Im Rahmen der Neugestaltung der Ausstellungen in der KZ-Gedenkstätte Dachau wurde am 27. Januar 2000 eine erste Teilausstellung im Bunker, dem ehemaligen Kommandantur-Arrest durch Frau Staatsministerin Hohlmeier eröffnet.
Die Arrestbauten waren zentrale Orte des Terrors in den Konzentrationslagern. Im Verlauf der zwölf Jahre des Bestehens des KZ Dachau waren es drei verschiedene Gebäude, die als Arrestbau genutzt wurden. Die Steige-rung des Terrors läßt sich an der Zahl der Zellen ablesen: 1933: 5, 1934–1938: 22, 1938–1945: 137.
Als mit der Arbeit an dieser Teilausstellung begonnen wurde, war der Wissensstand über die Vorgänge im Bun-ker, die Funktionen der einzelnen Räume und Örtlichkeiten, noch sehr gering. Lediglich über die Morde in der Anfangsphase 1933 war mehr bekannt, da es darüber seinerzeit gerichtliche Ermittlungen gegeben hatte. Durch eine bauhistorische Untersuchung (Architekt Will, Kirchenrestaurator Mayerhofer) und parallele historische Recherchen wurde versucht, die Bau- und Funktionsgeschichte des 1937/38 errichteten Bunkergebäudes zu rekonstruieren. Das Gebäude, ein fast 200m langer ebenerdiger Bau, der durch einen Längsflur geteilt wird, ist fast unverändert erhalten geblieben.
Der Bunker, so von den Häftlingen bezeichnet nach dem düsteren Aussehen des 1934 eingerichteten zweiten Arrestgebäudes, hatte verschiedene Aufgaben: Häftlinge des Lagers verbüßten hier in den Zellen Lagerstrafen, auch die Prügelstrafe und das Pfahlhängen fanden zeitweilig hier im Bunkerhof statt. Exekutionen wurden im östlichen Teil des Bunkerhofs durchgeführt. Gestapogefangene waren hier oft monatelang eingekerkert, um von ihnen durch psychischen Terror und Folter Geständnisse zu erpressen. Wieviele Gefangene in den Zellen des Bunkers litten, ist nicht mehr feststellbar, auch nicht wieviele hier ermor-det oder in den Tod getrieben wurden. Die SS hat die Unterlagen vor Kriegsende vernichtet, die wenigen erhal-ten gebliebenen Blätter mit Listen von im Bunker Inhaftierten aus der Zeit 1944/45 sind in einem der Leseordner in der Ausstellung enthalten. Bilder des ersten Bunkers 1933 und des zweiten Bunkers 1934–1938 existieren nicht.
Bei den Recherchen zeigte sich: Die Geschichte des Bunkers ist vor allem die Geschichte des Leidens der Häftlinge. Sie fand sich nie in den Akten, sie findet sich nur in den Erinnerungen der Häftlinge: In Aufzeichnungen, Erinnerungsberichten und Veröffentlichungen hielten sie fest, was ihnen wiederfuhr. Das HdBG hat im Rahmen seines Zeitzeugenprojektes inzwischen zahlreiche mehrstündige Videointerviews mit ehemaligen Häftlingen des KZ Dachau durchgeführt. Dabei wurde von manchen wie zum Beispiel von Hans Taschner und Karl Kunkel auch über Strafen und den Bunker berichtet. Andere Häftlinge haben ihre Erinnerungen in Zeichnungen fest-gehalten, wie z.B. Georg Tauber, Albert Kerner oder Walter Buzengeiger.
Den ehemaligen Häftlingen und dem Comité International de Dachau ist für die Unterstützung unserer Arbeit sehr zu danken.
Die Ausstellung im Bunker ist sehr zurückhaltend angelegt. Der Bunker selbst ist das Ausstellungsobjekt. Die Nachkriegsanstriche wurden im Flur, in den Funktionsräumen und einzelnen Zellen durch einen Restaurator (Firma Mayerhofer) abgenommen. Dabei kamen in den Zellen, die zu Stehzellen umgestaltet worden waren, Inschriften zutage.
