Im Rahmen des Begleitprogramms JUGEND erinnert vernetzt fand am 18. September 2025 die dritte digitale Workshop-Austauschplattform mit dem Schwerpunkt „Design Thinking und Gamification für erinnerungskulturelle Projekte" statt. Die Veranstaltung richtete sich an Projektträger:innen der Förderschienen JUGEND erinnert vor Ort und JUGEND erinnert engagiert.
Ziel des Nachmittags war es, praxisnahe Ansätze zur Entwicklung digitaler Vermittlungsformate in der Erinnerungsarbeit vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren, wie spielerische Elemente und nutzendenzentrierte Methoden in der historisch-politischen Bildung eingesetzt werden können.
Im ersten Teil präsentierte Markus Bassermann, Projektleiter des Serious Games „Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm", Erfahrungswerte aus der Entwicklung eines digitalen Erinnerungsspiels für die Gedenkstätte Bullenhuser Damm. Er zeigte, wie durch Spielmechaniken historische Erfahrungen emotional zugänglich gemacht werden können, und betonte dabei die Bedeutung, vom Medium her zu denken: Games haben eine eigene Sprache – die Interaktivität. Wichtig sei es, klare narrative Grenzen zu setzen und Didaktik von Anfang an mitzudenken, nicht als nachträgliche Ergänzung. Das Spiel richtet sich nicht nur an spielende Jugendliche, sondern auch an Multiplikator:innen wie Lehrkräfte und Gedenkstättenpersonal. Technisch wurde bewusst auf VR und AR verzichtet; stattdessen setzt das Projekt auf eine barrierearme Tablet-Lösung mit Voiceover-Funktion.
Im zweiten Teil vermittelte Julia Meyners, Gründerin des VXD Studio und User Experience Designerin, publikumsorientierte Methoden aus dem Design Thinking. Sie zeigte, wie Ko-Kreation mit jungen Menschen in erinnerungskulturellen Projekten gelingen kann. Design Thinking stellt den Menschen und seine Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt und kombiniert Kreativität mit systematischem Vorgehen. Zentral sind dabei die drei Ps: People, Process und Place – also die beteiligten Personen, der strukturierte Ablauf und eine kreativitätsfördernde Arbeitsumgebung. Meyners stellte konkrete Methoden vor, darunter explorative Interviews, Personas, Empathy Maps und Papierprototypen. Ihr zentraler Appell: Menschen so früh wie möglich einbeziehen, ihnen die Methoden selbst in die Hand geben und durch Transparenz echte Partizipation ermöglichen.
In der Diskussion stand die Frage im Mittelpunkt, ob bestehende Angebote spielerisch ergänzt oder eigenständige interaktive Medien entwickelt werden sollten. Beide Referent:innen betonten die Bedeutung von Fokusgruppentests bereits in frühen Entwicklungsstadien. Auch Fragen nach technischen Entscheidungen, Barrierearmut und der Rolle von Multiplikator:innen wurden diskutiert. Design Thinking, so das Fazit, muss nicht immer als vollständiger Prozess durchlaufen werden – bereits einzelne Methoden können einen ko-kreativen Prozess unterstützen und helfen, nutzendenzentrierter zu denken.
Referent:innen
Markus Bassermann ist Projektleiter des Serious Games „Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm" bei der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Das Spiel ermöglicht jungen Menschen einen interaktiven Zugang zur Geschichte der Gedenkstätte Bullenhuser Damm und wird als Gruppenaktivität im schulischen Kontext eingesetzt.
Julia Meyners ist User Experience Designerin und Gründerin des VXD Studio. Sie begleitet Kultureinrichtungen und erinnerungskulturelle Projekte bei der nutzendenzentrierten Entwicklung von Angeboten und vermittelt Methoden des Design Thinking für partizipative Prozesse.