Im Rahmen des Begleitprogramms JUGEND erinnert vernetzt fand am 17. April 2025 eine digitale Workshop-Austauschplattform mit dem Schwerpunkt „Digitale Vermittlungsmethoden und Storytelling in der Erinnerungsarbeit“ statt. Die Veranstaltung richtete sich an Projektträger:innen der Förderschienen JUGEND erinnert vor Ort und JUGEND erinnert engagiert.
Ziel des Nachmittags war es, neue Impulse für digitale Formate und Storytelling in der historisch-politischen Bildungsarbeit zu setzen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam über Chancen, und Gelingensbedingungen digitaler Erinnerungsarbeit zu diskutieren.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Jakub Stańczyk (Gedenkstättenreferat, Stiftung Topographie des Terrors), der ins Thema einführte. Im Anschluss daran stellte Steffen Jost, Leiter des Bereichs Digital & Publishing am Jüdischen Museum Berlin, in seinem Vortrag aktuelle Trends in der digitalen Erinnerungskultur vor. Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigte er, wie TikTok, YouTube oder Livestreams genutzt werden können, um junge Zielgruppen zu erreichen – ohne dabei die pädagogische Tiefe aus dem Blick zu verlieren. Besonders betonte er die Bedeutung kreativer, plattformgerechter Inhalte und die Rolle von Lehrkräften als wichtige Multiplikator:innen.
Im zweiten Teil der Veranstaltung leitete Emily Laquer, Medientrainerin und Gründerin der Aktivistinnen-Agentur, einen praxisorientierten Workshop zur Entwicklung digitaler Narrative. Dabei ging es um die Frage, wie aus einem konkreten gesellschaftlichen Problem eine konsistente, digitale Kampagne entstehen kann. Mit konkreten Tipps zur Nutzung von Reels, Hooks und Captions vermittelte sie anschaulich, wie Storytelling online funktioniert – und warum man dabei auch den Mut haben sollte, Fehler zuzulassen und „cringe“ zu sein.
In der abschließenden Diskussion stand die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle Jugendliche selbst in der Produktion digitaler Inhalte spielen sollten. Die Impulsgeber:innen plädierten für echte Partizipation, bei gleichzeitiger institutioneller Rückbindung und Reflexion. Auch Themen wie die Rolle von Künstlicher Intelligenz, die Langfristigkeit digitaler Angebote und die Verknüpfung von Online- und Präsenzformaten wurden diskutiert.
Referent:innen
Steffen Jost ist Historiker und leitet seit Februar 2025 den Bereich Digital & Publishing am Jüdischen Museum Berlin. Zuvor war er Programmdirektor der Alfred Landecker Foundation, wo er innovative Formate zur digitalen Erinnerungskultur entwickelte. Sein wissenschaftlicher Hintergrund liegt in der Gedenkstättenpädagogik. Zehn Jahre lang war er in diesem Feld tätig, zuletzt als Leiter der Bildungsabteilung der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Emily Laquer ist Talkshow-Coach, Medientrainerin und Gründerin der Aktivistinnen-Agentur. Dort hat sie knapp 3.000 Haupt- und Ehrenamtliche auf Auftritte in Formaten wie Markus Lanz oder der Tagesschau vorbereitet. Sie arbeitet mit Engagierten aus Flüchtlingsräten, Migrant*innen- und Queer-Verbänden, antifaschistischen Organisationen, Demokratieinitiativen und Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt.