»Verunsichernde Orte«– Weiterbildung für die Gedenkstättenpädagogik

03/2026Gedenkstättenrundbrief 221, S. S. 36-43
Uta George, Lisa Schank

Entwicklung, Erfahrungen und aktuelle Perspektiven

 

Seit der Einrichtung der ersten, oft durch Überlebende erkämpften, Gedenkstätten an NS-Verbrechensorten hat sich viel verändert: Inzwischen gibt es in der Bundesrepublik eine große Zahl von Gedenkstätten, Dokumentationszentren, Lernorten und Initiativen – mit zahlreichen unterschiedlichen Schwerpunkten. Auch das Selbstverständnis der Orte hat sich gewandelt: Stand am Anfang das Dokumentieren, Zeigen und Gedenken im Vordergrund, haben inzwischen die meisten Einrichtungen zusätzlich den Anspruch, eine professionelle historisch-politische Bildung anzubieten.

Jedoch verfügen weiterhin viele Menschen, die in der Vermittlung an Gedenkstätten arbeiten, nicht über eine Ausbildung, die sie auf diese Aufgabe vorbereitet oder die über die an vielen Orten mittlerweile fest etablierten Guide-Ausbildungen von meist wenigen Tagen hinausgeht. Insbesondere die Weiterentwicklung der vor Ort genutzten Methoden sowie die Reflexion der eigenen Rolle und Erfahrungen als Pädagog*innen kommen im Alltag häufig zu kurz. Sehr oft sind keine Kapazitäten für eine kontinuierliche Betreuung und Supervision der pädagogisch Tätigen vorhanden.

 

Ansprüche an ein komplexes Arbeitsfeld

Dabei haben es Personen, die in NS-Gedenkstätten beziehungsweise in der historisch-politischen Bildung zur Geschichte des Nationalsozialismus arbeiten, mit einem vielschichtigen Arbeitsfeld zu tun: Sie arbeiten an Orten, die emotional herausfordern. Der Verfolgten und Opfer soll angemessen gedacht werden. Gleichzeitig werden Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Lernorten – implizit und explizit – gesellschaftliche Aufträge auferlegt, die mit moralischen Aufladungen einhergehen, aber auch Abwehrreaktionen hervorrufen. 

All diesen diversen professionellen Ansprüchen an eine zeitgemäße, an den Teilnehmer*innen orientierte historisch-politische Bildung sollen die an diesen Orten tätigen Pädagog*innen gerecht werden. Sie benötigen also vielfältige Kompetenzen: über Fachwissen verfügen und guten Zugang zu Besuchsgruppen finden, die unterschiedliche Erwartungen und Haltungen mitbringen: von Neugier über Gleichgültigkeit, von großem Interesse über Bedenken bis hin zu Abwehr. Die Pädagog*innen sollen NS-Verbrechen so vermitteln, dass Besucher*innen nicht überwältigt werden, und sie müssen zugleich eine Balance finden zwischen einer historisch adäquaten Schilderung vergangener Ereignisse und der Bearbeitung von akut im Vermittlungsmoment auftretenden Reaktionen und (Geschichts-)Bedürfnissen.1 Zugleich sind sie gefordert, sich ihrer eigenen Gefühle, Befangenheiten, weißen Flecken und familienbiografischen Verstrickungen in Bezug auf die Geschichte des Nationalsozialismus bewusst zu sein und einen reflektierten Umgang damit in ihrer pädagogischen Arbeit zu etablieren. Um eine Sinnhaftigkeit der Vermittlungsangebote für die Lebenswelt der Besucher*innen zu gewährleisten, müssen sie außerdem in der Lage sein, Gegenwartsbezüge aufzuzeigen und zu diskutieren. Nicht zuletzt sind sie gefordert, pädagogische Konzepte so weiterzuentwickeln dass sie einer hyperdiversen Gesellschaft gerecht werden und antisemitismus-, rassismus- und diskriminierungskritisch sind.

 

Zur Entstehung des Programms »Verunsichernde Orte«

Auf diese komplexen Herausforderungen des Berufsfelds sind Gedenkstättenpädagog*innen durch ihre Ausbildung oftmals kaum vorbereitet. Sie haben zumeist eine sozialwissenschaftliche, pädagogische oder historische Ausbildung, jedoch sehr selten eine, die sie konkret auf die Arbeit an einem Ort vorbereitet, an dem Massenverbrechen stattgefunden haben und/oder thematisiert werden. 

