Im Besucherzentrum der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück wird vom 10. Dezember 2010 bis Ende Februar 2011 die Ausstellung "Der Lebensborn e.V." zu sehen sein. Der "Lebensborn" war ein von der SS getragener und staatlich geförderter Verein. Im Deutschen Reich sowie im besetzten Ausland betrieb er insgesamt 24 Heime, in denen nichtverheiratete "arische" Mütter die letzten Monate ihrer Schwangerschaft verbringen, entbinden und die Niederkunft geheimhalten konnten. Voraussetzung war der Nachweis der "arischen" Herkunft der Erzeuger. In den besetzten Gebieten waren dies oft deutsche Soldaten oder SS-Männer. Im Deutschen Reich kamen ab 1943 auch mehr und mehr Ehefrauen von SS-Männern in die "Lebensborn"-Heime, um ungestört von den Kriegsereignissen ihr Kind zur Welt zu bringen.
In vier "Lebensborn"-Heimen sowie in der Zentrale in München wurden ab 1943 Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück als Gärtnerinnen, Haushandwerker, Köchinnen und Putzhilfen eingesetzt. Sie gehörten zur Häftlingsgruppe der Zeugen Jehovas. Mit der Präsentation der Ausstellung möchte die Gedenkstätte Ravensbrück an den Arbeitseinsatz dieser bislang nachgewiesenen 24 Häftlinge erinnern, über deren Situation bislang kaum etwas bekannt ist.
Die vom Kreisjugendring Ebersberg (Oberbayern) konzipierte Ausstellung wurde im Mai 2009 erstmals im heutigen Betreuungszentrum Steinhöring gezeigt, auf dessen Gelände 1936 das erste "Lebensborn"-Entbindungsheim eröffnet wurde. Am 19. Februar 2011 wird in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück einem Workshop zur Geschichte des "Lebensborn"-Vereins stattfinden, an dem neben renommierten Wissenschaftlern auch die Zeitzeugin Edda Tunn (Fürstenberg) teilnehmen wird, die im Lebensbornheim Klosterfelde geboren wurde.