Im Rahmen des Begleitprogramms JUGEND erinnert vernetzt fand am 26. Juni 2025 die zweite digitale Workshop-Austauschplattform mit dem Schwerpunkt „Jugendbeteiligung in der historisch-politischen Bildungsarbeit" statt. Die Veranstaltung richtete sich an Projektträger:innen der Förderschienen JUGEND erinnert vor Ort und JUGEND erinnert engagiert.
Im Zentrum des Nachmittags stand die Frage, wie Partizipation junger Menschen in Gedenkstättenprojekten sinnvoll, wirkungsvoll und nachhaltig gestaltet werden kann. Ausgangspunkte der Diskussion waren: Warum ist Beteiligung wichtig? Was bedeutet sie konkret? Und wie gelingt sie unter realen Bedingungen?
Jonas Deitert, Moderator für Jugendpartizipation, führte durch den Workshop und stellte im Plenum zentrale Modelle und Konzepte vor. Dabei ging es um Definitionen und ethische Grundlagen gelingender Partizipation, die Stufen der Beteiligung nach Roger Hart sowie das Lundy Model of Participation mit seinen vier Dimensionen Voice, Space, Audience und Influence. Ergänzend wurden die neun Kriterien sinnvoller Beteiligung nach Save the Children und das Partizipationsdreieck mit den Eckpunkten Haltung, Methode und Struktur vorgestellt.
Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen konkrete Herausforderungen und Potenziale zur Umsetzung von Beteiligung in ihren eigenen Projekten. Dabei wurden vielfältige Hürden benannt: Zeitmangel und strukturelle Einschränkungen, das Spannungsfeld zwischen Alibi-Teilhabe und echter Entscheidungsmacht, eine oft hinderliche Ergebnis- und Produktorientierung sowie die Komplexität der Themen. Auch wurde kritisch reflektiert, dass Beteiligung häufig nur im pädagogischen Bereich stattfindet, nicht jedoch bei strukturellen Entscheidungen.
Als mögliche Ansätze wurden unter anderem diskutiert: Beteiligung auf unterschiedlichen Ebenen zu denken – etwa durch Jugendbeiräte oder Kuratorien –, Zielgruppen frühzeitig in Projektentwicklung und Quellenauswahl einzubeziehen sowie Offenheit für einen „Explorationsraum" statt fixer Endprodukte zu schaffen.
In der abschließenden Diskussion wurde betont, dass Partizipation Transparenz braucht – sowohl gegenüber den Jugendlichen als auch gegenüber sich selbst: Was ist in meinem Projekt wirklich möglich? Die vorgestellten Modelle und Kriterien dienen dabei als Reflexionshilfe, nicht als starre Vorgabe. Ziel ist nicht nur Beteiligung als Methode, sondern eine Haltung, die Mitgestaltung ermöglicht. Die im Workshop aufgeworfene Frage nach der Motivationskrise bei Jugendlichen wurde aufgenommen und soll in zukünftigen Formaten weiterverfolgt werden.
Referent
Jonas Deitert M.A. ist Moderator für Jugendpartizipation und begleitet Projekte bei der Entwicklung und Umsetzung von Beteiligungsformaten für junge Menschen. In seiner Arbeit verbindet er theoretische Grundlagen der Partizipationsforschung mit praxisnahen Methoden für die Projektarbeit.