Fort- und Weiterbildungen konzentrieren sich oft auf historisches Wissen oder neue Forschungsergebnisse. Angebote zu erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen oder Räume zur Reflexion von Erfahrungen mit Gruppen, aber auch mit dem historischen Ort und den daraus resultierenden Unsicherheiten, gibt es nur sehr selten. Angebote zu erziehungswissenschaftlichen, sozialpsychologischen und pädagogischen Fragestellungen gibt es sehr selten, wie auch Räume zur Reflexion von Erfahrungen mit Gruppen, aber auch mit dem historischen Ort und den daraus resultierenden Unsicherheiten. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, benötigen Menschen, die in NS-Gedenkstätten beziehungsweise in der historisch-politischen Bildung mit Schwerpunkt Geschichte des Nationalsozialismus arbeiten, jedoch neben historischem Fachwissen auch erziehungswissenschaftlich, sozialpsychologisch und pädagogisch fundierte Kompetenzen.

Aus dieser Erkenntnis heraus wurde in den 2000er-Jahren das Angebot »Verunsichernde Orte. Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstättenpädagogik« entwickelt.2 Ab 2007 arbeitete ein etwa 20-köpfiges Team drei Jahre in einem Modellprojekt. 

Kooperationspartner waren die Stiftung Jugendgästehaus Dachau, das Fritz Bauer Institut und die Akademie Führung & Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung der LMU München. Neben Vertreter*innen dieser Institutionen waren pädagogische Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Gedenkstätten in Deutschland, Österreich und Polen beteiligt sowie freie Trainer*innen, unter anderem aus der Demokratiebildung.3 

Die Problemanalyse und Programmentwicklung wurden von Praktiker*innen der Vermittlung an NS-Gedenkstätten vorgenommen. Auf dieser Grundlage erarbeitete und erprobte das Projektteam Übungen, deren Schwerpunkte das Selbst- und Rollenverständnis, der Umgang mit Teilnehmer*innen und der Umgang mit Vermittlungsmedien beziehungsweise mit dem Ort sind.

 

Das »TZI-Dreieck« für die Gedenkstättenpädagogik

Das Programm und die Übungen von »Verunsichernde Orte« nehmen dabei Bezug auf ein Modell aus der Themenzentrierten Aktion: Das »TZI-Dreieck« von Ruth Cohn, das der Veranschaulichung und Analyse von Gruppenprozessen dient. Es beschreibt die Wechselbeziehungen zwischen den Faktoren »Ich« (Individuum), »Wir« (Gruppe/Interaktion) und »Es« (Thema/Aufgabe), ergänzt durch den »Globe« (Umfeld/Rahmenbedingungen). 

Die TZI hat zugleich eine handlungsleitende Funktion: Aus erkannten Ungleichgewichten können konkrete Interventionen für die Gruppenarbeit abgeleitet werden. Ziel ist eine lebendige, verantwortungsvolle Interaktion, in der sachliche, persönliche und gruppendynamische Aspekte berücksichtigt und Störungen bewusst aufgegriffen werden (»Störungen haben Vorrang«). Dabei sind alle vier Faktoren und deren Wechselbeziehungen gleich wichtig und müssen in einem dynamischen Gleichgewicht stehen, damit Zusammenarbeit und Lernen und die persönliche Entwicklung der Teilnehmer*innen gelingen kann.

     Entlang dieses Modells wird bei »Verunsichernde Orte« davon ausgegangen, dass auch gedenkstättenpädagogische Settings durch komplexe Wechselbeziehungen geprägt sind, die es zu analysieren und zu reflektieren gilt:

→ Gedenkstättenpädagog*innen (»Ich«) reflektieren erstens sich selbst und ihre Haltung: Welche Prägungen, biografischen Erfahrungen, Positionierungen, Diskurse und Annahmen prägen das professionelle Verständnis? In welchem Verhältnis steht dieses Verständnis zu anderen Identitätsanteilen (z.B. politischer Aktivismus, gesellschaftspolitische Überzeugungen) und wie prägen diese die Arbeit mit?

