Interdisziplinäre Tagung 29.10.–31.10.2027, Dortmund
Gesellschaften erinnern sich durch die Mittel, die ihnen ihre Kultur zur Verfügung stellt: durch Musik und Klang, durch Literatur und Sprache, durch Rituale, Monumente und Institutionen. Die Frage, wie musikalische und kulturelle Erinnerung gesellschaftlich (re)produziert, institutionell gespeichert und medial weitergegeben wird, ist in den letzten Jahren u.a. durch Impulse aus den Memory Studies, der Medienwissenschaft, den Sound Studies und der postkolonialen Theorie neu beleuchtet worden.
Im Mittelpunkt der Tagung erinnerungsKULTUR soll dabei das Verhältnis zwischen Musik, Kultur und Erinnerungskultur stehen – wobei Kultur nicht nur als Trägermedium verstanden
wird, das Erinnerungen transportiert und überliefert, sondern als gestaltendes Element, das Erinnerung erzeugt, formt und mit Bedeutung ausstattet. Beispielsweise sind Musik, Kunst, Literatur und kulturelle Institutionen in diesem Sinne keine neutralen Archive der Vergangenheit, sondern aktive und reflexive Instanzen, die im Spannungsfeld von individuellem Erleben, kollektivem Gedächtnis und politischer Deutungsmacht operieren.
Erinnerungskultur wird hierbei als dynamischer, offener und konflikthafter Prozess verstanden – nicht als abgeschlossenes Erbe, das lediglich verwaltet werden müsste, sondern als Feld, auf dem gesellschaftliche Identitäten ausgehandelt, Machtverhältnisse sichtbar und historische Deutungen immer wieder neu verhandelt werden.
Die Tagung erinnerungsKULTUR versteht sich als Plattform für den Dialog zwischen diesen Fragen und den Menschen, die sie von unterschiedlichen Seiten aus bearbeiten: In diesem Sinne soll sie nicht nur eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme darstellen, sondern auch als Einladung zur kritischen Reflexion über die gesellschaftliche Funktion von Erinnerung in der Gegenwart gelten.
Wir laden Beiträge aus Forschung und Praxis zu folgenden Themenfeldern ein:
● Die Kultur der Erinnerungskultur – Welchen Anteil haben kulturelle Beiträge in der Formung von Erinnerungskultur, sowohl historisch als auch aktuell? Welche Werke haben eine besondere Geschichte?
● Musik und Kultur im kommunikativen und kulturellen Gedächtnis – Wie spiegeln und verarbeiten Gedenkkonzerte, Jubiläen und Jahrestage Kultur im kollektiven Gedächtnis?
● Sonderform musikalischer Erinnerungskultur? – Musik ist als zeitlich gebundene Kunst selbst auf Medien angewiesen, die sie tragen, überliefern und transformieren, wie zeigt sich dieser Sonderfall in der künstlerischen Gestalt und medialen Vermittlung?
● Erinnerungspolitik – Inwiefern werden nationale, regionale, diasporische und postmigrantische Diskurse in der musikalischen Erinnerung aufgegriffen?
● Erinnerungsmedien: Musik, Literatur, Internet – Wie prägt das Medium den Inhalt?
● Vergessen, Verschweigen, Auslöschen – Wie funktioniert kulturelle Exklusion - und welche ideologischen Mechanismen strukturieren den Diskurs?
● Vergangenheit und Gegenwart des Antisemitismus – Wie wirkt sich die Erinnerungskultur auf den Umgang mit gegenwärtigen Formen der Ausgrenzung aus?
● Zur Aufgabe der Gedächtnisinstitutionen – Welche Rolle spielen Archive, Bibliotheken, Rundfunkanstalten und Museen als Speicher und Selektionsinstanzen in der Editionspraxis, Kanonisierung und der Überlieferung?
● Darstellung im öffentlichen Raum – Wie zeigt sich Erinnerungskultur an Orten der Öffentlichkeit und welche Wirkung geht hiervon aus?
● Digitale und partizipative Erinnerungsmedien – Welchen Stellenwert haben Crowdsourced Archives, Fan-Communities, Wikipedia und Social Media als neue Gedächtnisakteure? Und welche Chancen und Risiken ergeben sich hieraus?
● Intersektionale und diverse Erinnerungspraxis – Wie strukturieren Kategorien wie Gender, Race und Klasse die Erinnerungskultur und ihre Lücken?
Interdisziplinäre Beiträge, die Musik-, Medien-, Geschichtswissenschaft, Kulturanthropologie, Sound Studies, Soziologie, Postcolonial Studies oder angrenzenden Disziplinen verknüpfen,
sind ausdrücklich willkommen. Besonders eingeladen sind auch Vertreter*innen der Kulturpraxis – aus Archiven, Gedenkstätten, Orchestern, Theatern und Kultureinrichtungen –, die aus ihrer Perspektive über Partizipation an der Erinnerungskultur referieren möchten. Einreichungen von Nachwuchswissenschaftler*innen werden ausdrücklich begrüßt. Die eröffnende Keynote wird Prof. Dr. Melanie Unseld der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien, halten.
Formate und Formalia
Für Einzelvorträge sind Slots von 30 Minuten geplant (20 Minuten Vortrag, 10 Minuten Diskussion). Zusätzlich sind Round Tables und ein Gesprächskonzert geplant. Die Tagungsbeiträge werden anschließend in einem Sammelband publiziert. Die Tagung findet in Präsenz in den Räumlichkeiten der TU Dortmund statt. Reise- und Übernachtungskosten können voraussichtlich für auswärtige Referent*innen übernommen werden.
Bitte senden Sie bis zum 13. September 2026 folgende Unterlagen als eine PDF-Datei an vinzenz.laarmann@tu-dortmund.de:
• Abstract des Beitrags (max. 300 Wörter)
• Kurzbio (max. 150 Wörter)