der Präsident der Handwerkskammer, dem die Ausbildungsstätte untersteht, spricht sich für ein sehr abstraktes Modell des Gedenksteins aus.
Innerhalb der DGB Jugend Rheinland-Pfalz werden die beiden unten gezeigten Modelle favorisiert.
Das eine Modell – welches die Hand mit der Friedenstaube zeigt – weil hier sehr gut eine Verbindung zwischen Faschismus – Krieg und Frieden hergestellt werden kann.
Das andere Modell, weil es sehr eindeutig ein Mahnmal an den dunkelsten Fleck deutscher Geschichte darstellt.
Ich persönlich würde das zweite Modell befürworten. Hier wird eindeutig auf die Menschen und ihr Leiden hingewiesen, hier wird deutlich, was an dem Ort geschehen ist, an dem dieses Mahnmal errichtet werden soll.
Eine Taube in der Hand finde ich zwar auch schön, aber für diesen Ort ist mir der Bezug zu abstrakt, der geschichtliche Hintergrund wird nicht deutlich. Aber gerade mit diesem wollen und sollen sich die Besucher einer solchen Stätte auseinandersetzen
Als Resümee läßt sich festhalten, daß der Plan der DGB-Jugendsekretäre zu einer sinnvollen Verbindung von Theorie und Praxis in der Lehrlingsausbildung führt. Zu wünschen ist, daß im Laufe des nächsten knappen Jahres dies vollzogen werden kann.
Wie für die Zukunft im Auge zu behalten, ist, daß sich die Gebäude auf dem ehemaligen KZ-Gelände durchaus in eine Jugendbildungsstätte und eine Dokumentationsstätte umwandeln lassen können.