 

→ Analysiert wird zweitens die Beziehung zwischen Gedenkstättenpädagog*innen und den Teilnehmenden (»Wir«), mit denen gearbeitet wird: Welche gegenseitigen (Vor-)Annahmen und Stereotype prägen das Verhältnis? Welche Aushandlungen finden statt? Auf welchen Ebenen treten Gedenkstättenpädagog*innen und Teilnehmer*innen zueinander in Beziehung?

 

→ Drittens ist auch das Verhältnis sowohl der Gedenkstättenpädagog*innen als auch der Teilnehmer*innen zum Ort (»Es«) Gegenstand der Reflexion. Gemeint sind sowohl der historische Ort und die damit verbundenen Themen als auch die Institution, die sich dort heute befindet: Welche Erwartungen haben die Teilnehmenden bezüglich des Ortes? Befürchten Sie eine Überwältigung oder dass sie mit Verhaltenserwartungen konfrontiert werden? Wie verhalten sich das Selbstverständnis der Pädagog*in und das Selbstverständnis der Einrichtung zueinander? Was ergibt sich daraus für das konkrete Handeln? Durch welche Bilder, Diskurse und Beziehungen ist das Verhältnis der Teilnehmer*innen zum Ort/Thema geprägt?

 

→ Viertens wird reflektiert, dass all diese Beziehungen in einem erinnerungspolitischen und gesellschaftlichen Kontext (»Globe«) stattfinden: Diskurse und ihre Verschiebungen, die aktuelle politische Situation, finanzielle Rahmenbedingungen, Hierarchien in der Institution, von außen formulierte Ansprüche prägen das Handlungsfeld der Mitarbeitenden in Gedenkstätten.

Weiterbildung zur Selbstreflexion

Ausgehend von diesen Überlegungen wurde ein Set von 16 Übungen sowie eine Seminarstruktur entwickelt, die diese vier Bereiche bearbeiten: die Rolle des*der Pädagog*in selbst, der Kontakt/die Beziehung zu den Teilnehmer*innen, die Befassung mit dem/Annäherung an den Ort und der Umgang mit den stets dynamischen Rahmenbedingungen. 

»Verunsichernde Orte« ist ein Angebot von Pädagog*innen für Pädagog*innen. Zugleich handelt es sich nicht um ein Methodentraining, sondern um eine Weiterbildung zur Selbstreflexion, bei der die im »TZI-Dreieck« beschriebenen Faktoren sowie die damit verknüpften Beziehungsgeflechte in den Blick genommen werden. Die Übungen dauern jeweils 60 bis 180 Minuten und sind modular konzipiert. Das heißt, sie können flexibel arrangiert werden und eignen sich für längere, aber auch kürzere Seminare, wobei mindestens eine eintägige Fortbildung empfohlen wird. 

Die Teilnahme an Seminaren soll die professionelle Standortbestimmung und Resilienz in der pädagogischen Arbeit befördern. Im Fokus steht dabei die Reflexion des eigenen Selbstverständnisses und der pädagogischen Praxis. Die Übungen eröffnen Austauschräume zu subjektiven Dilemmata, Unsicherheiten und Toleranzgrenzen und bieten die Möglichkeit, im gemeinsamen Prozess professionelle Handlungsstrategien zu entwickeln. Nicht zuletzt werden damit Werkzeuge erprobt, die in den Alltag integriert werden können, um auch dort (Zeit-)Fenster für eine begleitende Reflexion zu schaffen.

 

Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen

Als Weiterbildung wird »Verunsichernde Orte« in der Regel von interessierten Einrichtungen angefragt, für deren konkrete Bedarfe das Team ein Seminar konzipiert. Seit 2010 finden jährlich 10 bis 12 Seminare statt.4 Die Zusammensetzung der Teilnehmer*innen ist dabei unterschiedlich. Mal handelt es sich um das pädagogische Team einer Gedenkstätte, mal nehmen Vertreter*innen aus verschiedenen Gedenkstätten teil, beispielsweise auf Einladung einer regionalen Stiftung oder einer Landeszentrale für politische Bildung. Zunehmend gibt es offen ausgeschriebene Angebote, an denen auch Lehrkräfte oder Multiplikator*innen der historisch-politischen Bildung jenseits von Gedenkstätten teilnehmen. Das Team von »Verunsichernde Orte« hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Neue Kolleg*innen kamen hinzu, einige der ursprünglichen Teamer*innen fanden neue Aufgaben, andere sind weiterhin dabei.

