| Bildungsarbeit mit Zeugnissen von Opfern des Nationalsozialismus Bei der Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust kommt den Zeugnissen der Überlebenden eine besondere Rolle zu. In Schrift, Bild oder Ton lassen sie persönliche Lebenswege und Verfolgungsschicksale deutlich werden und bringen so die Perspektive der Opfer in das historische Gedächtnis ein. | ||
Eintritt: frei Zielgruppe: Multiplikatoren der historisch-politischen Bildungsarbeit Anmeldung: schriftlich bis 20. Juni 2011 (auch per E-Mail an dialog@sintiundroma.de) Bei der Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust kommt den Zeugnissen der Überlebenden eine besondere Rolle zu. In Schrift, Bild oder Ton lassen sie persönliche Lebenswege und Verfolgungsschicksale deutlich werden und bringen so die Perspektive der Opfer in das historische Gedächtnis ein. Im Mittelpunkt des Workshops steht die Vorstellung von zwei Zeugnisformen und der Austausch über ihre Einsatzmöglichkeiten in der historisch-politischen Bildungsarbeit. Modul 1 (Dr. Sascha Feuchert, Dr. Markus Roth): Erzählen gegen die Ignoranz. Frühe Text der Holocaust- und Lagerliteratur 1945–1949 Bereits während der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik erschienen im Exil zahlreiche Texte Verfolgter, in denen sie die Unrechtsmaßnahmen des Regimes und ihre eigene Leidenszeit in den Lagern darstellten. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren wurde bis 1949 eine Flut an autobiographischen und dokumentarischen Berichten veröffentlicht, die prägend werden sollten für die Zeugnisse späterer Jahre. Gleichwohl sind diese Texte bis auf wenige Ausnahmen seit Gründung der beiden deutschen Teilstaaten schnell in Vergessenheit geraten und von täterzentrierten Diskursen verdrängt worden. Anhand von zwei exemplarischen Texten sollen die Darstellungsstrategien, ihre zeitgenössische Rezeption sowie Möglichkeiten und Grenzen ihres Einsatzes in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit dargestellt und diskutiert werden. Modul 2 (Dr. Constanze Jaiser): Gedächtnis in Bewegung: Videointerviews und Erinnerung an den Holocaust interaktiv Im Mittelpunkt des Moduls stehen Videointerviews, in denen Überlebende des Holocaust über ihre Erfahrungen berichten, sowie die zentrale Frage, welche Möglichkeiten in diesen Quellen für die politische Bildungsarbeit liegen. Wie kann die Vielstimmigkeit der Verfolgungsschicksale und des Überlebenskampfes sichtbar gemacht werden? Wie können wir darüber den Holocaust als Prozess verstehen lernen – ein Prozess, an dem verschiedene Akteure beteiligt waren? Wie können wir uns den individuellen Strategien des Erzählens und diesen traumatischen Erinnerungen annähern? Begegnungen mit Zeitzeugen werden von Jugendlichen in der Regel äußerst nachhaltig positiv erinnert. Doch wie ist das mit Zeugnissen, bei denen kein leibhaftiger Mensch gegenüber sitzt? Pädagogisch stellt sich gleich die Herausforderung, einerseits die oft Stunden dauernden Interviews in der Regel nicht in Gänze anhören/sehen zu können, andererseits das Zeugnis nicht, wie häufig in den Dokumentationen des ZDF-Historikers Guido Knopp zu sehen, in Zitatenschnipsel zu zerlegen und als bloße Illustration zu verwenden. Zeugnisse von Holocaustüberlebenden und Zeugenschaft sind viel mehr als das. Letztlich findet auch im Hören und Sehen des Videointerviews ein komplexer Kommunikationsprozess statt. Gemeinsam wird an einer Vergegenwärtigung von Erfahrungen im Holocaust gearbeitet: Etwas in der Vergangenheit Erfahrenes wird in die Gegenwart geholt, und zwar über Sprache und mit allen Sinnen. Das Zeugnis entsteht im Moment des Sprechens, und es bedarf einer Gemeinschaft. Ohne Erinnernden kein Zeugnis. Ohne Zuhörer kein Zeugnis. Im Workshop sollen Methoden und praktische Beispiele diskutiert und weiter entwickelt werden, die Constanze Jaiser im Rahmen eines pädagogischen Konzepts (für Sek I und Sek II) für das neue Videoarchiv am Berliner Holocaustmahnmal entwickelt hat. Die Interviews stammen aus der Sammlung Fortunoff/Yale University und dem Archiv der Erinnerung, Moses Mendelsohn Zentrum/Universität Potsdam. Die Stiftung Denkmal hat eine Aufbereitung der Interviews in einer Datenbank entwickelt, die die Quelle als Oral History Quelle ernst nimmt, eine Vielzahl von Zugängen anbietet und damit pädagogischen Belangen entgegenkommt, die sich offenbar auch mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen bewähren. Dr. Constanze Jaiser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und freie pädagogische Mitarbeiterin in der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz in Berlin.
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