Global Authentic Memory Initiative (GAMI)

Authentic Memory
29. Oktober 2026

Über Authentic Memory

Authentic Memory ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in München, die offene kryptografische Infrastruktur für Archive und Gedenkstätten aufbaut, damit authentische historische Dokumente nachweisbar von KI-generierten Inhalten unterscheidbar bleiben.

Kein Original einer Datei verlässt jemals die Institution. Stattdessen berechnet das Archiv auf den eigenen Rechnern einen digitalen Fingerabdruck der Datei und bestätigt mit seiner eigenen digitalen Signatur, dass die Datei aus seinen Beständen stammt. Der Fingerabdruck wird dann in ein öffentliches, manipulationssicheres Register eingetragen, das belegt, dass die Datei spätestens zum Zeitpunkt des Eintrags existierte. 

Jeder kann eine Datei kostenlos unter verify.authenticmemory.org überprüfen. Die Nachweise bleiben gültig, auch wenn Authentic Memory nicht mehr existieren sollte.

Warum das wichtig ist

Im Januar 2026 veröffentlichten Gedenkstätten und Erinnerungsorganisationen einen gemeinsamen offenen Brief gegen KI-generierte Holocaust-Verzerrungen. Sie wiesen auf eine Gefahr hin, die größer ist als die gefälschten Bilder selbst: Wer täglich mit überzeugenden Fälschungen konfrontiert ist, beginnt, selbst an authentischen Dokumenten zu zweifeln. Forschende nennen dies die Lügner-Dividende. Sie ist am gravierendsten für Dokumente, die ohnehin umkämpft sind, wie etwa die Dokumentation des Holocaust. 

Je schwerer sich KI-generierte Fälschungen von echten Aufnahmen unterscheiden lassen, desto eher laufen authentische historische Dokumente Gefahr, als Fälschungen abgetan zu werden, weshalb der Nachweis ihrer Authentizität jetzt erbracht werden muss, solange sich beide noch unterscheiden lassen.

Zum einen leben heute immer weniger Zeitzeugen, sodass aufgezeichnete Zeugnisse zu den zentralen Trägern der Zeitzeugenschaft werden. Zum anderen haben kryptografische Zeitstempel nur dann Gewicht, wenn sie zu einem Zeitpunkt generiert werden, an dem sich authentische Aufzeichnungen noch klar von synthetischen unterscheiden lassen. Daher muss der Nachweis jetzt erbracht werden.

Wie es funktioniert

Mit Authentic Memory erhält jede historische Datei einen digitalen Fingerabdruck, eine Signatur des Archivs, das sie verwahrt, und einen öffentlichen, manipulationssicheren Zeitstempel, sodass jeder später unabhängig prüfen kann, woher die Datei stammt, seit wann sie nachweislich existiert und ob sie seither verändert wurde.

EINFACH ERKLÄRT

Für jede Datei – zum Beispiel ein aufgezeichnetes Interview mit Überlebenden – berechnet das Archiv einen digitalen Fingerabdruck: einen kurzen Code, den nur genau diese Datei erzeugt. Ändert man ein einziges Pixel, ist der Code ein völlig anderer. Das Archiv bestätigt mit seiner eigenen digitalen Signatur, dass die Datei aus seinen Beständen stammt. Der signierte Fingerabdruck wird dann in einem öffentlichen, dezentralen Register verankert, das auf Tausenden von Rechnern weltweit geführt wird und dessen Einträge niemand nachträglich ändern kann. Zusammen belegt das drei Dinge über jede Datei: aus welchem Archiv sie stammt, seit wann sie nachweislich existiert und dass sie seither nicht verändert wurde.

Wer eine Kopie der Archivdatei besitzt, kann sie unter verify.authenticmemory.org prüfen und sehen, ob dafür ein Nachweis existiert. Mit der Datei und ihrer Nachweisdatei geht das auch unabhängig von Authentic Memory, mit einem quelloffenen Prüfprogramm auf dem eigenen Rechner. Nur exakte Kopien werden erkannt: Ein Clip von YouTube oder aus einer Nachrichtensendung wurde in der Regel komprimiert oder geschnitten, sodass das Verifikations-Tool möglicherweise „nicht gefunden“ meldet. Das bedeutet nur, dass der Clip keine exakte Kopie einer verankerten Datei ist, nicht, dass er gefälscht ist. 

Der Nachweis zeigt nicht, was mit einer Datei vor ihrer Verankerung geschehen ist oder ob das, was ein Zeitzeuge berichtet, wahr ist.

Wie es für Authentic Memory weitergeht

Mit dem Beitritt weiterer internationaler Archive, Museen und Gedenkstätten entwickelt sich Authentic Memory vom Pilotprojekt zur Infrastruktur. 

Innerhalb des kommenden Jahres will Authentic Memory so viele historische Dateien wie möglich verankern, solange sie sich noch von den rasant besser werdenden Deepfakes unterscheiden lassen. 

Bis Ende 2026 plant Authentic Memory die Veröffentlichung eines Widgets, mit dem Archive den Nachweis direkt neben ihren eigenen Beständen zeigen können, sodass Besucher:innen eine Datei dort verifizieren können, wo sie ihr begegnen.

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