Vor allem in den letzten Jahren ist in den Seminaren seitens der Teilnehmer*innen ein wachsender Bedarf nach einer Beschäftigung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen und eine zunehmende Unsicherheit bezüglich der damit einhergehenden Herausforderungen in der historisch-politischen Bildungsarbeit zu verzeichnen. Hervorzuheben ist dabei vor allem das politische Erstarken der extremen Rechten, welches die Arbeit an Gedenkstätten maßgeblich beeinflusst: Gedenkorte und die dort arbeitenden Personen sind verstärkt Angriffen ausgesetzt.5 

Ein bedeutsamer Faktor in diesem Zusammenhang ist auch die gezielte Kampagne für »Neutralität« in der historisch-politischen Bildung: Unter verfälschendem Rückbezug auf den Beutelsbacher Konsens und das sogenannte Neutralitätsgebot, das Beamte und staatliche Stellen dazu verpflichtet, keinen Einfluss auf den parteipolitischen Wettbewerb zu nehmen,6 wird die Kritik an rassistischen und rechtsradikalen Positionen systematisch als die »Neutralität« verletzend diffamiert.7Nicht nur die Wahlerfolge der AfD führen bei vielen Gedenkstättenpädagog*innen dazu, dass sie die Wirksamkeit ihrer Arbeit hinterfragen. Müssen die Gedenkstätten ihren Auftrag grundsätzlich überdenken? Ist es ein problematischer Weg gewesen, die Gedenkstättenarbeit so sehr pädagogisch zu konzipieren? Was kann die Gedenkstättenpädagogik aus Y. Michal Bodemanns Kritik am »Gedächtnistheater«8 lernen? An wen richten sich ihre Angebote und was können sie realistischerweise bewirken?

Zudem erfordert eine diskriminierungssensible gedenkstättenpädagogische Arbeit für die hyperdiverse Gesellschaft von allen Personen, die in der historisch-politischen Bildung zur Geschichte des Nationalsozialismus arbeiten, dass sie ihre eigene Positionierung zu dieser Vergangenheit sowie die Positionierung der Menschen, mit denen sie arbeiten, reflektieren. Das kann zum Beispiel heißen, Familiengeschichten aus aller Welt mit Blick auf die Spannbreite »Verfolgte« –»Bystander*innen« – »(Mit-)Täter*innen« zu besprechen.

Auch die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, des Massakers der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 sowie des darauffolgenden Gaza-Kriegs stellen die historisch-politische Bildungsarbeit zur Geschichte des Nationalsozialismus vor Herausforderungen. Teilnehmer*innen formulieren hier eigene, zum Teil kontroverse Einschätzungen oder ziehen verkürzte Vergleiche zwischen historischen und gegenwärtigen Konstellationen. Andere wiederum erwarten in einem gedenkstättenpädagogischen Angebot Rückversicherung oder Bestätigung in einer sich polarisierenden Gesellschaft.

 

Weiterentwicklung von »Verunsichernde Orte«

Um »Verunsichernde Orte« an die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die eben skizzierten Herausforderungen anzupassen, werden die bisherigen Übungen seit 2025 – gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung – kritisch durchgesehen, überarbeitet und weiterentwickelt. Einige Übungen wurden komplett neu konzipiert. 

Das Team ist im regelmäßigen Austausch über die aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Gedenkstättenpädagogik. Zugleich evaluiert es die Erfahrungen aus den laufenden Seminaren. Die auf dieser Grundlage weiterentwickelten und neuen Übungen des Programms legen einen expliziten Fokus auf die Stärkung der Pädagog*innen vor Ort im Umgang mit (extrem) rechten Angriffen und Störungen sowie mit geschichtsrevisionistischen, antisemitischen, rassistischen und weiteren diskriminierenden Positionierungen. Ziel ist dabei auch, Gedenkstättenpädagog*innen Tools anzubieten, die sie gemeinsam mit ihren Kolleg*innen eigenständig nutzen können.