Ein wichtiges Anliegen war es, an diesen Ort, der in seiner baulichen Substanz nahezu unverändert erhalten geblieben ist, die Geschichte der Häftlinge zurückzubringen. In den ehemaligen Funktionsräumen im Zentrum des Gebäudes (ehemals: Wachraum, Vernehmungsraum, Untersuchungsraum, Aufnahmeraum) wird eine kleine Teilausstellung (Deutsch und Englisch) gezeigt. Sie informiert über die Funktion des Bunkers, die dort exeku-tierten Strafen, die Baugeschichte, einzelne dort tätige SS-Männer und vor allem über die Häftlinge. Eine Aus-wahl von ihnen wird mit Bild und kurzen Angaben zum Schicksal auf zwei Ausstellungstafeln vorgestellt. Darunter sind Gefangene, die im Bunker umgekommen sind wie der kommunistische Landtagsabgeordnete Sepp Götz und der Nürnberger Rechtsanwalt Albert Rosenfelder, der zudem als Jude besonders mißhandelt wurde. Die Mehrzahl der im Bunker Inhaftierten aber waren ausländische Häftlinge wie z.B. der tschechische Kapellmeister Josef Ulc, der polnische Gefangene Hendryk Rybarczyk oder der Ukrainer Juri Piskunov, der zu den wenigen heute noch Lebenden zählt, die im Bunker inhaftiert waren.
Weitere Informationen über Häftlinge, die im Bunker gefangen waren, findet man mit Bild und ausführlichen Lebensläufen auf zwei PC-Stationen. Dieses Angebot wird im Rahmen der weiteren Arbeit noch ausgebaut werden.
Besonders wichtig war es uns, die Berichte der Gefangenen den Besuchern zu übermitteln. Wir haben mehrere Wege gewählt:
• An einer Hörstation können die Besucher eine Auswahl von Häftlingserinnerungen in neun Sprachen anwäh-len.
• Weitere ausführliche Häftlingsberichte befinden sich in einem Leseordner.
• In drei Zellen werden kurze Sequenzen aus Häftlingsberichten projiziert.
• In einem Leseraum werden zusätzliche Informationen wie ausführliche Lebensläufe, Auszüge aus Berichten, Dokumente und Bilder angeboten.
Die Zellen sind alle leer, bis auf wenige ausgewählte alle verschlossen, aber durch Öffnungen in den Türen einsehbar. Von dem ursprünglichen Mobiliar ist nichts vorhanden, auf Rekonstruktionen wurde verzichtet. Einzelne Zellen wurden zur besseren Einsicht geöffnet und die Übermalungen der Nachkriegszeit abgenommen. Dies gilt z.B. für die Kalfaktor-Zelle (Häftlingshelfer) und die drei Zellen des Hitler-Attentäters Georg Elser.
Nur in wenigen Fällen konnten Zellen dort inhaftierten Personen zugeordnet werden. Es handelt sich vor allem um politische Sonderhäftlinge, die den Bunker nie verließen, aber bessere Lebensbedingungen als übrigen Häftlinge hatten. Zu ihnen gehörten der Hitler-Attentäter Georg Elser, der am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet wurde, die Geistlichen Johannes Neuhäusler und Martin Niemöller, die von 1941–1945 im Bunker inhaftiert waren, der Erzbischof von Clermont Ferrand, Gabriel Piguet und andere. Im Bereich der geistlichen Sonderhäftlinge am Westende des Bunkers befand sich auch die Zelle, die von ihnen als Kapelle genutzt wurde. Der Kofferaltar, der ihnen für ihre Gottesdienste diente, ist heute dort ausgestellt. Er gehört zu den wenigen Objekten, die vom Bunker geblieben sind.
Die Besucher werden künftig am Ende der Hauptausstellung das Wirtschaftsgebäude zum Bunkerhof hin verlassen. Dort stoßen sie auf eine Informationstafel, die die Bedeutung dieses Ortes erläutert: Exekutionen, Pfahlhängen, Prügelstrafe. Eine zweite Informationstafel vor dem Eingang zum Bunker zeigt den Grundriß und die Funktionen der Räume. Für den Durchgang durch den Bunker sind durchschnittlich etwa 15 Minuten veranschlagt. Wir dürfen nicht vergessen, daß künftig die Besucher erst nach dem Besuch der Hauptausstellung hierher zum Bunker kommen werden und ihr Zeitbudget beschränkt ist.
Weitere Hinweise über die Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau finden Sie auf der Homepage des Hau-ses der Bayerischen Geschichte: www.bayern.de/HDBG/projekt-kz/index.htm