democ beobachtet, dokumentiert und analysiert seit 2019 antidemokratische Bewegungen mit Fokus auf Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamismus. Mit kurzen Videos und Bildungsangeboten informieren wir über die Ergebnisse unserer Recherchen. Durch unser Online-Monitoring behalten wir einen Überblick über die sich ständig aktualisierenden antisemitischen Narrative und Symboliken. Dabei sehen wir, wie leichtfertig sich antisemitische Chiffren durch jugendkulturelle Referenzen, überwältigende Bildsprachen oder unterhaltsame Memes und Videos in Formen übersetzen lassen, die von jungen Menschen wie selbstverständlich angenommen werden.
Wird dem nicht entgegengewirkt, kann die ständige Präsenz antisemitischer Inhalte im digitalen Raum zur Normalisierung und Verfestigung antisemitischer Ressentiments führen und sich potenziell in eine politische Überzeugung übersetzen. RIAS dokumentierte 2024 bundesweit 284 antisemitische Vorfälle an Schulen – 2023 waren es 255, 2022 noch 86. Von einer hohen Dunkelziffer muss ausgegangen werden. Pädagog:innen stehen hier vor der Herausforderung, antisemitische Narrative zu erkennen, zu verstehen und ihnen zu begegnen. Häufig fehlt es vor allem an tieferen Kenntnissen aktueller Erscheinungsformen des Antisemitismus.
Es bedarf einer systematisch in der pädagogischen Aus- und Weiterbildung verankerten Vermittlung von Wissen über gegenwärtige Spielarten des Antisemitismus sowie von Logiken digitaler Plattformen. Wo die Sensibilität für die feinen Nuancen moderner Judenfeindlichkeit fehlt, wird Antisemitismus oft erst dann als solcher benannt, wenn er offen diskriminierend oder gar gewalttätig auftritt – während die subtilen Artikulationen unbemerkt bleiben.
Die neue democ-Handreichung soll pädagogische Fachkräfte im Umgang mit israelbezogenem Antisemitismus stärken und nimmt dabei digitale Räume als maßgeblichen Ort seiner Verbreitung in den Blick.