 

Im Folgenden skizzieren wir drei Übungen, die das »Verunsichernde Orte«-Team überarbeitet beziehungsweise neu entwickelt hat.

 

→ »Sprache und Diskurs«: Die neue Übung adressiert antisemitischen, rassistischen oder anderweitig diskriminierenden Sprachgebrauch – sowohl in historischen Dokumenten als auch in gegenwärtigen Vermittlungssituationen. Anhand konkreter Beispiele, die sich in Ausstellungen, Schulbüchern oder auf dem Gedenkstättengelände finden, reflektieren die Teilnehmer*innen den Gebrauch von problematischen Termini und Narrativen. In Kleingruppen erarbeiten sie mögliche Umgangsweisen damit. Anschließend entwickeln sie einzeln und in der Gruppe eine Haltung, wie sie mit diesen in ihrer pädagogischen Praxis umgehen.

 

→ »Was heißt hier neutral?«: Die neue Übung bietet sich auch für die Arbeit mit Lehrkräften an. Sie thematisiert die bewusste Instrumentalisierung des Neutralitätsbegriffs im Kontext der Gedenkstätten- und historisch politischen Bildungsarbeit. Die Übung greift auf reale Situationen und konkret erfolgte kritische Anfragen an Gedenkstätten und Lehrkräfte zurück. Sie bietet die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit der eingeforderten »Neutralität« sowie der Entwicklung möglicher Strategien zum Umgang mit derartigen Anfechtungen an. Sie verweist darauf, dass die Ausrichtung der eigenen Bildungsarbeit am Grundgesetz, an den Menschenrechten und an grundlegenden demokratischen Werten nicht »parteiisch«, sondern pädagogisch geboten ist – insbesondere, wenn es um die Vermittlung der Geschichte der nationalsozialistischen Staats- und Gesellschaftsverbrechen geht.

 

→ »Toleranzgrenze«: Diese Übung war von Beginn an im Repertoire von »Verunsichernde Orte« enthalten. In der bisherigen Version sollten die Teilnehmer*innen Situationen im Rahmen pädagogischer Settings beschreiben, die sie selbst als grenzwertig erlebten, und sich anschließend mit anderen darüber austauschen, um sich ihrer Toleranzgrenze bewusst zu werden.9 Während es in den Diskussionen der 2010er-Jahren vornehmlich um Themen wie unangemessene Kleidung oder die Einbindung eines Gedenkstättenbesuchs in eine Kaffeefahrt ging, die von den Teilnehmenden durchaus kontrovers diskutiert wurden, verschob er sich in den letzten Jahren deutlich in Richtung extrem rechten und diskriminierenden Handelns. Dies führte dazu, dass sich die Teilnehmer*innen bezüglich der (Nicht-)Tolerierbarkeit meistens schnell einig wurden und kaum noch kontroverse Diskussionen stattfanden. Hier setzt die überarbeitete Übung an, die nun verstärkt auch weniger eindeutige Situationen in den Blick nimmt und auf die Entwicklung konkreter Handlungsoptionen abzielt. 

 

Das »Verunsichernde Orte«-Team wird die Übungen und Ansätze auch in Zukunft kontinuierlich evaluieren und wenn nötig weiterentwickeln – auch vor dem Hintergrund der dynamischen gesellschaftlichen und politischen Situation. Ab Ende März 2026 werden die überarbeiteten Module und die Kontaktadresse für Buchungsanfragen auf einer neuen Website zu finden sein: 

 

 www.verunsicherndeorte.de 

Uta George hat 15 Jahre als Pädagogin in der Gedenkstätte Hadamar und 15 Jahre in der kommunalen Diversitäts- und Antidiskriminierungsarbeit gearbeitet. Sie ist heute selbstständige Trainerin, u.a. zu inklusiven Ansätzen und seit 2009 bei »Verunsichernde Orte«.

Lisa Schank ist Historikerin und Geschichtsvermittlerin. Sie war unter anderem in der Gedenkstätte Buchenwald und dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit tätig und arbeitet heute in verschiedenen Projekten der NS-Erinnerungskultur. Sie ist seit 2024 Teil des Teams von »Verunsichernde Orte«.

 

Dieser Artikel wurde von Uta George und Lisa Schank stellvertretend für das gesamte Team »Verunsichernde Orte« verfasst.