Die Nachwirkungen der Nazizeit aus heutiger Sicht (Konferenz)

Evangelische Akademie Arnoldshain.Die Tagung wird im Rahmen der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung durchgeführt und vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
19. September 2006

Projektbeschreibung:

Eine Mentalitätsgeschichte des Nationalsozialismus und seiner lang anhaltenden Folgen und Wirkungen müsse noch geschrieben werden, konstatiert der Historiker Wolfgang Benz. In jüngerer Zeit sind eine Reihe lesenswerter Publikationen erschienen, die als Teilstücke einer solchen Mentalitätsgeschichte gelten können. Gemeinsam ist ihnen, dass es sehr persönliche Auseinandersetzungen sind, die sich kritisch mit der NS-Vergangenheit der eigenen Familie beschäftigen. Oft sind es die Nachkommen der namhaften Täter, häufig jedoch auch die Nachkommen eher unbekannter Akteure im Getriebe des NSRegimes, die in der individuellen retrospektiven Konfrontation mit der Beteiligung und Schuld ihrer Vorfahren ein Thema öffentlich machen, das für viele deutsche Familien seit Ende des Zweiten Weltkriegs elementare Bedeutung hat, doch bis heute von starken Tabus behaftet ist und bisher selten über den innerfamiliären Horizont hinaus gelangte. Neben der zweiten Generation ist unterdessen eine dritte Generation hinzugekommen, die den biographischen Folgen des Nationalsozialismus nachspürt, die familiären Prägungen und weltanschaulichen Einstellungen hinterfragt und dabei den eigenen Erinnerungsbzw. Annäherungsprozess zum Gegenstand der Reflexion macht. Dass derzeit die Geschichte des Nationalsozialismus stärker als bisher als Teil der eigenen Familiengeschichte ins Blickfeld rückt, hat möglicherweise mit dem erneut stattfindenden Generationswechsel zu tun. Ungeachtet dessen, ob es sich um die Generation der Kinder oder der Enkel handelt – für viele, die jetzt an die Öffentlichkeit treten, scheint mit dem zunehmendem zeitlichen Abstand zu den historischen Ereignissen und dem Sterben der letzten noch lebenden Zeitzeugen der Tätergeneration eine solche Erkundung der eigenen Familiengeschichte überhaupt erst möglich geworden zu sein. Im Mittelpunkt der Tagung stehen einige der neueren Bücher, deren Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Protagonisten im Beziehungsgeflecht der eigenen Familie als exemplarisch gelten kann. Indem die Autoren und Autorinnen die nationalsozialistische Vergangenheit als Familiengeschichte und damit als Teil der eigenen Gegenwart begreifen, möchten sie sich der eigenen Vorgeschichte und der eigenen Identität vergewissern. Mit ihren Aufzeichnungen eröffnen sie so neue Zugänge zu einer Beschäftigung mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Neben den ausgewählten Büchern, die von den Autoren und Autorinnen vorgestellt werden, beschäftigen sich Fachvertreter aus Geschichte, Theologie und Psychoanalyse mit den Zusammenhängen von Erinnerung und Generation, der Rolle der Kirche als einer gesellschaftlich wirksamen Institution bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und mit den psychohistorischen Nachwirkungen des Nationalsozialismus im Wandel der Generationen. Zum Mitdiskutieren sind Sie herzlich eingeladen.._______________________________________________________________________________________..Anmeldung: Schriftliche oder elektronische Anmeldung zur Teilnahme an die Evangelische Akademie Arnoldshain erforderlich..__..online-Anmeldung unter:.www.evangelische-akademie.de/tagungen.html.__..Tagungskosten: Kursgebühr 30,00 €.Vollpension und Übernachtung im Doppelzimmer: 100,00 €; im Einzelzimmer: 116,00 €.Verpflegung 44,00 €.(ohne Übernachtung/Frühstück).Schüler/Innen, Studierende und Auszubildende bis 35 Jahre, Zivildienstleistende und Arbeitslose erhalten nach Vorlage des Ausweises eine Ermäßigung von 50%. Kosten fr nicht eingenommene Mahlzeiten können leider nicht erstattet werden..________________________________________________________________________________________..- Freitag, 13. Oktober 2006..16.15 Beginn der Tagung mit dem Kaffee/Tee..16.45 Begrüßung und Einführung..17.00 Die Sprache der Generationen. Kollektive Selbstbeschreibungen und historische Bezugsereignisse.Dr. Ulrike Jureit, Hamburger Institut für Sozialforschung anschließend Diskussion im Plenum..18.30 Abendessen..19.30 Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte.Katrin Himmler, Autorin & Politikwissenschaftlerin, Berlin.anschließend Diskussion im Plenum..21.00 Gelegenheit zu informellen Gesprächen..- Samstag, 14. Oktober 2006..8.30 Frühstück..9.00 Schweigen die Täter, reden die Enkel.Uwe von Seltmann, Autor & Journalist, Leipzig.anschließend Diskussion im Plenum..10.30 Kaffee/Tee im Foyer..11.00 Familiengeschichten – Familienromane..Ist es notwendig, die Geschichte seiner Vorfahren zu kennen?.PD Dr. Christian Schneider, Soziologe & Forschungsanalytiker, Frankfurt a. M..anschließend Diskussion im Plenum..12.30 Mittagessen..14.30 Kaffee/Tee im Foyer..15.00 Der Schatten meines Vaters.Dr. Richard v. Schirach, Sinologe & Publizist, München.anschließend Diskussion im Plenum..16.30 Pause..17.00 Arbeitsgruppen zu den während der Tagung aufkommenden Fragen..18.30 Abendessen..19.30 Das falsche Leben. Eine Vatersuche.Ute Scheub, Journalistin & Publizistin, Berlin.anschließend Diskussion im Plenum..21.00 Gelegenheit zu informellen Gesprächen..- Sonntag, 15. Oktober 2006..8.30 Frühstück..9.30 Der Protestantismus und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach 1945.Professor em. Dr. theol. Martin Greschat, Justus-Liebig-Universität Gießen.anschließend Diskussion..11.00 Kaffee/Tee im Foyer..11.30 Abschlussdiskussion..12.30 Ende der Tagung mit dem Mittagessen

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